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Anne Frank : Lebenszeichen aus Amsterdam

Mit ihrem Tagebuch wurde das Schicksal einer ganzen Familie bekannt: Anne Frank Bild: dpa

Mirjam Pressler hat einen dokumentarischen Roman über Anne Frank und ihre Familie geschrieben. Er erzählt vom Schrecken der Verfolgung, aber auch von der Hoffnung bis zuletzt.

          5 Min.

          Anne Frank ist die weltweit bekannteste Frankfurterin. Ein eigenes Grab blieb dem Mädchen aus Frankfurt, dessen Tagebuch Millionen Leser gefunden hat, versagt. Im März 1945 wurden ihre Leiche und die ihrer Schwester Margot im KZ Bergen-Belsen wohl in einem Massengrab verscharrt. An der Mauer des alten jüdischen Friedhofs an der Battonnstraße hat Annelies Marie Frank mit 11 132 anderen ermordeten Frankfurter Juden ein symbolisches Grab gefunden.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anne Frank hat nur vier Jahre in Frankfurt gelebt. Als sie Ende 1933 mit ihrer Schwester und ihrer Mutter zur Großmutter Rosa Holländer nach Aachen und später zum schon vorher emigrierten Vater nach Amsterdam zog, war damit die Geschichte eines alten Frankfurter Geschlechts aus der Judengasse beendet. Mirjam Pressler, die sich kürzlich mit einer neuen Übersetzung von Annes Tagebuch Verdienste erwarb, hat jetzt die Geschichte der Familie von Anne Frank in einer Art dokumentarischem Roman niedergeschrieben. Ihr anrührendes Werk „Grüße und Küsse an alle“ ist zur Buchmesse beim Verlag Fischer erschienen.

          Frankfurt war für Anne Franks Großmutter die Stadt ihrer Jugend

          Elkan Judah Cahn, den man als Frankfurter Stammvater der Familie bezeichnen kann, hat noch in der Judengasse gelebt. Nachdem diese 1796 durch französische Truppen beschossen worden und teilweise abgebrannt war, siedelten sich viele Juden in der Stadt an. Elkan Judah Cahn etwa wohnte an der Langestraße, später kaufte er sich ein Haus an der Hochstraße. Seine Enkelin Alice, die Großmutter Anne Franks, hat den Bankier Michael Frank geheiratet, dessen Familie aus Landau in der Pfalz stammte.

          Diese Alice ist in den Jahren der nationalsozialistischen Verfolgung der Mittelpunkt der Familie gewesen, im Exil in Basel hat sie die Franks zusammengehalten, soweit dies in jener schwierigen Zeit möglich gewesen ist. Ihre Heimat war Frankfurt, die Stadt ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrer Jahre als Ehefrau und Mutter. Freiwillig wäre sie nie aus Frankfurt weggezogen. Doch die Situation wurde für sie und ihre vier Kinder gegen Ende der Weimarer Republik immer schwieriger. Die Bank, die ihr Mann Michael gegründet hatte, war nach dem Börsenkrach vom Oktober 1929 kaum mehr handlungsfähig.

          Ein antisemitische Hauseigentümer kündigte Familie Frank die Wohnung

          Ihr Schwiegersohn Erich Elias, der mit ihrer Tochter Leni (Helene) verheiratet war, zog als Erster die Konsequenzen und ging 1929 in die Schweiz, wo er eine Vertretung der deutschen Geliermittel-Fabrik Opekta aufbaute. Er hat Otto Frank, dem Vater Annes, 1933 das Angebot verschafft, für die Opekta eine Filiale in Amsterdam zu gründen. Dort, im Hinterhaus dieser Firma, hat sich die Familie Frank mehr als zwei Jahre lang versteckt und Anne ihr berühmtes Tagebuch geschrieben.

          Viele Abende lang hat Alice Frank mit ihren Söhnen Otto und Robert, die nach dem Ausscheiden des dritten Bruders Herbert das Frankfurter Bankhaus weiter betrieben, darüber diskutiert, ob die Familie in Frankfurt bleiben könne. Die Zeichen der Gefahr mehrten sich: 1931 kündigte der antisemitische Hauseigentümer Otto Frank die Wohnung am Marbachweg; Otto, seine Frau Edith und die beiden Mädchen Margot und Anne zogen in die Ganghoferstraße. Ein gutes Jahr später gaben sie die neue Wohnung auf und quartierten sich, um Geld zu sparen, bei Annes Großmutter Alice in der Mertonstraße ein.

          Annes Schwester und andere jüdische Mädchen wurden ausgegrenzt

          Als nach der Kommunalwahl 1933 der jüdische Oberbürgermeister Ludwig Landmann unter Drohungen zum Rücktritt und zur Flucht erst nach Berlin und dann nach Holland genötigt wurde und der Nationalsozialist Friedrich Krebs erster Mann der Stadt wurde, sahen die Franks keine Zukunft mehr für sich in Deutschland. Verstärkt wurde ihr Pessimismus dadurch, dass Annes Schwester Margot in der Schule gezwungen werden sollte, mit anderen jüdischen Mädchen auf einer separaten Bank hinten im Klassenzimmer zu sitzen.

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