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Araber : Mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander

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Brigitta Leiße hat umgeräumt, die Buchmesse kann kommen. Im Schaufenster ihrer Buchhandlung an der Kaiserstraße liegen arabische Bücher, französischsprachige Literatur aus dem Maghreb und deutsche Neuerscheinungen über Arabien.

          Brigitta Leiße hat umgeräumt, die Buchmesse kann kommen. Im Schaufenster ihrer Buchhandlung an der Kaiserstraße liegen arabische Bücher, französischsprachige Literatur aus dem Maghreb und deutsche Neuerscheinungen über Arabien. "Südseite" heißt die internationale Buchhandlung, und drinnen stehen noch mehr Bücher aus der arabischen Welt. "Es ist wie ein Labyrinth, wenn man einmal begonnen hat, sich mit arabischer Literatur zu befassen. So vielfältig ist sie", sagt Leiße. Wer sich in dem Laden umschaut, weiß sofort, was sie meint.

          Das Geschäft ist wie ein Konzentrat, Spiegel einer Welt, die zwar muslimisch geprägt, trotzdem aber sehr disparat ist. Die "Klammer", die die Buchmessen-Veranstalter gewählt haben, ist die Arabische Liga. Sie hat 22Mitglieder: Ägypten, Algerien, Dschibuti, die Komoren, Libyen, Marokko, Mauretanien, Somalia, Sudan und Tunesien in Afrika sowie Bahrain, den Irak, Jemen, Jordanien, Qatar, Kuweit, den Libanon, Oman, das palästinensische Autonomiegebiet, Saudi-Arabien, Syrien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

          "Die Liga ist ein Symbol für die Gemeinsamkeit in der arabischen Welt", sagt Hassan Mazeh. Der Libanese arbeitet als Übersetzer und ist Mitglied in der Kommunalen Ausländervertretung der Stadt. Ein Symbol. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. "Politisch gesehen gibt es die arabische Welt nicht", stellt Mazeh fest. "Die ,arabische Welt' ist nicht mehr als ein bequemes Konstrukt", meint die in Kairo geborene und seit langem im Frankfurt lebende Übersetzerin und Publizistin Cherifa Magdi. "Gäbe es sie, etwa nach dem Modell der Europäischen Union, hätte das aber zweifellos viele politische und wirtschaftliche Vorteile", so Mazeh.

          Daß dies - zumindest derzeit - eine Utopie ist, zeigt Mazehs Verweis auf die Situation in Frankfurt: "Die Araber haben die Problematik aus ihrer Heimat mit importiert, so daß es eine Zusammenarbeit unter den Arabern hier nicht gibt." Und diese Problematik ist vielfältig, trotz der gemeinsamen (Schrift-)Sprache und der gemeinsamen Religion. "Algerier brauchen ein Visum für Marokko", sagt Akli Kebaili und schüttelt den Kopf. Er ist Algerier und arbeitet im Amt für multikulturelle Angelegenheiten. Mazeh nennt noch ein anderes Symptom der Zerrissenheit: "Die meisten Araber können mit dem Regime der Saudis nicht viel anfangen."

          Eine weitere Besonderheit der arabischen Welt wird in Frankfurt besonders sichtbar: Die Mehrzahl der in Frankfurt lebenden Menschen aus Staaten der Arabischen Liga sind Marokkaner. Für sie gibt es daher auch die meisten Vereinigungen in der Stadt. Die meisten Marokkaner wiederum sind aber Berber, keine Araber.

          Fast 7000 Marokkaner sind nach Angaben der Stadt in Frankfurt gemeldet. Die übrigen Nationalitäten sind in weit geringerer Zahl vertreten: Die Statistik weist lediglich 568 Tunesier, 545 Ägypter, 381 Algerier, 305 Iraker, 271 Jordanier, 152 Syrer und 150 Sudanesen aus. Angehörige anderer Liga-Staaten tauchen gar nicht erst auf. Freilich sind jene nicht mitgerechnet, die die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben. Und die Zahl der hier lebenden Palästinenser ist ebenfalls nicht leicht zu ermitteln. Maurice Estephan vom "Verein der Palästinenser in Hessen" schätzt, daß es etwa 6000 im Rhein-Main-Gebiet sind. "Doch die meisten von ihnen haben einen ägyptischen oder jordanischen Paß."

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