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Promotion in Deutschland : Experten für Türkenkrieg und Speedreading

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Arbeitsoptimierer: Simon Neubert und Tabea Kraaz betreiben im Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“. Bild: Wonge Bergmann

Wer promovieren, aber den einsamen Elfenbeinturm der Wissenschaft nicht besteigen will, findet in Deutschland viele Alternativen. Ist das der Qualität von Promotionen zuträglich?

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          Weiße Tische, leere Flächen, Wände aus Fenstern und ein beeindruckender Blick auf Frankfurt: An diesem Ort erinnert nichts an die einsamen geisteswissenschaftlichen Studien eines Forschers, der zwischen Bücherbergen und Archivunterlagen sitzt und die Wissenschaftswelt mit neuen Erkenntnissen bereichert. Alles sieht sauber, modern und geordnet aus. Tabea Kraaz liebt diesen Ort. Sie ist Doktorandin im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“ an der Universität Frankfurt. Den lichtdurchfluteten Arbeitsraum in der obersten Etage des IKB-Bank-Gebäudes, das von der Uni mitgenutzt wird, stellt das Kolleg seinen Doktoranden zur Verfügung. „Die ganze Doktorarbeit allein an einem einsamen Schreibtisch – das könnte ich nicht, da würde ich eingehen“, sagt die 28 Jahre alte Theologin Kraaz.

          Im gemeinsamen Arbeitsraum trifft sie regelmäßig andere Kollegiaten. Wenn es ein Problem gibt, bleiben sie nicht allein darauf sitzen, sondern können zusammen nach einer Lösung suchen. Kraaz weiß das sehr zu schätzen: „Ich behandle zum Beispiel Luther und den Türkenkrieg, und dann kann ich ohne Aufwand sofort mit einem Kollegen besprechen, wie man das aus einer islamischen Perspektive sehen kann. Das hilft mir einfach total, auch weil ich ein sozialer und kommunikativer Mensch bin.“

          Simon Neubert promoviert über das Verhältnis zwischen Mission und Bildung. Auch er ist Doktorand im Kolleg, arbeitet aber lieber in der Bibliothek. Der 35 Jahre alte Familienvater profitiert von der Flexibilität, die ihm das Stipendium des Kollegs ermöglicht. Allerdings ist das ein Auslaufmodell: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist bei Graduiertenkollegs dazu übergegangen, nur noch Stellen mit einer Arbeitszeit von 65 Prozent zu vergeben, um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die stärkere Einbindung in die Universität sicherzustellen. Anders als bei regulären Uni-Mitarbeiterstellen gehen damit keine weiteren Aufgaben wie etwa Lehrverpflichtungen einher. Gewünscht wird lediglich die Mitarbeit in Gremien des akademischen Mittelbaus.

          Soft Skills in der Wissenschaft

          Die von der DFG finanzierten Graduiertenkollegs gibt es seit 1990. Unter einem Leitthema nehmen die Kollegs eine begrenzte Zahl von Doktoranden auf, die meist für drei Jahre finanziert werden. Im Unterschied zu einer Einzelpromotion müssen die Kollegiaten Seminare, Kolloquien und Workshops besuchen. Beteiligt sind daran nicht nur Doktoranden, sondern auch mehrere Professoren, meist aus verschiedenen Disziplinen. Tabea Kraaz und Simon Neubert berichten zudem von auswärtigen Summer Schools und Masterclasses, die das theologische Kolleg veranstaltet. Die Teilnahme ist Pflicht. Die Möglichkeiten, sich auszutauschen und Wissenschaftler kennenzulernen, sind dadurch tendenziell größer als während einer individuellen Promotion.

          Die Kollegs sollen außerdem berufsqualifizierende „Kompetenzen“ vermitteln: In den methodischen Workshops gehe es um „Soft Skills“, erklären die beiden Doktoranden. „Wir machen zum Beispiel Moderationsworkshops, das ist sehr hilfreich“, sagt Kraaz. Simon Neubert nickt. Besonders gelungen fand er den Kurs zum Speedreading – einer Methode, mit der das schnelle Lesen trainiert werden soll. Generell gehe es darum, „das eigene Arbeiten zu optimieren und die Effizienz zu steigern“.

          Der Königsweg zur Qualitätspromotion

          Was wie Werbung für eine Unternehmensberatung klingt, ist das gewollte Ergebnis einer sogenannten strukturierten Promotion. Die Ziele werden klar benannt: Promotionszeit verkürzen, sich vernetzen, Schlüsselqualifikationen erwerben. Doch sieht so der Königsweg zu einer Qualitätspromotion aus? Im Sommer hatten deutsche Akademien die zunehmende Entwertung von Promotionen kritisiert: Die Anforderungen seien deutlich gesunken. Längst ist bekannt, dass von der Inflation guter Noten nicht nur Schul- und Hochschulabschlüsse, sondern auch Promotionen betroffen sind. Versagen die Gutachter?

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