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Schau „Green World Tour“ : Kisten für Würmer und essbare Bücher

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Auf der Nachhaltigkeitsmesse „Green World Tour“ konnten Besucher unter anderem einen Regenwurm Kompostierer für eigene Küche testen. Bild: dpa

Auf der Nachhaltigkeitsmesse „Green World Tour“ können Besucher Produkte für ein ökologischeres Leben testen. Neben Biokaffee und Dinkelwaffeln gibt es Ökosysteme für die Küche.

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          Eine Handvoll Neugieriger hat sich um eine aufgeklappte Holzkiste versammelt. „Und die Würmer kriechen auch bestimmt nicht heraus?“, will eine Frau wissen. „Stinkt das nicht?“, fragt ein Mann. Die Umstehenden schwanken zwischen Begeisterung und Ekel. Eine junge Frau demonstriert, wie gut sich die Kiste auch als Sitzgelegenheit eignet. „Und gleichzeitig ist sie ein schönes Zuhause für Ihre Würmer.“

          Die Wurmkiste ist ein Mini-Ökosystem für die heimische Küche, in dem Regenwürmer den anfallenden Biomüll kompostieren sollen. Heraus kommt Humus, der siebenmal durch den Wurmmagen gewandert ist, bevor er als Pflanzendünger verwendet werden kann. Erfunden hat die Kiste ein junges Team aus Österreich, das „begeistert von Regenwürmern“ ist und mit seiner Idee zeigen will, dass Bioabfälle sinnvoll verwertet werden können.

          Essbare Kinderbücher

          Der Kompostierer mit Würmern ist nur eine von vielen Ideen, die am Freitag und Samstag auf der „Green World Tour“ die Besucher inspirieren sollten. Ob vegane Dinkelwaffeln und Biokaffee, ein Glücksrad für Naturkosmetik oder Massagestühle von einer Krankenkasse: Bei der Messe in der Jahrhunderthalle in Höchst war praktisch für jeden etwas dabei, der sein Leben nachhaltiger und ökologischer gestalten will. Auch Kuriositäten wie das „Kinderbuch zum Reinbeißen“, das der Verlag Neunmalklug tatsächlich so umweltfreundlich herstellt, dass Kleinkinder es bedenkenlos essen könnten.

          Mindestens ebenso ausgefallen ist das Projekt „MyKiriTree“. An dessen Stand können die Besucher das Alter eines Kaiserbaumstammes mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern schätzen – um dann zu erfahren, dass der Baum nur acht Jahre braucht, um auf diese Größe zu wachsen. Eine Eiche brauche im Vergleich zehnmal so lange, erläutert der Aussteller. Wen das überzeugt, der kann für 200 Euro die Aufzucht eines Kaiserbaums in Kroatien finanzieren und erhält acht Jahre später, wenn der Baum gefällt und das Holz verkauft wird, fast den doppelten Betrag zurück.

          „Wir können uns täglich entscheiden“, sagt Michael Lülf, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Autarkia, das hinter der Messe steht. Er beobachte immer wieder, dass sich die meisten Leute für Nachhaltigkeit interessierten, die wenigsten aber konkret etwas in ihrem Leben veränderten. Das sei zum einen der Trägheit, zum anderen aber auch immer noch der Unwissenheit geschuldet. Dass man zum Beispiel zu einem grünen Stromanbieter wechseln könne oder zu einer Bank, die nachhaltige Projekte finanziere, hätten viele nicht auf dem Schirm, meint Lülf. Dabei brauche es nur eine Unterschrift.

          Lülf will vor allem zeigen, dass auch eine Geldanlage nachhaltig sein kann. Fast überall lasse sich der Gedanke irgendwie einbinden, sagt er bei seinem Vortrag am Samstag. Man müsse nicht von heute auf morgen zu hundert Prozent nachhaltig leben. „Es ist wie Sport: Man fängt langsam an und steigert sich dann stetig.“ Um Impulse setzen zu können, müsse man die Mitte der Gesellschaft ansprechen, aber das gelinge nicht mit erhobenem Zeigefinger.

          Lena Münz, die die Messe mit einer Freundin besucht, sieht das ähnlich. „Es ist ein Spiel von Angebot und Nachfrage.“ Je mehr Wert jeder Einzelne auf Nachhaltigkeit lege, desto schwerer hätten es Unternehmen mit einer schlechten Klimabilanz. Die Fünfundzwanzigjährige zieht bald in ihre eigene Wohnung und kann sich gut vorstellen, eine Wurmkiste zu kaufen. Einziges Manko: der Preis. Gut 200 Euro sind eine ganze Menge – und für manchen Interessenten aus der Mitte der Gesellschaft dann doch zu viel.

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