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Alter Flugplatz in Bonames : Zwischen Seefrosch und Güldenkraut

  • -Aktualisiert am

Artenreichtum in dem renaturierten Gebiet in Bonames Bild: Rainer Wohlfahrt

Vor sieben Jahren wurde ein Teil des Alten Flugplatzes in Bonames entsiegelt. Seitdem bricht sich die Natur Bahn. Auch gefährdete Arten gibt es dort.

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          Andreas Malten und Dirk Bönsel kennen die Natur: Wo Unkundige nur Vogelstimmen hören, weiß Andreas Malten, Zoologe vom Forschungsinstitut Senckenberg, die Laute der Dorngras-, Gartengras- und Mönchsgrasmücke voneinander zu unterscheiden. Und sein Kollege, der Botaniker Dirk Bönsel, weist auf leicht zu übersehende Pflanzen wie das Kleine Tausendgüldenkraut hin, das auf dem Areal des Alten Flugplatzes in Bonames wächst.

          Nachdem ein großer Teil des Geländes im Jahr 2003 entsiegelt worden war, erobert die Natur das Gebiet zurück. Malten und Bönsel haben im Auftrag der Stadt die Tier- und Pflanzenarten untersucht und konnten am Montag ihre von 2004 bis 2008 gesammelten Ergebnisse vorlegen. Die Studie wird fortgeschrieben. Wie Klaus Hoppe vom Umweltamt der Stadt sagt, finanziert das Land diese Arbeit mit jährlich 7000 Euro vorerst bis zum Jahr 2014. Dann müsse man weitersehen.

          360 verschiedene Pflanzenarten

          Im Jahr 1992 hatten die Amerikaner den nahe der Nidda gelegenen Militärflugplatz aufgegeben. Heute ist er ein Ausflugsziel, zu dem auch ein Café und eine Picknickwiese gehören. Teile der Landebahn wurden völlig entfernt, Beton und Asphalt der Hubschrauberlandeplätze zerteilt oder geschreddert. Rasch wuchsen zwischen den Platten und Steinen Pflanzen, siedelten sich Tiere an. Ein Teil des vier Hektar großen Gebietes wird sich selbst überlassen, andere Flächen werden regelmäßig gemäht.

          Zu den schützenswerten Pflanzenarten zählt das Kleine Tausendgüldenkraut

          Gab es bei den Pflanzen anfangs einen rapiden Anstieg von Arten, verdrängen mittlerweile die größeren die kleineren Pflanzen. 360 verschiedene Arten wachsen auf dem Gelände, wie Bönsel weiß. Unter ihnen sind nach fünf Jahren, dem Zeitraum der Studie, auf dem Betonschuttfeld nur noch wenige gefährdete oder geschützte Pflanzen – das Kleine Tausendgüldenkraut und das Ruhr-Flohkraut.

          Seltene und gefährdete Tierarten

          Anders in der Tierwelt: Dort wurden viele seltene und gefährdete Arten registriert, zum Beispiel streng geschützte Wechselkröten und Kreuzkröten. Beide kommen sonst nur noch in den Sandgebieten südlich des Mains in der Schwanheimer Düne und am Flughafen vor, wie Malten sagt. Eine Wechselkröte mit der für sie typischen Tarnfärbung kann er nur zeigen, weil er sie in der Nacht zuvor gefangen hatte. Wieder auf den Boden gesetzt, sucht sie sofort nach schützendem Grün, zum Beispiel im Schilfröhricht.

          Zu hunderten bevölkern Seefrösche ein Gewässer, an dem auch Wasserfeder und Fieberklee wachsen. „Die Feuchtbereiche sind mit der fortschreitenden Entwicklung der Röhrichte zunehmend auch als Brutgebiet für Rallen und Rohrsänger geeignet“, sagt Malten. An anderer Stelle, an der von der Betonfläche nur noch Kies übriggeblieben ist, ist bei genauem Hinsehen die Blauflügelige Ödlandschrecke zu finden. Auch diese Art steht unter Schutz. Vor zwei Jahren hat Malten die ersten Schrecken entdeckt. Auf Dauer werden sie aber nicht dort bleiben, denn das Ödland auf diesem Fleck des alten Flugplatzes wird über kurz oder lang zuwachsen.

          Führungen mit Landschaftslotsen

          Auch Spinnen und Laufkäfer hat der Experte im Rahmen der Studie beobachtet und zum Beispiel herausgefunden, dass die Zahl der Käferarten zwar gleich blieb, aber ständig neue Arten hinzukamen, während andere verschwanden.

          Hoppe ist daran gelegen, dass auch Besucher die große Artenvielfalt am Alten Flugplatz kennenlernen. Besucher können das Areal, das zum Grüngürtel der Stadt gehört, selbst begehen. Es gibt aber auch sogenannte Landschaftslotsen, die Führungen anbieten und erklären, wie man sich Tieren und Pflanzen gegenüber rücksichtsvoll verhält. Besondere Angebote gibt es für Kinder. „Gerade hier können sie die Nähe zur Natur finden“, sagt Malten. toe.

          Der Alte Flugplatz in Bonames hat die Adresse Am Burghof 55. Weitere Informationen gibt es unter den Internetadressen www.gruenguertel.de und www.landschaftslotse.de oder beim „Umwelttelefon“ der Stadt mit der Rufnummer 212-3 91 00.

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