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Anti-Terror-Übung in Frankfurt : Schüsse im Nebel

  • -Aktualisiert am

Anti-Terror-Übung: Polizisten sichern den Frankfurter Hauptbahnhof. Bild: Helmut Fricke

Terroristen greifen den Frankfurter Hauptbahnhof an: Sie schießen wild um sich, Passanten werden verletzt. Es ist eine Übung, doch sehr realistisch.

          Zuerst waren Schüsse zu hören. Es hätten auch Silvesterknaller sein können. Irgendetwas harmloses, von feiernden Fußballfans vielleicht. Doch dann kamen sie die Treppe hoch gerannt, etwa zwei Dutzend Reisende. Panisch laufen sie vom S-Bahnhof in die große Bahnhofshalle. Und nur wenige Sekunden später sieht man den Grund: Terrorristen mit Maschinenpistolen, die ihre Opfer vor sich her treiben. Sie schießen um sich, werfen Granaten. Die Bahnhofshalle wird in dichten Nebel gehüllt. Dann treffen die Polizisten ein. Sie haben nur ein Ziel: die Terroristen unschädlich zu machen, damit das Grauen, das an diesem Dienstagabend durch den Frankfurter Hauptbahnhof zieht, ein Ende hat.

          Das Szenario war glücklicherweise nur eine Übung von Bundespolizei, Landespolizei und Feuerwehr, aber eine der realistischen Art. Angelehnt an Terroranschläge, die es in anderen europäischen Staaten schon gegeben hat, wurde das „Drehbuch“ verfasst – ergänzt um das, wovor die deutschen Sicherheitsbehörden schon seit Jahren warnen: Dass sich Terroristen einen Ort wie den Frankfurter Hauptbahnhof aussuchen könnten, um ihre abartigen Gewaltfantasien zu verwirklichen.

          Paris 2015 als Warnung

          Joachim Moritz, Präsident der Bundespolizeidirektion Koblenz, unter deren Regie die Übung lief, sagt, die größte Herausforderung sei es, schnell zu reagieren. „Solche Trainings zeigen, ob die bisherigen Konzepte auch praxistauglich sind.“ Jeden Schritt seiner Beamten hat er mitverfolgt, nach dem ersten Durchgang sagt er, er sei „zufrieden“. Sechs weitere sollten bis zum frühen Morgen folgen, immer andere, aber ähnliche Szenarien.

          Auch das gehört zum Einsatz: Polizisten kümmern sich um einen verletzten Passanten. Bilderstrecke

          Unter den Zuschauern an diesem Abend ist auch der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Spätestens nach den Anschlägen von Paris 2015 habe sich die Landespolizei in Hessen zunehmend darauf eingestellt, dass sie es eines Tages möglicherweise ebenfalls mit Terrorristen aufnehmen müssten. Das betreffe nicht nur die Spezialeinheiten, sondern in erster Linie auch die normalen Streifenbeamten, die als erste eintreffen. Beuth verweist auf die sogenannten Not-Interventionsteams, die eigens für solche Situationen gegründet worden sind. Mit der Bundespolizei gebe es da viele Schnittstellen.

          „Weiches Ziel“ Hauptbahnhof

          Die sieht auch der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Er sagt, das Training diene vor allem der Handlungssicherheit der Beamten. Ein Anschlag könne theoretisch an jedem Punkt der Stadt verübt werden. „Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Der Hauptbahnhof sei ein sogenanntes weiches Ziel. Es sei daher sinnvoll, dass das gemeinsame Training mit der Bundespolizei genau dort stattfinde.

          Die Deutsche Bahn hatte sichergestellt, dass der nördliche Teil des Hauptbahnhofs im laufenden Betrieb von den rund 500 Polizisten, die an der Übung teilnehmen, überhaupt genutzt werden kann. Immerhin sechs Gleise wurden dafür gesperrt, zahlreiche Züge auf andere Gleise umgeleitet. Das habe man gerne möglich gemacht für einen so wichtigen Zweck, sagt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hessen, Klaus Vornhusen.

          Spätestens nach dem ersten fiktiven Anschlag gleicht das Areal einem Filmset. Verletzte liegen herum. Einer Frau tropft Kunstblut vom Kopf, eine andere hat, verwundet durch eine Handgranate, scheinbar nur noch einen Arm. Damit sich die Polizisten in Ruhe auf ihre Aufgaben konzentrieren können, wurde schon am frühen Abend der Teil des Bahnhofs mit Sichtschutz-Zäunen abgesperrt.

          Immer wieder kommen in dieser Nacht die Terroristen, bedrohen die Reisenden mit schweren Waffen. Wieder Schüsse, wieder Schreie, wieder Tote und Verletzte. Joachim Moritz sagt, das sei „genau die Situation, mit der die Beamten lernen müssen, umzugehen“.

          Im übrigen Teil des Hauptbahnhofs geht der Betrieb unterdessen unbeeindruckt weiter. Als wieder geschossen wird, blicken sich manche verwundert um. Dann eilen sie weiter zu ihrem Zug. Als gehöre der Terror schon zum Alltag.

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