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Äthiopisch-orthodoxe Gemeinde : Ein eigenes Zuhause

  • -Aktualisiert am

Auf der linken Seite der Kirche sitzen nur in der ersten Reihe männliche Gäste, dahinter die Frauen. Bild: Cornelia Sick

Viele Jahre ohne eigenes Gotteshaus: Nach langer Suche feiert die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Gemeinde die Eröffnung ihrer neuen Kirche im Seckbacher Gewerbegebiet, gemeinsam mit dem Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker.

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          In der Kirche ist es so warm, dass sich ein kleines Mädchen mit seinem Bilderbuch Luft zufächelt. In der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche ist kein Platz mehr frei. Jeder will bei der Einweihung des neuen Gotteshauses dabei sein. Auf der linken Seite sitzen mehr als hundert Frauen auf Stühlen und dem Boden. Fast alle haben ihr Haar mit weißen Leinentüchern bedeckt und tragen Gewänder mit bunten Stickereien. Die Männer sitzen rechts. Vor dem geschmückten Altar steht Mihreteab Assefa und predigt auf Amharisch. Assefa ist extra für die Eröffnungspredigt aus Äthiopien angereist. „Er redet davon, dass sich der Glaube nicht in einzelne Gruppen aufspalten, sondern uns einen soll“, erklärt eine Besucherin leise.

          Die Gemeinde applaudiert, einige murmeln zustimmend. Hinter dem Prediger sitzen zwei äthiopisch-orthodoxe Erzbischöfe neben Geistlichen der Gemeinde, später ist auch Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) dabei. Sie alle sind gekommen, um die Tewahedo-Kirche Medhanealem (Erlöser der Welt) in Seckbach feierlich einzuweihen.

          Sieben Jahre lang sei die Gemeinde auf der Suche nach geeigneten Räumen gewesen, um dort eine eigene Kirche zu eröffnen, sagt Samuel Lesanework, dessen Vater Erzpriester der Gemeinde ist. Anfangs war die Tewahedo-Gemeinde in der Bonifatiuskirche untergekommen, doch dann wurde das Gotteshaus für die katholische Jugendkirche gebraucht. So zog die Gemeinde in die Kirche St. Pius. Auch dort habe man sich wohl gefühlt, erzählt der Diakon. Allerdings habe die Kirche nur sonntags zur Verfügung gestanden. Das sei ein Problem für die Gemeinde gewesen, da Söhne nach äthiopisch-orthodoxem Glauben am 40. Tag und Mädchen am 80. Tag nach ihrer Geburt getauft werden sollten. Sei dieser Tag aber nicht zufällig auf einen Sonntag gefallen, sei es nicht möglich gewesen, die Kinder pünktlich zu taufen.

          Den „Gottesdienst so abhalten, wie wir es wollen“

          Auch habe man die traditionellen Nachtgottesdienste zu Ostern und Weihnachten nicht in St. Pius veranstalten können, da die Kirche in einem Wohngebiet liege. So begann die Suche nach einem eigenen Gotteshaus. Nach mehreren Besichtigungen sei die Gemeinde vor zwei Jahren fündig geworden und habe für etwa 1,7 Millionen Euro das unscheinbare dreistöckige Haus im Seckbacher Gewerbegebiet samt Grundstück gekauft, erzählt Lesanework. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche nutzt nur das untere Stockwerk, die anderen beiden werden vermietet.

          Die Erzbischöfe Abune Dionasios (rechts) und Abune Elias (Zweiter von rechts) feiern mit Würdeträgern und der Gemeinde die Eröffnung der Kirche.

          „Hier haben wir unser neues Zuhause. Im Gewerbegebiet können wir unsere Gottesdienste so abhalten, wie wir es wollen, und dabei laut und lebendig sein“, sagt Mamo Mery, die regelmäßig mit ihren zwei Söhnen den Gottesdienst besucht. Obwohl sich die Gemeinde auch in den katholischen Kirchen willkommen und angenommen gefühlt habe, bedeute es ihr viel, jetzt ein ganz eigenes Gotteshaus zu haben. Der neugewonnene Platz soll auch für ein Kinder- und Jugendprogramm genutzt werden. „Dort soll am Wochenende die Kirchenschule stattfinden“, sagt Samuel Lesanework und deutet auf einen großen Gemeinschaftsraum. Auch Gesangs- und Sprachunterricht seien geplant.

          „Wir gehören zusammen“

          In erster Linie diene die Einweihungsfeier dazu, vielen Gemeindemitgliedern für ihre Unterstützung bei der Verschönerung der Kirche zu danken, sagt der Diakon. Doch ein weiterer wichtiger Zweck sei es, Spenden zu sammeln. Schließlich habe die Gemeinde für den Kauf des Gebäudes ein Darlehen aufgenommen, das es nun abzuzahlen gelte. Um zu weiteren Spenden zu motivieren, redet Erzpriester Wube Lesanework daher nach der Predigt davon, wie wichtig die Kirche für die Gemeinschaft sei. Währenddessen werden bunte Körbe für die Spendengelder herumgereicht.

          Im Hof der Kirche verkaufen Mitglieder der Gemeinde Tücher, Bücher und Fahnen, um Geld für die Kirche zu sammeln. Auch dort, außerhalb der Kirchenräume, halten sich Hunderte Menschen auf. Kinder laufen mit äthiopischen Fähnchen herum, und Familien unterhalten sich bei Fladenbrot und Fleisch. Unterdessen singen drinnen die Kirchenschüler, die Gemeinde klatscht laut und singt mit, einige wiegen sich rhythmisch im Takt der Musik. Schon um sechs Uhr begann der Gottesdienst, trotzdem ist der bunt geschmückte Raum auch am frühen Nachmittag noch voller Menschen. In seiner Rede betont Kirchendezernent und Bürgermeister Becker, wie wichtig es sei, über Fragen der Religion und der Kultur hinweg zusammenzustehen. „Wir sind eine Stadt und, was das Christliche angeht, ein Glaube. Wir gehören zusammen, wir sind eine Gesellschaft“, sagt er und die Gemeinde applaudiert.

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