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a-ha in Frankfurt : Mit dem Frühling in der Stimme

  • -Aktualisiert am

Frohes Schaffen: Magne Furuholmen am Keyboard (links) und Morten Harket, der gerade mal nicht singt Bild: Michael Braunschädel

a-ha ganz unverstärkt: die norwegische Band sorgt in der Frankfurter Festhalle für ein neues Klangerlebnis.

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          Eine norwegische Band, zu deren angenehm zurückhaltender Bühnenshow Bilder von schnee- und eisbedeckten Hügeln, farbig gestrichenen Holzhäusern, Meeresweite und verschrobenen Fischern gehören, darf sich nicht beschweren, wenn zur Beschreibung ihres Auftritts in der Frankfurter Festhalle Nordland-Klischees herangezogen werden. Also: Die Musik von a-ha atmet den skandinavischen Winter, in dem die Dunkelheit gerade mal für ein paar Stunden täglich einem Blassgraugrünrosa weicht und die Sonne, wenn sie nach Monaten zum ersten Mal wieder über den Horizont linst, von den Menschen mit einem fröhlichen Fest begrüßt wird.

          Mit überwiegend getragenen Melodien und von tiefen Sehnsüchten handelnden Texten haben Frontmann und Sänger Morten Harket, Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy und Keyboarder Magne Furuholmen, seit sie 1982 zusammenfanden, zehn Studioalben sowie 80 Millionen verkaufte Tonträger gefüllt. So haben sie sich 2015 sehr richtig entschieden, Streit und fünfjährige Trennung zu beenden.

          Rein und klar wie Fjordwasser

          Die Frage, ob diese Musik, die die Welt bislang nur im elektronischen Mantel kannte, auch unplugged überzeugen kann, stellt sich angesichts ihrer stets melancholisch kühlen Grundierung gar nicht erst. Viel verwunderlicher erscheint dagegen, warum das Trio nicht schon früher auf die Idee gekommen ist, den Stecker zu ziehen. Stattdessen aber hat es damit bis zur Sommersonnenwende des vergangenen Jahres gedauert. Auf einem Inselchen vor der norwegischen Küste kamen 250 Zuhörer in den Genuss des ersten unverstärkten a-ha-Konzerts. Die Begeisterung dieses intimen Kreises mündete schließlich in die aktuelle Tour.

          Jetzt spielen die drei trotz ihrer deutlich mehr als 50 Lebensjahre noch immer hemdsärmlig charmanten Jungs freilich an Orten, die einem sehr viel größeren Publikum Platz bieten. Bedenken, ob das Format auch vor 10000 Zuschauern gutgehen kann und sich die volle Frankfurter Festhalle als Kulisse für ein solches, trotz sechs weiterer Begleitmusiker beinahe kammermusikalisches Projekt eignet, lösten sich gleich zu Beginn mit „This is Our Home“ in Luft auf. So ein Klangerlebnis hätte man an diesem für seine Akustik regelrecht berüchtigten Ort kaum für möglich gehalten: rein und klar wie – um im Klischee zu bleiben – Fjordwasser.

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          So drang nicht nur Harkets ungebrochen prägnanter, auch in beachtlichen Höhen nach wie vor starker Gesang in den entlegensten Winkel, sondern auch die dunklen, von einem Cello und zwei Geigen erzeugten Töne, mit denen ohnehin so traurige Stücke wie „Summer moved on“ noch stärker zu Herzen gehen. Eine Anmutung von Rock wehte dagegen mit „The Sun Always Shines on TV“ durch den Saal. Schon zuvor hatte ein ergriffenes, zum Mitklatschen aber stets bereites Publikum, das im Grunde auch nicht sitzen wollte, jubelnd auf das temporeichere „The Living Daylights“ reagiert. Mit dem elektrischen Strom ist nichts von der Energie aus Musik von a-ha verschwunden, die sich zugleich als umso vielseitiger erweist. So fragte man sich, ob Morten Qvenilds perlende Klaviertöne in „I’ve Been Losing You“ wohl den Regen des Doors-Hits „Riders on the Storm“ zitierte. Und klangen seine Cembalo-Akkorde nicht gerade nach den Stranglers und „Golden Brown“?

          Dass Schnee und Eis selbst im höchsten Norden irgendwann einmal schmelzen, zeigte sich nicht nur in projizierten Bildern. Selbst nach einem nach eindreiviertel Stunden als wirklich allerletzte Zugabe quasi a cappella und verdammt langsam vorgetragenen „Take on Me“ verfiele niemand in Winter-Depression. Davor schützte der Frühling in Morten Harkets Stimme.

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