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Kunstaktion in Frankfurt : Erinnerung in Stoff

  • -Aktualisiert am

Bitte nicht abmachen: Dieser Baum in Frankfurt trägt mit Absicht ein Band. Es soll die KZ-Häftlinge der Adlerwerke im Gallus erinnern. Bild: Rainer Wohlfahrt

1200 Stücke Stoff hängen in den kommenden Monaten in der Frankfurter Innenstadt. Die Namen und Nummern auf ihnen sollen an Männer erinnern, die über Jahrzehnte vergessen waren.

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          Sieben Jahrzehnte lang sind die KZ-Häftlinge der Adlerwerke im Frankfurter Gallus vergessen gewesen. Nun sind sie mitten unter den Frankfurtern: auf der Einkaufstraße Zeil, am Sachsenhäuser Mainufer, im Stadtteil Gallus. Nicht als lebendige Personen, die 1600 Männer, die im Außenlager Katzbach des elsässischen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, das im August 1944 in den Adlerwerken in Betrieb genommen worden war und bis Kriegsende bestand, Zwangsarbeit leisten mussten, sind mit wenigen Ausnahmen tot.

          Erinnerungen an die Gefangenen begegnen den Frankfurtern jetzt in Form von Stoffstreifen in Häftlingsmustern, die um Bäume auf der Zeil und der Konstablerwache gebunden sind. „Mitten unter uns“ heißt die Aktion, bei der 200 Freiwillige am Samstag mitgemacht haben. 1200 solcher Binden, auf denen entweder der Name eines der damaligen Zwangsarbeiter steht oder eine KZ-Nummer, sollen vergegenwärtigen, dass es mitten in der Stadt ein Todeslager gab, eines sogar, das unter Lagern dieser Art eine der höchsten Mortalitätsraten aufwies.

          Sieben Monate bleiben Binden hängen

          Die meisten der Zwangsarbeiter, die das Außenlager Katzbach durchlaufen haben, waren während und nach dem im August 1944 begonnenen Warschauer Aufstand festgenommen worden. Von den 1600 Gefangenen haben offenbar nur 50 überlebt. Sieben Monate sollen die Häftlingsbinden an den Bäumen hängen, denn das KZ Katzbach, so hatte es Stefanie Grohs, die Initiatorin der Gedenkaktion, den 200 Mitstreitern am Samstag im Historischen Museum erklärt, bestand ebenso lange.

          Penibel bis in die kleinsten Details hatte die Künstlerin das Projekt vorbereitet. Die Binden, Befestigungsschnüre und ein genauer Plan, an welchen Bäumen die Stoffstreifen angebracht werden sollten, waren in numerierte Tüten verpackt. In Zweierteams schwärmten die Helfer aus und befestigten in dem ihnen zugewiesenen Abschnitt die Binden.

          Rentner und Angestellte haben sich an der Aktion beteiligt, Studenten und Lehrer, Alte und besonders viele Junge. Zum Beispiel die Schülerinnen Elisabeth und Julia. „Coole Idee, die Erinnerung so an die Öffentlichkeit zu bringen“, sagt Elisabeth, die spontan beschließt, demnächst im Unterricht an der Max-Beckmann-Schule von „Mitten unter uns“ zu berichten. Ihre Freundin Julia war aus Wiesbaden angereist. Sie habe sich überhaupt nicht vorstellen können, dass es mitten in Frankfurt ein KZ gegeben habe, erzählt sie.

          Als die Schülerinnen auf der Konstablerwache beginnen, die Bäume zu umwickeln, fragen die Händler und Kunden auf dem Erzeugermarkt, der auf dem Platz gerade stattfindet, was die beiden tun. Gespräche entwickeln sich, viele sind interessiert. Elisabeth und Julia sprechen über das vergessene KZ und über den Entschluss der Stadt Frankfurt, dass mit solchen Aktionen darauf aufmerksam gemacht werden solle.

          Ob alle Binden die nächsten sieben Monate unbeschadet überstehen, muss man wohl bezweifeln. Sie vertraue darauf, dass die Menschen sich respektvoll zeigten, sagt Stefanie Grohs. Ob es so kommen wird, kann man auf der Internetseite www.mittenunteruns.de erfahren.

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