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Anschlag vor 50 Jahren : „Ein Wunder, dass es nicht noch mehr Tote gegeben hat“

  • Aktualisiert am

Drei Explosionen in 30 Sekunden: Die zerstörte Eingangsfront des Offizierscasinos im Frankfurter US-Hauptquartier, aufgenommen am Abend des Anschlags Bild: dpa

Am 11. Mai 1972 töten Bomben der RAF vor dem Offizierskasino des US-Hauptquartiers in Frankfurt den Soldaten Paul Bloomquist. Mit dem Anschlag beginnt die sogenannte Mai-Offensive der Terroristen gegen die Amerikaner wegen des Vietnamkriegs.

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          Donnerstag, 11. Mai 1972, Christi Himmelfahrt. Für die Amerikaner ist das kein Feiertag, doch um kurz vor 19 Uhr haben die meisten Bediensteten das in Frankfurt immer noch als IG-Farben-Hochhaus bekannte Hauptquartier des V. US-Korps glücklicherweise bereits verlassen. Um 18.59 Uhr explodieren dort binnen einer halben Minute drei Sprengkörper. Die Zeit lässt sich genau festlegen, weil die Uhren in dem Gebäude an der Fürstenbergerstraße – heute Teil der Goethe-Universität – stehen bleiben. 14 Menschen werden von Bombensplittern und umherfliegenden Trümmern getroffen, einer von ihnen stirbt, acht erleiden schwere, fünf leichtere Verletzungen. Die Detonation ist so gewaltig, dass noch in 80 Meter Entfernung Fensterscheiben bersten. Der Vorhof des amerikanischen Offizierscasinos ist mit Glassplittern übersät, der überdachte Eingang liegt in Trümmern, ein massiver Pfeiler und eine Zwischendecke sind zerstört. „Ein Wunder, dass es nicht noch mehr Tote gegeben hat“, kommentiert ein Polizeisprecher.

          Oberstleutnant Paul Bloomquist steht kurz hinter der Eingangstür, als die Bomben hochgehen. Er ist auf dem Weg zu seinem Auto, das er vor dem Casino geparkt hat. Der 39 Jahre alte Vietnamkriegs-Veteran, Ehemann und Vater zweier Kinder ist seit knapp einem Jahr stellvertretender Leiter einer Rauschgiftberatungsstelle des V. US-Korps. Wenige Tage später hätte er wie geplant zu seiner Familie nach Salt Lake City im Staat Utah zurückkehren sollen. Er wird von einem Eisensplitter getroffen, der sich durch die Druckwelle der Explosionen in seinen Hals bohrt. Bloomquist stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus.

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