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Architektur : Albert Speer plant neue Autostadt in China

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Ein Wettbewerbssieg bedeutet noch lange nicht, daß sich der Architekt auch des Auftrags sicher sein kann - gerade in China. Deshalb ist die Freude im Büro AS & P über den mit 140 000 Dollar dotierten ...

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          Ein Wettbewerbssieg bedeutet noch lange nicht, daß sich der Architekt auch des Auftrags sicher sein kann - gerade in China. Deshalb ist die Freude im Büro AS & P über den mit 140 000 Dollar dotierten ersten Preis bei der Konkurrenz um ein städtebauliches Konzept für den Autoentwicklungspark in der chinesischen Industriemetropole Changchun zwar groß, aber doch noch nicht euphorisch. Erst wenn das Büro auch an der Ausführung einzelner Gebäude beteiligt werde, sei das Ganze lukrativ, heißt es bei AS & P.

          Das Volumen des Projekts ist so gigantisch wie vieles, was aus dem Land der hochprozentigen Wirtschaftswachstumszahlen ins ernüchterte Europa dringt: Mit einer Fläche von 120 Quadratkilometern soll die neue Autostadt doppelt so groß werden wie Schanghais Autocity. Es sollen nicht nur Hersteller angesiedelt werden, sondern auch Zulieferfirmen und Designunternehmen. Test- und Rennstrecken und eine "autoorientierte Freizeitnutzung" sollen das Projekt abrunden. Auch eine neue Stadt für 300 000 Einwohner im Zentrum der Gesamtanlage sieht der Entwurf des Büros vor.

          Die Stadt Changchun mit 2,7 Millionen Einwohnern hat eine Tradition im Automobilbau. Sie ist der Standort der ältesten Volkswagen-Fabrik in China, dort bauen rund 9000 Beschäftigte verschiedene Modelle der Marken VW und Audi. Auch Mazda ist hier mit einem Werk vertreten. Um diese Werke herum soll die neue Autostadt entstehen. Das Zentrum von Changchun wird mit einer Schnellbahn erreicht. Die Stadt kann mit Wachstumsprognosen aufwarten, die in Europa zuletzt im Zeitalter der Industrialisierung erreicht wurden: In den nächsten zehn bis 15 Jahren soll sich die Bevölkerung annähernd verdoppeln.

          Das Büro AS & P hat in China einen guten Namen. Albert Speer, der mittlerweile 70 Jahre alte Gründer von AS & P, der für sein Büro als eine Art Außenminister weiterhin rastlos tätig ist, hat die Chancen des Landes frühzeitig erkannt. Er scheut keine Reisestrapazen, um an Ort und Stelle für sein Büro zu werben. Diese Präsenz des weisen Chefs eines Unternehmens ist gerade in China ein Schlüssel zum Erfolg. Unter deutschen Architekten kann wohl nur Meinhard von Gerkan vom Hamburger Büro GMP auf ähnliche Erfolge in China verweisen. Ein unlängst im Wiesbadener Verlag Nelte erschienenes Buch über "Deutsch-chinesische Projekte" gibt darüber Auskunft. Unter den Frankfurter Architekten haben mit KSP Engel und Zimmermann, Jochem Jourdan und Jo Franzke immerhin drei Büros den Sprung in den Fernen Osten gewagt. Eine besondere Auszeichnung bedeutete es für Albert Speer, als er im Oktober 2002 den Auftrag erhielt, mit Blick auf die Olympischen Spiele im Jahr 2008 die zentrale Nord-Süd-Achse in Peking zu planen. AS & P bemühten sich, verkehrstechnische und ökologische Ansprüche miteinander in Einklang zu bringen. Ein Windpark und ein riesiger Zentralbahnhof wurden in der Achse angeordnet.

          Während es sich hier eher um eine städtebauliche Vision handelte, sind in Anting in der Nähe des VW-Werks bei Schanghai schon die ersten Bewohner eingezogen. Das Konzept und auch einige der Gebäude in der Stadt für 50 000 Einwohner stammen von den Frankfurter Planern, die geschwungene Straßen mit großzügigen Parkflächen verbanden. Speer und seine Mitarbeiter haben der Versuchung und auch dem Wunsch der Auftraggeber widerstanden, ein "Little Heidelberg" zu errichten. Wenn sich die deutsche Herkunft der Architekten in Anting widerspiegeln sollte, dann in einer modernen Baukultur. Und dazu gehören nach Überzeugung Speers eine Nutzungsmischung, auf Fußgänger ausgerichtete Straßenräume, gepflegte öffentliche Räume und ein hoher ökologischer Standard. Aufgrund der großen Nachfrage ist schon "Anting East" in Planung, ebenfalls von AS & P.

          Zur Einhaltung ökologischer Standards in der Gebäudetechnologie, die in China erst langsam auf Akzeptanz stoßen, hat das Büro AS & P auch die Bauherren eines Doppelturms mit 18 Geschossen in Schanghai bewegen können.

          MATTHIAS ALEXANDER

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