https://www.faz.net/-gzg-utrt

Stiftung : Allianzen zum Wohle der Stadt schmieden

  • -Aktualisiert am

Der Vorstand der Stiftung: Roland Kaehlbrandt, Klaus Ring und Johann-Peter Krommer Bild: F.A.Z. - Bergmann

Mit 400 Millionen Euro im Rücken lässt sich viel bewegen: Die Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft will in Bildung, Kultur und Wissenschaft investieren - als Ansporn, nicht als Ersatz für die Politik.

          Einer komplizierten Schwangerschaft folgt meistens eine schwere Geburt. Als sich die Frankfurter Polytechnische Gesellschaft Ende 2004 entschloss, über den Verkauf ihres Anteils an der Frankfurter Sparkasse zu verhandeln, hatte sie darüber schon einen Vorsitzenden verschlissen. Umso erstaunlicher, mit welch offensichtlicher Leichtigkeit anschließend festgelegt wurde, was mit dem Verkaufserlös zu geschehen habe: Im Oktober 2005 fiel der Entschluss, den Großteil des Geldes in eine eigene Stiftung zu investieren. Die „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“ war geboren, mit einem Kapitalstock von jetzt gut 400 Millionen Euro Deutschlands elftgrößte.

          „Nahezu einstimmig“ hätten sich die Mitglieder der Gesellschaft seinerzeit für den gemeinnützigen Stiftungszweck ausgesprochen, erinnerte sich Klaus Ring, ehemals Präsident der Goethe-Universität und jetzt Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Roland Kaehlbrandt und Johann-Peter Krommer erläuterte er während eines Redaktionsbesuchs Arbeitsschwerpunkte und Förderungsprofil der Stiftung, die mit dieser Zeitung beim Projekt „Meine Zeitung – Frankfurter Schüler lesen die F.A.Z.“ kooperiert.

          Bildung steht an erster Stelle

          Nicht nur finanziell fühle sich die Stiftung der Polytechnischen Gesellschaft verpflichtet, betont Ring. „Wir wollen die Geschichte der Polytechniker reaktivieren.“ Dazu gehörten ein aufklärerisches Wertebewusstsein und die Förderung von Bildung an erster Stelle. Bei Gründung der Gesellschaft im Jahr 1816 hätten Vertreter unterschiedlicher Gewerbe ihre „Tätigkeiten und Fähigkeiten zum Wohle der Stadt“ zusammengebracht. Das sei auch heute die vornehmste Aufgabe der Stiftung. Obschon beide Gründungsphasen nur bedingt vergleichbar seien – 1816 waren in der Stadt noch die Auswirkungen der napoleonischen Feldzüge und der Kontinentalsperre zu spüren –, bestünden etliche Parallelen in der Zielsetzung.

          So benennt Projektvorstand Roland Kaehlbrandt „Bildungs- und Sprachfähigkeit, ästhetisches Empfinden, Erfindergeist und Bürgersinn“ als Leitbilder polytechnischen Engagements. „Aufklärung ist der Zusammenhang zwischen Bildung und Verantwortung. Wir wollen Menschen so bilden, dass sie Verantwortung übernehmen können.“ Nach außen geschehe dies in Projekten wie dem „Deutschsommer“. Er ziele auf Schüler dritter Klassen und solle deren Ausdrucksvermögen vor der entscheidenden Phase ihrer Schulzeit verbessern.

          160 Grundschüler nehmen im Sommer an den dreiwöchigen „Ferien, die schlau machen“, teil. Auch die Polytechnische Gesellschaft war einst mit einer Bildungsinitiative gestartet, einer Sonntagsschule für Handwerker, an der sie in Rechnen, Schreiben oder Buchführung unterrichtet wurden, wie Ring erwähnt: „Die heutigen Bildungsdefizite sind die gleichen.“ Doch auch nach innen soll das Wertebekenntnis wirken: „Bei den Polytechnikern ist das Bewusstsein für aufklärerische Werte sehr unterschiedlich ausgeprägt“, sagt Ring. „Wir wollen neuen Mitgliedern die traditionelle Bedeutung der Gesellschaft klarmachen.“

          Gefeit gegen politische Einflussnahme

          Im Unterschied zur punktuellen Tätigkeit vieler anderer Stiftungen plant die Polytechnische, integrierte Programme aufzulegen, etwa in der Musikerziehung. Frühkindliche musikalische Bildung müsse in die Schulen verlängert und Singen müsse zu einem wichtigen Element der Sprach- und Bewegungsförderung werden, so Ring. In Kooperation mit der nach seinen Worten „weitgehend unterschätzten Hochschule für Musik und Darstellende Kunst“ sei ein Projekt geplant, bei dem Kinder lernen zu komponieren.

          Weitere Themen

          Heimatgeschichte auf Facebook

          Digitale Aufklärung : Heimatgeschichte auf Facebook

          Junge Leute für alte Zeiten zu begeistern ist schwer. Stefan Trautmann hat es in Freigericht mit einer Facebook-Gruppe versucht – und wurde von dem Erfolg überrascht.

          Topmeldungen

          AKK zieht ins Kabinett ein : Sie musste springen

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat es bislang vermieden, den Weg zur Kanzlerkandidatur über das Bundeskabinett zu gehen. Woher kommt der Sinneswandel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.