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Architekt Bofinger : „Das sind Warenhausarchitekten“

Deutsches Filmmuseum am Museumsufer in Frankfurt: Umbau für 11,5 Millionen Euro Bild: Wonge Bergmann

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt soll so gründlich umgebaut werden, dass von Helge Bofingers Bauwerk wenig übrig bleibt. Der Architekt will das nicht hinnehmen.

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          Helge Bofinger versucht zu retten, was er an seinem Bauwerk noch retten kann. Der Architekt des Filmmuseums, dessen schräggestelltes „Haus im Haus“ in der Stadtvilla bei der Eröffnung des Museums vor 25 Jahren noch gefeiert wurde, will die aktuellen Umbaupläne nicht kampflos hinnehmen. Für 11,5 Millionen Euro soll das aus allen Nähten platzende Filmmuseum am Museumsufer umgebaut werden. Und zwar so gründlich, dass von Bofingers Werk nichts übrig bleiben wird. Doch Bofinger pocht auf sein Urheberrecht.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um einen langwierigen und teuren Prozess zu vermeiden, strebt er nach eigenen Angaben einen Kompromiss an und hat seine Mitarbeit an dem Umbau angeboten. „Ich erhoffe mir eine Schadensbegrenzung“, sagt der Architekt. Seine Grundbedingung: Zumindest das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes solle nicht verändert werden. Besonders schmerzhaft sei für ihn die geplante Umgestaltung des Eingangs, den er als Zitat klassischer Kinoeingänge im Amerika der dreißiger Jahre angelegt hatte. Bofinger deutete an, bei Entgegenkommen in dieser Frage auf einen Teil jener Geldsumme verzichten zu wollen, die ihm aus der Abgeltung des Urheberrechts zustünde. Sollte eine gütliche Einigung scheitern, scheut Bofinger auch den Gerichtsweg nicht. „Dann werde ich über eine einstweilige Verfügung gehen“, droht er. Die Anwälte beider Seiten sind im Gespräch.

          Statische Fehler

          Bofinger hatte 1984 ein „Haus im Haus“ in die entkernte Hülle der rund hundert Jahre alten Stadtvilla gestellt. Dieses Kernstück, das die Schausäle erschließen und belichten sollte, steht nach Sicht des Deutschen Filminstituts einer vernünftigen Nutzung im Weg. Das „Haus im Haus“ soll komplett entfernt und die Räume sollen neu erschlossen werden. Die Publikumsfläche soll dadurch um 30 Prozent auf 1.900 Quadratmeter wachsen. Der Beginn der Umbauarbeiten ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Ein Bauantrag ist eingereicht. Er enthält nach Auskunft der Bauaufsicht keine erkennbaren Schwierigkeiten.

          Bofinger will auch im Inneren des Museums möglichst viele seiner Entwurfsideen retten. An den Plänen des Stuttgarter Büros Blocher Blocher Partners lässt Bofinger auch hier kein gutes Haar. „Das sind Warenhausarchitekten“, kommentiert er die Entwürfe und kündigt an, ein Ehrengerichtsverfahren vor der Architektenkammer anzustrengen, falls es nicht noch zu einer gütlichen Einigung kommt. Nach Bofingers Angaben weisen die Pläne der Stuttgarter Kollegen zudem statische Fehler auf.

          Schwierigkeiten mit dem Gebäude

          Das Filmmuseum muss mit gestiegenen Besucherzahlen umgehen. Bofinger ist der Ansicht, dass sein Entwurf nicht an den beengten Verhältnissen schuld ist. Auch die bisherige Architektur sei geeignet, um den Andrang zu bewältigen. Der Fehler liege in der Innenausstattung der Dauerausstellung, die den ursprünglich offenen Raum schlecht nutze. „Man hat nicht mit dem Raum, sondern gegen den Raum gearbeitet. Alles wurde mit Pappwänden zugestellt und zugekleistert. Was früher offen wirkte, ist heute nicht mehr erlebbar“, sagt er. Aber diese Wunden ließen sich heilen. Man müsse mit dem Raum nur „intelligent umgehen“.

          Wer Bofinger und die Direktorin des Deutschen Filminstituts hört, könnte glauben, sie sprächen von unterschiedlichen Gebäuden. Während der Architekt sein Konzept gegen „Entstellung“ verteidigt, spricht Claudia Dillmann von „labyrinthischen“ Räumen. Die Schwierigkeiten mit dem Gebäude seien durch eine Lösung rund um das „Haus im Haus“ nicht in den Griff zu bekommen. „Hier geht es nicht um Entstellung, sondern wir wollen etwas grundlegend Neues“, sagt Dillmann.

          Kränkender Umgangston

          Bofinger wiederum vermutet, dass die Eingriffe in der Öffentlichkeit als besonders weitgehend dargestellt würden, um sich rechtlich abzusichern. Die vollständige Beseitigung eines Bauwerks sei urheberrechtlich nämlich weniger konfliktträchtig als eine Umplanung. In der Sache sei es aber nur eine Umplanung, und deshalb sei er als Architekt einzubinden. Dillmann wiederum hat den Eindruck gewonnen hat, Bofinger gehe es vor allem um ein „Schmerzensgeld“. Sie zeigt sich optimistisch, dass eine Einigung erzielt werden könne.

          Ebenso kränkend wie die Umbauabsichten ist für den Architekten der Umgangston. Als er sich nach den Modernisierungsplänen erkundigt habe, sei er zunächst mehrfach vertröstet und schließlich vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt er. Erst auf einer Veranstaltung im Architekturmuseum zu Jahresbeginn habe er en passant von der Dimension der Umplanungen erfahren. Besonders schwer habe ihn getroffen, dass der „Vater des Museumsufers“ und heutige Verwaltungsratsvorsitzende des Deutschen Filminstituts, Hilmar Hoffmann, dem Umbau zugestimmt hat.

          Keine großen Hoffnungen

          Die Wirkung seines Museums habe damals einen regelrechten Architekturtourismus entfacht, glaubt der Architekt. „Das Filmmuseum war das Zugpferd des Museumsufers.“ Das Filmmuseum und das benachbarte Architekturmuseum bildeten ein Ensemble. „Das haben Ungers und ich genau abgestimmt“, sagt Bofinger. Allzu große Hoffnungen, sich gegen die Umbaupläne durchzusetzen, macht sich Bofinger allerdings nicht. „Ich bin überzeugt, dass man das nicht verhindern kann. Dafür ist die Vorgehensweise viel zu konsequent.“

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