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Bürgerinitiative : So wehren sich Frankfurter gegen Immobilienspekulanten

Bürgerlicher Protest: Die Aktionsgemeinschaft Westend schaffte es, viele Menschen auf die Straße zu bringen. Bild: Harald Meisert / Institut für Stadtgeschichte

Seit die Aktionsgemeinschaft Westend vor 50 Jahren in Frankfurt gegründet wurde, ist sie ein Stachel im Fleisch der Planungspolitik. Die Bürger haben die Bausubstanz ihres Viertels gerettet.

          3 Min.

          Der Protest begann am Rothschildpark, es ging um ein paar Bäume. 1968 kämpften der Architekt Otto Fresenius und seine Mitstreiter gegen die Pläne der Genossenschaftlichen Zentralbank, am Rand des Parks ein Hochhaus zu errichten. Vergeblich. Das SGZ-Hochhaus, das vor einigen Jahren umgebaut wurde und heute Park Tower heißt, wurde schließlich zwar doch verwirklicht. Aber der Widerstand gegen den „Ausverkauf des Westends“, wie es in einem Artikel über die ersten Bürgerproteste hieß, war geweckt. Im Frühjahr 1969 gründeten Fresenius, Odina Bott und andere die Aktionsgemeinschaft Westend. Es war die Geburtsstunde einer der ältesten und erfolgreichsten Bürgerinitiativen des Landes. Die Bürger mischten sich in die Planungspolitik ein und widersetzten sich der Bodenspekulation. Sie gingen in den Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung, und sie trugen den Protest auch auf die Straße. Denn sie befürchteten zu Recht, dass ihr Wohnquartier zu einem Büroviertel umgewandelt werden sollte.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der damalige Planungsdezernent Hans Kampffmeyer (SPD) hatte das Westend zum Erweiterungsgebiet der City erklärt, in der Büroflächen knapp wurden. Getreu dem „Fingerplan“ sollten Hochhäuser entlang großer Straßen errichtet werden, darunter waren im Westend der Kettenhofweg, die Bockenheimer Landstraße und der Reuterweg. Das rief Spekulanten auf den Plan, die Wohnhäuser aufkauften und verwahrlosen ließen, um sie später abzureißen und die Grundstücke für moderne Bürobauten zusammenzulegen. Die AG Westend widersetzte sich, gleichzeitig begann der von Studenten getragene Häuserkampf, der zu Besetzungen und Straßenschlachten mit der Polizei führte. Das Engagement hatte Erfolg: Kampffmeyer musste 1971 zurücktreten. 1975 wurde ein Bebauungsplan beschlossen, der den Erhalt der Wohnbebauung im Westend sicherte.

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