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Stadtplanung Frankfurt : ABG kann 2500 Wohnungen bauen, soll es aber nicht

Beispiel Riederwald: Sechs Häuserzeilen (Mitte) wurden saniert. Bild: Staubach, Barbara

Durch Umbau und nachträgliche Verdichtung schafft die ABG in ihren Siedlungen zusätzlichen Wohnraum. Die Projekte sind erfolgreich. Die SPD ist trotzdem dagegen.

          Wohnungsmangel macht erfinderisch. Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG hat sich auf der Suche nach zusätzlichem Wohnraum ihre locker bebauten Wohnsiedlungen vorgenommen und prüft, ob sie die Häuserzeilen nachträglich verdichten kann. In der Platensiedlung in Ginnheim sollen nach Plänen des Architekten Stefan Forster rund 700 Wohnungen zusätzlich entstehen. In der sanierten Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim ist das Wohnumfeld nach Plänen von Jo Franzke verbessert worden und zusätzlicher Wohnraum entstanden. Im Riederwald wurde ein ähnliches Projekt erfolgreich beendet.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dort hat der Architekt Christoph Mäckler sechs lange Häuserzeilen umgebaut und 150 schlecht ausgestattete Kleinstwohnungen in größere, familiengerechte Wohnungen verwandelt. Auch städtebaulich und architektonisch hat die Siedlung deutlich gewonnen. Am Dienstag wurde Mäcklers Büro dafür wie berichtet mit dem Preis der Landesinitiative für Baukultur ausgezeichnet.

          Potential für Nachverdichtungen bei 6000 Wohneinheiten

          Mäckler hat die Zeilen durch Anbauten geschickt vergrößert. An den Köpfen der Häuserzeilen und vor den Gebäuden ist zusätzlicher Wohnraum entstanden. Die Anzahl ist zwar gleich geblieben, aber die Wohnungen haben nun nicht nur attraktivere Grundrisse, sondern auch eine eigene Terrasse oder einen eigenen Balkon. Die Dachböden wurden ausgebaut, und eine niedrige Gartenmauer an der Straße schafft etwas Privatheit. Die Mülltonnen stehen nun in Häuschen mit einem spitzgiebeligen Dach. Außerdem hat Mäckler bei der Sanierung auf Wärmedämmverbundsysteme verzichtet und Ziegelsteine verwendet, die mit einem Dämmstoff gefüllt sind. Die Heizkosten sind dadurch auf ein Fünftel gesunken.

          Durch die behutsame Verdichtung ihrer Siedlungen könnte die ABG stadtweit weitere 2500 Wohnungen schaffen. Das hat Geschäftsführer Frank Junker zumindest vor einiger Zeit behauptet. Doch er nennt diese Zahl nicht mehr öffentlich. Offenbar kommt er damit einem Wunsch der SPD entgegen, denn die Fraktion will vermeiden, dass ihre Forderung an Nachdruck verliert, die Stadt mit neuen Wohngebieten auf der grünen Wiese zu erweitern. Aber darf man das eine tun und das andere lassen? Das Stadtplanungsamt beziffert das Potential für Nachverdichtungen auf 6000 Wohneinheiten. Darauf zu verzichten scheint angesichts des starken Bevölkerungswachstums ebenso wenig möglich wie neue Wohngebiete auszuschließen.

          Weitere Siedlungen könnten modernisiert werden

          Schon vor einiger Zeit hatte sich Klaus Oesterling in seiner damaligen Rolle als Fraktionsvorsitzender der SPD gegen die nachträgliche Verdichtung der nur locker bebauten Siedlungen ausgesprochen. Man wolle die eigenen Wähler, die dort lebten, nicht verärgern, sagte er damals. Und auch als Verkehrsdezernent hat er seine Meinung offenbar nicht geändert. Auf einer Veranstaltung des Städtebaubeirats zum selben Thema soll sich Oesterling ähnlich geäußert haben. Der Städtebaubeirat ist allerdings für eine nachträgliche Verdichtung der Siedlungen, denn mit überschaubarem Aufwand würde seiner Meinung nach günstiger Wohnraum entstehen. Ergänzende Bebauungen in Wohnsiedlungen seien eine sinnvolle Erweiterung der Stadt, meint der Beirat. Es entstünden heute übliche städtische Dichten. Die Häuserzeilen in den Siedlungen der fünfziger Jahre nämlich stünden oft 30 bis 40 Meter voneinander entfernt. Die Häuser hätten nur drei bis vier Vollgeschosse, einen hohen Energieverbrauch und keine ausgebauten Dächer und Aufzüge.

          Die ABG könnte auch in Niederrad, Sindlingen und Zeilsheim alte Siedlungen verdichten. Sie hat gezeigt, dass sie solche Projekte sozialverträglich gestaltet. In der Platensiedlung sollen die Mieten nach dem Umbau nicht steigen. In der Vereinsstraße in Bornheim und im Riederwald ist die Sanierung geräuschlos verlaufen, obwohl Mieter ausziehen mussten. Einige sind zurückgekehrt, manche zogen in andere ABG-Wohnungen. Zwar kostet ein Quadratmeter im Riederwald nun 9,50 Euro Miete. Aber die Heizkosten sind von 900 auf 200 Euro gesunken.

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