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Frankfurt : 37 Frauen suchten Hilfe bei Aktion Moses

  • -Aktualisiert am

Positiv: Zwei Streifen auf dem Testgerät sind aber nicht immer ein Grund zur Freude. Bild: Picture-Alliance

Seit 2014 haben Frauen die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Erfahrungen wurden in Frankfurt gesammelt, wo sich Frauen seit dem Jahr 2001 dafür entscheiden können.

          Nicole Börner trifft Rana Durmaz (Name geändert) zum ersten Mal in einem Krankenhaus. Durmaz hatte vorher die Notrufnummer des Familienzentrums Monikahaus in Frankfurt gewählt. „Sie sagte mir, dass sie schwanger ist, Schmerzen habe und jetzt gerade nicht mehr weiterwisse“, erinnert sich Schwangerschaftsberaterin Börner. Durmaz wollte wissen, wo in Frankfurt die Babyklappe ist. Da wolle sie ihr Kind ablegen, da sie selbst keine Möglichkeit habe, mit dem Kind zusammenzuleben. Börner erklärt ihr am Telefon, dass es in der Stadt keine Babyklappe gibt. Sie bietet an, ihr zu helfen und sie ins Krankenhaus zu begleiten. Innerhalb von zehn Minuten, in denen Börner das Personal informiert, kommt das Kind zur Welt. Es war eine vertrauliche Geburt, bei der im Krankenhaus bei der Anmeldung keinerlei Angaben über die Mutter gemacht wurden. Die Möglichkeit zur vertraulichen Geburt gibt es in Deutschland seit Mai 2014. Das Gesetz ermöglicht es Frauen, ihr Kind anonym und trotzdem medizinisch betreut zur Welt zu bringen. Babyklappen schließen diese Möglichkeit aus, die Frauen sind bei der Geburt auf sich allein gestellt.

          Unter dem Namen „Aktion Moses“ gibt es das Modell der vertraulichen Geburt in Frankfurt bereits seit 2001. Margit Grohmann vom Sozialdienst katholischer Frauen Frankfurt (SkF) hat dieses Projekt mit initiiert. Sie hatte einen Artikel über ein ausgesetztes Kind in Hofheim gelesen. Grohmann wollte verhindern, dass andere Kinder und ihre Mütter ein ähnliches Schicksal erleiden. Wegen der schwierigen rechtlichen Situation wandte sie sich vorab an das Justiz- und das Familienministerium, um sich juristisch abzusichern. Denn bis zur Einführung des Gesetzes bewegten sich die Frauen in einer rechtlichen Grauzone – denn ein Kind hat ein Recht darauf zu erfahren, wer seine Eltern sind. Durch die vertrauliche Geburt haben die Mütter, die ihre Kinder zur Adoption freigeben, allerdings ebenfalls das Recht, 16 Jahre lang anonym zu bleiben. „Es ist letztendlich eine Kompromisslösung aus beiden Grundrechten“, sagt Grohmann. Bei der Entwicklung des Gesetzes zur vertraulichen Geburt stand sie mit ihren Erfahrungen, die sie im Zuge der „Aktion Moses“ gesammelt hatte, beratend zur Seite.

          „Sie alle haben Angst, ihre Familie zu verlieren“

          Die Frauen befänden sich in einer schwierigen Lage und seien keinesfalls Rabenmütter. „Sie möchten, dass es ihrem Kind gutgeht und es medizinisch begleitet auf die Welt kommt. Sie fragen und sorgen sich viel. Weniger um sich, sondern um das Kind“, betont Börner. Die Frauen, die sich an sie wenden, vergleicht sie mit Unfallopfern: „Sie reagieren mechanisch, ähnlich wie Menschen, die kurz nach dem Unfall aus einem Autowrack aussteigen, verwirrt und sprachlos sind.“ Die Möglichkeit der vertraulichen Geburt sei daher ein wichtiges Angebot in einer emotionalen Ausnahmesituation. Nur weil sie anonym bleiben wollen, sollten Frauen ihr Kind nicht allein auf einer Toilette zur Welt bringen, so Grohmann. Durch die Einführung der Möglichkeit zur vertraulichen Geburt trat eine Änderung in Kraft, die sich Grohmann und Börner lange gewünscht hatten: eine bundesweit einheitliche Notrufnummer. Doch oft meldeten sich die Frauen erst kurz oder sogar erst während der Geburt, weiß Börner. Dann gilt es schnell zu handeln – ähnlich wie bei Durmaz. Nach der Beratung am Wochenbett entschied diese sich für die vertrauliche Geburt. Dabei müssen die Frauen sich lediglich gegenüber ihrer Beraterin einmalig ausweisen. Ihre Daten kommen in einen Umschlag, werden versiegelt und nach Köln zum Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben gesandt.

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