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Bouffier sieht Daueraufgabe : „Starke Nachfrage“ nach Antisemitismus-Prävention

  • Aktualisiert am

„Wir erkennen ein großes Interesse und auch Bereitschaft, das Thema auch in die Lehreraus- und -fortbildung zu integrieren“: Bildungsstätte-Leiter Mendel Bild: Ricardo Wiesinger

Ist der Anschlag von Halle ein Alarmzeichen in Sachen Antisemitismus? „Wir hatten durchgehend Alarmzeichen in den vergangenen Jahren“, heißt es bei der Bildungsstätte Anne Frank. Sie meldet eine „starke Nachfrage“ nach Prävention.

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          Antisemitismus in Schulen vorbeugen: Die Bildungsstätte Anne Frank berichtet über ein starkes Interesse für entsprechende Projekte in Bildungseinrichtungen. „Wir erkennen ein großes Interesse und auch Bereitschaft, das Thema auch in die Lehreraus- und -fortbildung zu integrieren“, sagte Meron Mendel, der Leiter der Bildungsstätte, der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind alles gute Zeichen.“

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat den Kampf gegen Antisemitismus als „Daueraufgabe“ bezeichnet. Bouffier sagte dies nach einem Treffen mit Vertretern von jüdischen Gemeinden in Hessen (siehe Kasten unten).

          Neben mehr als 35 Workshops für Schüler und Lehrer in ganz Hessen habe es unter anderem sieben Lehrerfortbildungen und zwei Universitätsseminare gegeben, so Mendel. Das Kultusministerium und die Bildungsstätte hatten im März das Projekt gestartet. Sein Ziel ist es, „den Blick für antisemitische, rassistische und allgemein menschenfeindliche Tendenzen zu schärfen“.

          Durchgehend Alarmzeichen

          Ob die Nachfrage nach dem Beratungsangebot nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle noch zugenommen hat, konnte Mendel nicht sagen. Gleichzeitig mahnte er: „Wir sollten aufhören, von Alarmzeichen und Einzeltätern zu sprechen und uns wirklich mit dem Problem befassen.“

          Spätestens nach der NSU-Mordserie wäre es angebracht gewesen, nicht „auf dem rechten Auge blind“ zu sein und der organisierten und gut vernetzten rechtsextremen Szene die nötige Aufmerksamkeit zu geben. „Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn es heißt, Halle ist ein Alarmzeichen. Wir hatten durchgehend Alarmzeichen in den vergangenen Jahren.“

          Bouffier sieht Kampf gegen Antisemitismus als „Daueraufgabe“ an

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat den Kampf gegen Antisemitismus als „Daueraufgabe“ bezeichnet. Die Menschen dürften nicht gleichgültig sein, sondern müssten so früh wie möglich auf antisemitische Äußerungen und Vorfälle reagieren, sagte Bouffier am Mittwoch nach einem Treffen mit Vertretern der Jüdischen Gemeinden Hessens in Wiesbaden. Nach dem Anschlag auf die Jüdische Synagoge in Halle sei es dabei insbesondere um die Sicherheit der Gemeinden in Hessen gegangen.

          Das hohe Sicherheitsniveau, das es ohnehin schon gebe, solle „im Hinblick auf die neue Situation noch einmal überprüft“ werden, sagte Bouffier zu den Konsequenzen aus dem Anschlag auf die Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

          „Jüdisches Leben wird in Hessen immer unter dem Schutz des Staates stehen“, versicherte Innenminister Peter Beuth (CDU). Es gebe 400 jüdische oder israelische Einrichtungen in Hessen, darunter einige herausragende wie etwa die Frankfurter Westend-Synagoge oder das Ignatz Bubis-Zentrum. Die existierenden Sicherheitsmaßnahmen seien noch am Tag des Anschlags in Halle in Hessen verstärkt worden, 30 zusätzliche Polizisten seien mittlerweile zur Stärkung des „subjektiven Sicherheitsgefühls“ an verschiedenen Orten eingesetzt worden. (dpa)

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