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Altstadt : Abriss der Schirn-Rotunde „nicht koalitionsfähig“

Im Mittelpunkt der Diskussion: die Rotunde der Schirn Bild: F.A.Z. - Claus Setzer

Der Direktor der Schirn, Max Hollein, lehnt den Vorschlag ab, die markante Rotunde des Gebäudes abzureißen, um mehr Gestaltungsspielraum für eine künftige Altstadtbebauung in Frankfurt zu schaffen. Auch die Grünen protestierten gegen die Abrisspläne.

          Der Direktor der Schirn, Max Hollein, lehnt den Vorschlag ab, die markante Rotunde des Gebäudes abzureißen, um mehr Gestaltungsspielraum für eine künftige Altstadtbebauung in Frankfurt zu schaffen. Die Kunsthalle derart zu verändern wäre „ein fataler Schritt“, teilte Hollein mit. Er könne dies „weder von der Sache noch von der Form her akzeptieren“.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heike Hambrock (Die Grünen), Vorsitzende des Dom-Römer-Ausschusses, der sich seit einem Jahr mit der Zukunft der Altstadt befasst, äußerte auf Anfrage: „Das ist nicht koalitionsfähig.“ Ein Abriss der Rotunde werde „in den nächsten zehn Jahren kein Thema“ sein.

          Mäckler: Mehr Freifläche schaffen

          Der Architekt Christoph Mäckler hatte angeregt, die Rotunde, die der Schirn als Eingangshalle und Ausstellungsfläche dient und in der auch das Schirn Café untergebracht ist, abzureißen, um bei der geplanten Rekonstruktion der Altstadt mehr Freifläche zu schaffen.

          Schirn-Direktor Max Hollein wehrt sich gegen den „Abrissforur” in Frankfurt

          (Siehe: .)

          Außerdem solle dadurch eine Bebauung der Südseite des Alten Marktes möglich werden. Um der Schirn Ersatz für die Flächen in der Rotunde zu bieten, schlägt Mäckler einen Anbau im Osten vor, der in den Archäologischen Garten hineinragen würde. Das Büro von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte von einem interessanten Vorschlag gesprochen, der zu diskutieren sei. Allerdings dürfe sich die Bebauung des Areals dadurch nicht verzögern.

          „Für mich ist das nicht vorstellbar“, sagte Hollein im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Kunsthalle habe als Gebäude durchaus Nachteile, eine ihrer Stärken aber sei der direkte Zugang vom Römer her und der „starke, großzügige Ort“ der Rotunde. Als „Kunsthalle der Frankfurter Bürger“ und als „populärste Einrichtung der Region“ sei die Schirn bestens positioniert. Für die Identität der Schirn sei auch das „zentrale Entree“ wesentlich – es werde nicht umsonst auf vielen Fotografien abgebildet, sagte Hollein.

          Hollein: „Alles Mögliche wird zur Disposition gestellt

          Der Vorschlag, die Rotunde abzureißen, habe ihn „überrascht“; er sprach von einem massiven Verlust. „Wir gehen von einer Schirn aus, wie sie besteht. Sollten diese Pläne deutlicher werden, präzisieren wir unsere Position. Man kann ja vieles in eine Diskussion werfen.“ Befremdlich allerdings sei, dass im Magistrat der Stadt offenbar ein „Abrissfuror“ um sich greife, in dem „alles Mögliche zur Disposition gestellt“ werde. Wenn über die Rotunde gesprochen werde, gehe es wohl demnächst auch um die postmoderne Bebauung der Saalgasse, die im Kontext der Schirn entstand: „Da galoppieren die Dinge sehr“, so Hollein.

          Nach Ansicht Hambrocks müsste die Stadt, nähme sie Mäcklers Plan ernst, „komplett bei null anfangen“ in ihrem Bemühen, die Altstadt wieder zu errichten. „Und das jetzt, wo gerade die Magistrats-Vorlage zur Altstadt fertig ist“, sagte die Vorsitzende des Dom-Römer-Ausschusses. Es handele sich um „ein schönes Planspiel von Mäckler und seinen Studenten und nichts weiter“. Daher erübrige sich jede Diskussion in der schwarz-grünen Koalition. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Olaf Cunitz hatte sich in der vergangenen Woche vorsichtiger geäußert und gesagt, eine zusätzliche Debatte sei nicht hilfreich, weil die Neubebauung des Altstadt-Areals schon kompliziert genug sei.

          Der in Berlin lebende Architekt der Schirn Kunsthalle, Dietrich Bangert, der über das Urheberrecht verfügt, war bislang nicht über das Vorhaben unterrichtet. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Bangert, er sei zwar kontaktiert worden, bislang habe er sich aber kein Bild von dem geplanten Vorhaben machen können. Danach könne er sich konkret äußern, so Bangert.

          Frank: Mäcklers Vorschlag ist interessant

          Den Entwurf zu zerstören, hält er allerdings für befremdlich, vor allem, da sich zwischen den freigelegten Ruinen, dem Dom, der rekonstruierten Ostzeile des Römerbergs und der Schirn ein „erlebbarer ganzheitlicher Raum“ erstrecke, der sich auf die Geschichte und auch die Zerstörung beziehe. Dieser Dialog, den die Schirn auch in sich selbst führe, zwischen Rotunde, dem sogenannten Tisch und dem Langhaus, sei eine „ sensible Geschichte“. Zumal der Bau die Dimension von Kunst und Kultur einbringe. Die Schirn war 1983 von Bangert geplant und im Februar 1986 eröffnet worden.

          Der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Frank sprach abermals von einem interessanten Vorschlag. Aus seiner Fraktion gebe es positive und negative Reaktionen. Nun müsse der Vorschlag weiter erörtert werden. Mäcklers Plan sei „eine Frage der Akzeptanz der Bevölkerung und der Finanzierung“.

          Der Vorsitzende der stärksten Oppositionsfraktion im Rathaus Römer, Klaus Oesterling (SPD), sagte auf Anfrage: „Es wird in der Altstadtdebatte seit Monaten immer wieder irgendeine neue Sau durchs Dorf getrieben.“ Die Koalition solle stattdessen etwa prüfen, wie die Zugänge zur U-Bahn gestaltet werden könnten, wenn das Areal neu bebaut werde. „Schwarz-Grün muss ein Konzept mit den Finanzierungskosten vorlegen.“

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