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Anton Hofreiter : „Nicht alle, die AfD wählen, sind rechtsradikal“

Meinungsstark: Anton Hofreiter hat vor kurzem das Buch „Fleischfabrik Deutschland“ herausgebracht, in dem er die Massentierhaltung geißelt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Anton Hofreiter will Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl werden. In Frankfurt hat sich der Chef der Bundestagsfraktion jetzt der Basis vorgestellt.

          In Frankfurt sind die Grünen zehn Jahre lang mit der CDU als Regierungspartner gut gefahren. Muss Sie das nicht zum Nachdenken bringen, dass Schwarz-Grün für die Grünen auch eine gute Option für den Bund sein könnte?

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Selbstverständlich berücksichtigen wir die Erfahrung der Frankfurter Grünen. Auch die der Grünen in der hessischen Landesregierung. Ein Bündnis mit der CDU auf Bundesebene ist ja auch eine Option für uns.

          Tendieren Sie selbst nicht eher zu Rot-Rot-Grün?

          Für mich sind beide Koalitions-Optionen denkbar, für mich entscheiden die Inhalte. Und da ist klar: Keine der beiden Konstellationen wird einfach. Beispiel Schwarz-Grün: Man muss sich klarmachen, dass es auf der Bundesebene nicht ein Bündnis Schwarz-Grün geben würde, sondern eine Koalition von Schwarz-Schwarz-Grün.

          Wie meinen Sie das?

          CDU und CSU sind zwei unterschiedliche Parteien, was man im Moment an der Zerstrittenheit der Union merkt. Die CSU klingt ja derzeit oft wie die AfD. Die beste Option für uns ist immer noch Rot-Grün, aber wir sind nicht naiv und sehen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine solche Mehrheit gering ist. Wir müssen deshalb die beiden realistischeren Optionen, nämlich Schwarz-Schwarz-Grün und Rot-Rot-Grün, vorbereiten.

          Geht das wirklich problemlos?

          Natürlich nicht. Bei der einen Koalition ist es mit der CSU schwierig, bei der anderen mit dem linken Flügel der Linkspartei. Aber allein aus demokratischer Verantwortung müssen wir beide Möglichkeiten ins Auge fassen.

          Wollen die Grünen überhaupt mitregieren?

          Selbstverständlich. Wir wollen mitgestalten. Aber nicht, um dabei zu sein, sondern um soziale und ökologische Veränderungen durchzusetzen.

          In welcher Gestaltungsfunktion sehen sich die Grünen?

          Unsere zentrale Aufgabe ist die ökologisch-soziale Transformation unserer Industriegesellschaft, denn das Land darf nicht weiter seine Lebensgrundlagen zerstören. Zudem müssen die Grünen das große Friedensprojekt der europäischen Einigung verteidigen. Unsere dritte große Aufgabe ist die Verteidigung der offenen Gesellschaft, die, zum Beispiel von der AfD, massiv angegriffen wird.

          Mit welcher Strategie wollen Sie der AfD und anderen Rechtspopulisten entgegentreten?

          Erfolgreiche Strategien gegen den Rechtspopulismus, dies sieht man in anderen europäischen Ländern, sind schwierig. Wir müssen jedenfalls präziser sein als früher. Nicht alle, die AfD wählen, sind rechtsradikal. Die Spannbreite reicht von echten Rechtsextremen bis hin zu Menschen, die sich sozial und kulturell abgehängt fühlen. Außerdem müssen die demokratischen Parteien deutlich machen, dass es zwischen ihnen Unterschiede gibt. Die Wähler dürfen nicht das Gefühl haben, dass es egal ist, ob sie CDU, SPD oder Grüne wählen und die Alternative nur die AfD ist.

          Welche Partei sollen denn jene wählen, die die Flüchtlingspolitik der großen Koalition skeptisch sehen? Werden die nicht geradezu zur AfD getrieben?

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