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Bündnis gegen Feldmann : Abwahl-Kampf

Ein breites Bündnis gegen Feldmann: Neben den Parteien mischt sich nun auch die Bürgerschaft ein. Bild: Lucas Bäuml

Es geht darum, die Frankfurter für den Bürgerentscheid am 6. November zu mobilisieren: Die Rede Axel Hellmanns und die Plakate der Parteien im Römer bilden einen guten Auftakt dafür.

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          Keine Partei in Frankfurt ist darin erfahren: Wie macht man das – einen Wahlkampf nicht wie sonst mit dem Ziel der Stimmenmaximierung für die eigenen Kandidaten und die eigene Liste, sondern für die Abwahl des Stadtoberhaupts? Wie weit muss man einerseits gehen, um die Bürger zu mobilisieren, wie sehr muss man sich umgekehrt beschränken, um nicht beleidigend zu werden. Wie kann ein derart ungewöhnlicher Ab-Wahl-Kampf aussehen?

          Die erste Hürde haben Grüne, CDU, SPD, FDP und Volt gemeistert. Ihre Plakate zur Abwahl kommen sachlich daher, lassen das Ungewöhnliche der Situation erkennen, sie rufen in Erinnerung, dass am 6. November eine wichtige Entscheidung ansteht, ohne denjenigen, der abgewählt wird, anzugreifen. Man darf annehmen, dass die meisten Frankfurter auch so wissen, was dem Oberbürgermeister vorgeworfen wird. Es kommt vor allem darauf an, die Bürger daran zu erinnern, ihr Wahlrecht schon jetzt per Briefwahl oder am 6. November im Wahllokal wahrzunehmen.

          Die Reaktion der Bürger entscheidet

          Die Frage ist dennoch, was diesem guten Auftakt folgt. Hunderte Mitglieder der Parteien müssen die Plakate aufhängen, Handzettel verteilen, an Informationsständen Auskunft geben. Es ist ein Kraftakt außer der Reihe – für die Stadt, für die Demokratie, aber vorderhand nicht für die eigene Partei. Wie weit die Motivation reicht, bei der Vorbereitung dieser für die Stadt so wichtigen Entscheidung am Ball zu bleiben, wird auch von den Reaktionen der Bürger abhängen. Es gibt in der Stadt eine Stimmung, das Kapitel Feldmann zu schließen, aber es ist bisher keineswegs so, dass das politische Engagement durch ein bürgerschaftliches ergänzt wird. Die Worte, die Axel Hellmann, der Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, gefunden hat, könnten dafür ein guter Auftakt sein, der zweite zu Beginn dieser Woche.

          Frankfurt hat sechs ungewöhnliche Wochen vor sich, in denen sich mehr noch als bisher alle Aufmerksamkeit auf eine Person konzentrieren wird, in denen es auf den ersten Blick nur darum geht, eine Karriere mit guten Gründen zu beenden, nicht aber darum, Neues zu beginnen. Doch dieser Eindruck täuscht. Erst nach einer Abwahl Feldmanns haben die Politiker den Kopf wieder frei für die Aufgaben, vor denen Frankfurt steht.

          Manfred Köhler
          Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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