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Angriff auf Transsexuellen : Polizei setzt Ermittlungsgruppe ein

Tatort: Auf der Frankfurter Zeil wurde am frühen Abend ein Mensch Opfer einer Gewaltattacke. Bild: Helmut Fricke

Am Samstagabend wurde mitten auf der Frankfurter Zeil ein Mensch attackiert. Nun stellt sich die Tat als transphober Angriff heraus.

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          Nach dem Angriff auf einen 20 Jahre alten Passanten auf der Zeil am Samstagabend geht die Polizei von einer Tat aus stark diskriminierenden, „transphoben und geschlechterdiffamierenden Motiven“ aus. Demnach wurde das Opfer offenbar deshalb von einer Gruppe von Jugendlichen attackiert und schwer verletzt, weil es sich um einen Transsexuellen handelte. Das teilte die Polizei am Montagnachmittag mit. Ein Sprecher sagte, es seien Videos in den sozialen Netzen aufgetaucht, die eindeutig zeigten, wie das Opfer zuvor „in entsprechender Weise beschimpft und beleidigt wurde“. Anschließend sei der Mann zunächst von einem der Angreifer getreten worden. Als er sich wehrte, beteiligten sich weitere Jugendliche, aber auch Erwachsene an dem Angriff und schlug und traten auf das Opfer ein. Die Polizei hatte am Sonntag bei dem Opfer zunächst von einem „Mann“ gesprochen. Am Montag änderte die Polizei diese Darstellung und verzichteten auf die Nennung des Geschlechts.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie sich nun weiter herausstellte, waren einige der Täter, die unmittelbar nach der Tat festgenommen werden konnten, bereits polizeibekannt. Sie sollen im Haus des Jugendrechts in Höchst registriert gewesen sein. In diesen Einrichtungen, in der die Polizei gemeinsam mit der Justiz und der Jugendgerichtshilfe arbeitet, werden straffällig gewordene Jugendliche betreut. Viele von ihnen sind Mehrfach- und Intensivtäter. Weitere Angaben zu den Jugendlichen machte die Polizei nicht. Sie hat in dem Haus des Jugendrechts in Höchst nun eine eigene Ermittlungsgruppe aufgestellt. Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer 069/755-35108 oder per E-Mail unter: e-jugend-hdjr-hoechst.ppffm@polizei.hessen.de zu melden.

          Aufgegriffen wird der Fall auch in Queer-Foren. So wurde unter anderem geäußert, die Polizei verschweige den Hintergrund der Tat. Das Opfer selbst habe in mehreren Online-Posts von Homophobie als Tatmotiv gesprochen. Es sei in sozialen Netzwerken als „KweenDrama" bekannt und von Tätern möglicherweise auch erkannt worden.

          Für Aufmerksamkeit gesorgt hat der Vorfall aber auch deshalb, weil er sich zu einer relativ moderaten Uhrzeit, gegen 20.15 Uhr, in Höhe des Einkaufszentrums My Zeil ereignet hat. Dort hatten sich rund 150 Personen versammelt, aus der heraus der Angriff begangen worden war, ohne dass zunächst jemand eingeschritten ist. Als die Polizei schließlich von Zeugen gerufen wurde, nahm sie noch am Tatort zehn Personen zwischen 14 und 30 Jahren fest.

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