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Ada-Kantine“ in Frankfurt : Essen für alle wie im Restaurant

Essen, das auch die Gemeinschaft stärkt: Vom 11. Juli an wird in der „Ada-Kantine“ gekocht, serviert und Kunst gemacht. Bild: Wonge Bergmann

Mit der „Ada-Kantine“ wollen Ehrenamtliche in Bockenheim für bedürftige und nichtbedürftige Bürger kochen – und gleichzeitig entsteht eine Performance.

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          Wir wollen das durchhalten“, sagt Tim Schuster. „Das“ ist die „Ada-Kantine“: Vom 11. Juli an soll es in Bockenheim bis zu fünfmal in der Woche Mittagessen für etwa 80 Personen geben. Für solche, die sonst kein Geld für eine warme Mahlzeit hätten – und für alle anderen, die in einem buntgemischten soziokulturellen Ort speisen und dafür einen moderaten, solidarischen Preis zahlen wollen.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Kantine der einstigen Akademie der Arbeit, daher der Name Ada, an der Gräfstraße, Ecke Mertonstraße, wächst mit wenig Geld und viel Enthusiasmus ein Projekt, das auch mit Corona zu tun hat. Die „Ada-Kantine“ wird betrieben von Ehrenamtlichen, die kochen, servieren und putzen und draußen, rings um das Gebäude, mit von den Entsorgungsbetrieben gespendetem Humus einen Gemeinschaftsgarten anlegen, der später die Küche beliefern soll.

          Die Ursprungsidee, sagt Tim Schuster, Vorsitzender des Vereins Offenes Haus der Kulturen Bockenheim, habe Anette Mönich vom Stadtteilbüro Bockenheim gehabt. Mittlerweile hat sich ein Netzwerk aus verschiedenen Initiativen, die sich politisch, kulturell und für Flüchtlinge engagieren, für das Projekt zusammengetan, bildet Kochgruppen und wird am Wochenende in einer Hauruck-Aktion das neue Logo und neue Farben an den Wänden anbringen. Nach einem ersten Aufruf, dem ersten Post, in den sozialen Medien kamen sofort die ersten 20 Helfer: „Das hat mich doch umgehauen“, gibt Schuster zu, „es gibt eine sehr große Bereitschaft, sich zu engagieren und solidarisch zu sein“.

          Besucher in der Kantine im Rahmen eines Testlaufs

          Immer mehr Menschen, haben die Initiatoren festgestellt, leiden Hunger oder können sich keine anständige Mahlzeit mehr leisten. Obdachlose und Drogenabhängige, aber auch ganz normale Familien, die durch die Pandemie schwer getroffen worden sind, weil durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit ohnehin schon knappe Familienbudgets nicht bis zum Monatsende reichen. „Die Unterschiede sind nicht mehr so klar“, sagt Schuster. Und dass einige Profiköche in der blitzsauber wieder hergerichteten Ada-Küche arbeiten, liegt auch daran, dass Corona viele Gastronomie-Jobs vernichtet hat. „Uns wurde von den Tafeln berichtet, dass mehr Leute kommen, aber Ehrenamtliche fehlen, wegen Corona“, erläutert Schuster.

          Erst langsam lockere sich das wieder, sagt Rainer, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Er ist für die „Ada-Kantine“ mit einem Freund durch das Bahnhofsviertel gezogen und hat die Lage dort sondiert: „Wegen Corona nimmt die Bedürftigkeit zu“, sagt Rainer, der arbeitslos ist und sich freut, sich bei Ada und weiteren Initiativen engagieren zu können. Gerade sonntags haben die Hilfseinrichtungen und Essensausgaben geschlossen – da kommt das Angebot der „Ada-Kantine“ gut an.

          Essen wird am Tisch serviert

          Das Besondere, sagt Rainer, sei, dass das Essen an den Tischen serviert werde – anders als an vielen anderen Essensausgabestellen. „Das hebt die Menschenwürde“, sagt er. Nicht umsonst hat etwa André Hetzel sich in eine weiße Kochjacke gekleidet, die von den Profiköchen mitgebracht worden ist. Seit einem Monat ist der Hobbykoch bei der Kantine dabei, am Wochenende hat Hetzel mit seiner Kochgruppe 80 Essen ausgegeben.

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