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Neues Frankfurt : Aufs Dach gestiegen

Idylle zwischen Blumen und Gemüse: die Lergs auf ihrer Dachterrasse in der Ernst-May-Siedlung „Zickzackhausen“ in Niederrad Bild: Frank Röth

Eine Familie in Niederrad will mit ihrem Dachgarten ein Stück Natur in die Stadt bringen. Aber jetzt hat sie Ärger mit ihrem Vermieter, der ABG Frankfurt-Holding.

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          Wenn die Lergs nach der Arbeit nach Hause kommen, freuen sie sich auf ihre Dachterrasse. „Dann stecke ich die Finger in die Erde“, sagt Sebastian Lerg. Mit seiner Familie hat er auf dem Dach des Mietshauses an der Bruchfeldstraße in Niederrad eine Art grünes Wohnzimmer angelegt: In Pflanztrögen stehen Tomaten, Radieschen, Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, Kartoffeln, wilder Wein, Sonnenblumen. 70 bis 80 Sorten haben die Lergs gepflanzt. Im Sommer ist die Terrasse völlig zugewachsen, eine kleine Oase in der Stadt. Nun ist es allerdings kalt und mit der Pracht vorbei – und vorübergehend zitterte die Familie sogar, dass es mit ihrer grünen Insel ganz ein Ende haben könnte.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im August kam Post: Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG forderte alle Mieter in der Ernst-May-Siedlung „Zickzackhausen“ auf, ihre Dachterrassen zu räumen. Innerhalb von zwei Wochen sollten sie alles abbauen, und das mitten in der Erntezeit. Die Lergs fürchteten um ihr grünes Wohnzimmer: Seit fünf Jahren wohnen sie in der 70 Quadratmeter großen Dreizimmerwohnung unter dem Dach. Ein Leben ohne die 40 Quadratmeter große Idylle des Dachgartens können sie sich kaum mehr vorstellen: „Im Sommer ist das ein kleiner Dschungel. Dann essen wir hier jeden Abend“, erzählt Lena Lerg, die als Logopädin arbeitet. Für die beiden Kinder – die vierjährige Ida und den sechsjährigen Henry – haben die Eltern einen Spielturm und einen Sandkasten aufgebaut. „Ohne den Garten würden wir es nicht aushalten. Wir würden ausziehen, wenn wir das Dach nicht nutzen könnten“, sagt Sebastian Lerg, ein Chemieingenieur.

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