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Medizinermangel in Frankfurt : In den Vororten fehlen Haus- und Kinderärzte

Überfüllte Wartezimmer: Gerade in Frankfurter Vororten ist ein solches Bild oft zu sehen. Bild: dpa

In Frankfurt klagen die Mitglieder der Ortsbeiräte über den Mangel an Medizinern – gerade in stark wachsenden Stadtteilen. Doch das Bekämpfen dieser Herausforderung gestaltet sich schwierig.

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          Im nächsten Jahr wird es in Hessen voraussichtlich etwa 40 Kinderärzte mehr geben als derzeit, davon etwa acht in Frankfurt. Diese Zahlen nannte Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), kürzlich im Frankfurter Römer. Genaues werde man aber erst im Januar wissen.

          Tim Niendorf
          Politikredakteur.

          Die meisten seiner Zuhörer sind Mitglieder von Ortsbeiräten und waren gekommen, um sich über die Ärzteversorgung in der Frankfurt zu informieren. Von ihnen war auch der Impuls für die Veranstaltung gekommen, zu der Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) eingeladen hatte. In einigen Frankfurter Ortsbeiräten herrscht großer Unmut über den Mangel an Hausärzten und auch an Kinderärzten, da mancherorts die Zahl der Kinder zunimmt. Dabei ist Frankfurt offiziell überversorgt. Die Versorgungsdichte wird nach Angaben der KVH anhand vorgegebener Verhältniszahlen je Arztgruppe gemessen. Eine Überversorgung ist von einem Versorgungsgrad von 110 Prozent an gegeben. In Frankfurt liegt dieser bei 114 Prozent.

          Jedoch sind zum Beispiel Hausärzte ungleich verteilt. Geht man von der allgemeinen Verhältniszahl von 1671 Einwohnern je Arzt aus, zeigt sich, dass in einigen Stadtteilen nicht genügend Mediziner praktizieren. Auf den ersten fünf Plätzen liegen Bahnhofsviertel, Innenstadt, Eschersheim, Bornheim und Sachsenhausen, wobei das Bahnhofsviertel mit 562 Prozent die mit weitem Abstand größte Überversorgung hat. Auf den hintersten fünf Rängen liegen Frankfurter Berg, Eckenheim, Kalbach-Riedberg, Dornbusch und Berkersheim mit einer gravierenden Unterversorgung. In Berkersheim ist der Mangel am eklatantesten: Dort praktiziert kein einziger Arzt.

          Kein Arzt für Berkersheim?

          Wie viele Ärzte sich in einem Ort oder einer Region ansiedeln dürfen, geht aus der Bedarfsplanung hervor. Diese, sagte Starke, sei ein Instrument aus einer Zeit, als man gedacht habe, es gebe zu viele Ärzte. Nun seien es zu wenige, obwohl sich ihre Zahl erhöht habe. Hessen verfüge jetzt über 79 Kinderärzte und 200 Hausärzte mehr als im Jahr 2002, jedoch sei die Zahl der Kinderarztpraxen in der gleichen Zeit um 58 und die Zahl der Hausarztpraxen gar um 800 gesunken. Der Grund: Viele angehende Ärzte machen sich nicht mehr selbständig, sondern bevorzugen es, angestellt zu sein. „Eine Praxis ist heute manchmal ein Akkordbetrieb“, sagte Starke. „Ein angestellter Arzt arbeitet etwas ruhiger.“ Angestellte betreuten nämlich weniger Patienten. Wollten viele Studenten am Anfang ihres Studiums noch Hausärzte werden, blieben am Ende der Ausbildung wenige übrig. Viele hätten Angst vor der großen Bandbreite, die man abdecken müsse.

          Hinzu kämen noch andere Veränderungen. Viele Menschen gingen wegen kleiner Beschwerden häufiger als früher zum Arzt; die Mediziner wiederum müssten viel mehr Zeit für Bürokratie aufwenden, was einige veranlasse, ins europäische Ausland auszuwandern. Auch sei die Zahl der Spezialisten mittlerweile höher als die der Hausärzte. In Frankfurt komme hinzu, dass die Bevölkerung wachse. Trotzdem sei die Patientenzahl je Arzt in Frankfurt immer noch niedriger als auf dem Land; die niedrigste hat das Bahnhofsviertel mit 315, die höchste der Dornbusch mit 4618.

          Einer der Fragesteller aus den Ortsbeiräten kritisierte den Zustand in Berkersheim, das ganz ohne eigenen Arzt auskommen muss. So sei eine 106 Jahre alte Frau gestorben, weil sie nicht mehr habe versorgt werden können. Mit dem Bus in einen Nachbarstadtteil zu fahren, sei für ältere Bewohner unzumutbar. Carolin Friedrich (CDU), Ortsvorsteherin in Kalbach-Riedberg, beschwerte sich darüber, dass es in dem stark wachsenden Stadtteil nur eine halbe Kinderarztstelle gebe. Eine kleinteiligere Bedarfsplanung sei unrealistisch, sagte Starke. „Ich kann nicht jeden Stadtteil beplanen.“ Dennoch ist auch er der Meinung: „Die neuen Stadtteile, die in einer rasenden Geschwindigkeit entstehen, sind ein Problem.“ Wegen der Vorgaben sei es nicht möglich, vorauszuplanen. Erst wenn Ärzte aufhörten, könnten Stellen neu besetzt werden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung werden bis 2030 rund 60 Prozent der Hausärzte aus dem Dienst scheiden.

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