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Abschlussprüfungen : Bestens vorbereitet trotz Corona

Klare Ansage: Für ihre Prüfungswoche haben die Jugendlichen von der Walter-Kolb-Schule motivierende Plakate gemalt. Bild: Wonge Bergmann

Die hessischen Haupt- und Realschüler schreiben derzeit ihre Abschlussklausuren. Die Umstände sind außergewöhnlich, aber nicht unbedingt schlechter als in anderen Jahren. Zu Besuch in der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach.

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          Man sollte nicht denken, dass Esmanur Candan und Serengül Kilic gerade eine anstrengende Abschlussprüfung absolviert haben. Entspannt und gutgelaunt kommen die beiden Neuntklässlerinnen aus dem Nawi-Raum, wo sie ihre gut zweistündige Mathematik-Klausur geschrieben haben. In den nächsten Tagen werden sie außerdem noch die schriftlichen Prüfungen in Deutsch und Englisch absolvieren, dann haben sie den Hauptschulabschluss in der Tasche. Die 15 Jahre alte Esmanur strebt danach eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte an, die ein Jahr ältere Serengül will noch ein Jahr zur Schule gehen, ihren Realschulabschluss machen und dann eine Ausbildung beim Zoll beginnen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die beiden Schülerinnen gehen auf die Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach, wo in dieser Woche wie überall in Hessen die landesweit einheitlichen Abschlussarbeiten in den Bildungsgängen Hauptschule und Realschule anstehen. Ähnlich wie schon bei den Abiturklausuren, die vor den Osterferien geschrieben wurden, sind die Umstände von der Corona-Pandemie und den durch sie erzwungenen Hygienevorgaben geprägt. Anders als die Abiturienten waren die Haupt- und Realschüler in den Wochen vor der Prüfung allerdings im Unterricht. Seit Ende April gehen die Abschlussklassen wieder zur Schule.

          Sie seien froh gewesen, die Klausuren trotz Corona schreiben zu können, sagen Esmanur und Serengül. Und sie hätten sich gut vorbereitet gefühlt. Während des anfänglichen Schulausfalls habe es Arbeitsaufträge gegeben, danach hätten sie täglich vier bis sechs Stunden Unterricht gehabt. Vor allem aber sei dieser Unterricht sehr konzentriert gewesen. Durch die Teilung der Klassen seien in einem Raum höchstens 15 Schüler zusammengekommen, so dass die Lehrer besser als sonst auf einzelne Schüler hätten eingehen können. Günstig habe sich auch der große Abstand zwischen den Tischen ausgewirkt. „Wir konnten nicht so viel miteinander reden, es war ruhig und man konnte sich gut konzentrieren“, sagt Esmanur.

          An der Grund-, Haupt- und Realschule sind inzwischen auch viele andere Jahrgänge wieder im Präsenzunterricht. Die fünften bis neunten Klassen gehen 14 Stunden, die vierten Klassen 20 Stunden wöchentlich in die Schule. In der nächsten Woche sollen auch die Erst- bis Drittklässler dazukommen. Es sei wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen wieder in einen Lernrhythmus kommen, sagt Schulleiterin Sabine Fischer. Die Bedingungen zu Hause seien sehr unterschiedlich. Viele Familien hätten keinen Drucker und seien mit der Systematik eines Mathebuchs überfordert. Und manche Kinder hätten eben den ganzen Vormittag im Bett gelegen.

          Praktische Probleme sind inzwischen gelöst

          Die Wiederaufnahme des Schulbetriebs unter den Bedingungen der Pandemie habe „befriedigend“ funktioniert, sagt Fischer. Auf die Nachfrage, ob das in Schulnoten ausgedrückt eine Drei sei, denkt sie kurz nach. „Ich würde doch eher eine Zwei geben.“ Natürlich habe es an der einen oder anderen Stelle gehakt, aber praktische Probleme etwa mit der Verfügbarkeit von Seife und Desinfektionsmittel seien inzwischen gelöst, die Schule profitiere davon, dass nur wenige Lehrer wegen besonderer Gefährdung zu Hause bleiben müssten.

          Eine knappe Stunde länger als bei den Hauptschülern dauert die Prüfung bei den Realschülern. Vivi Kinzunga und Zeynep Akgün kommen gerade aus der Deutsch-Klausur. Auch sie sind glücklich, die erste Prüfung hinter sich zu haben. Die Vorbereitung sei „fokussiert“ gewesen, sagt die 15 Jahre alte Vivi. Der Unterricht habe sich auf die Haupt- und somit Prüfungsfächer beschränkt. Zeynep lobt, dass die Lehrer in den kleinen Gruppen gezielt an individuellen Schwächen und Verständnisschwierigkeiten gearbeitet hätten.

          Einen großen Wermutstropfen gibt es dennoch: Eine Abschlussfeier wird es in diesem Jahr nicht geben. Für die Absolventen sei es immer sehr wichtig gewesen, in schicken Kleidern und Anzügen zusammen mit Eltern und Lehrern zu feiern, erzählt Schulleiterin Fischer. Und auch die Abschlussfahrt werde ausfallen, sagt Serengül traurig. „Wir wollten nach Kroatien fahren.“

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