https://www.faz.net/-gzg-96g8z

a-ha in Frankfurt : Mit dem Frühling in der Stimme

  • -Aktualisiert am

Frohes Schaffen: Magne Furuholmen am Keyboard (links) und Morten Harket, der gerade mal nicht singt Bild: Michael Braunschädel

a-ha ganz unverstärkt: die norwegische Band sorgt in der Frankfurter Festhalle für ein neues Klangerlebnis.

          2 Min.

          Eine norwegische Band, zu deren angenehm zurückhaltender Bühnenshow Bilder von schnee- und eisbedeckten Hügeln, farbig gestrichenen Holzhäusern, Meeresweite und verschrobenen Fischern gehören, darf sich nicht beschweren, wenn zur Beschreibung ihres Auftritts in der Frankfurter Festhalle Nordland-Klischees herangezogen werden. Also: Die Musik von a-ha atmet den skandinavischen Winter, in dem die Dunkelheit gerade mal für ein paar Stunden täglich einem Blassgraugrünrosa weicht und die Sonne, wenn sie nach Monaten zum ersten Mal wieder über den Horizont linst, von den Menschen mit einem fröhlichen Fest begrüßt wird.

          Mit überwiegend getragenen Melodien und von tiefen Sehnsüchten handelnden Texten haben Frontmann und Sänger Morten Harket, Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy und Keyboarder Magne Furuholmen, seit sie 1982 zusammenfanden, zehn Studioalben sowie 80 Millionen verkaufte Tonträger gefüllt. So haben sie sich 2015 sehr richtig entschieden, Streit und fünfjährige Trennung zu beenden.

          Rein und klar wie Fjordwasser

          Die Frage, ob diese Musik, die die Welt bislang nur im elektronischen Mantel kannte, auch unplugged überzeugen kann, stellt sich angesichts ihrer stets melancholisch kühlen Grundierung gar nicht erst. Viel verwunderlicher erscheint dagegen, warum das Trio nicht schon früher auf die Idee gekommen ist, den Stecker zu ziehen. Stattdessen aber hat es damit bis zur Sommersonnenwende des vergangenen Jahres gedauert. Auf einem Inselchen vor der norwegischen Küste kamen 250 Zuhörer in den Genuss des ersten unverstärkten a-ha-Konzerts. Die Begeisterung dieses intimen Kreises mündete schließlich in die aktuelle Tour.

          Jetzt spielen die drei trotz ihrer deutlich mehr als 50 Lebensjahre noch immer hemdsärmlig charmanten Jungs freilich an Orten, die einem sehr viel größeren Publikum Platz bieten. Bedenken, ob das Format auch vor 10000 Zuschauern gutgehen kann und sich die volle Frankfurter Festhalle als Kulisse für ein solches, trotz sechs weiterer Begleitmusiker beinahe kammermusikalisches Projekt eignet, lösten sich gleich zu Beginn mit „This is Our Home“ in Luft auf. So ein Klangerlebnis hätte man an diesem für seine Akustik regelrecht berüchtigten Ort kaum für möglich gehalten: rein und klar wie – um im Klischee zu bleiben – Fjordwasser.

          F.A.Z.-Newsletter Familie
          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          So drang nicht nur Harkets ungebrochen prägnanter, auch in beachtlichen Höhen nach wie vor starker Gesang in den entlegensten Winkel, sondern auch die dunklen, von einem Cello und zwei Geigen erzeugten Töne, mit denen ohnehin so traurige Stücke wie „Summer moved on“ noch stärker zu Herzen gehen. Eine Anmutung von Rock wehte dagegen mit „The Sun Always Shines on TV“ durch den Saal. Schon zuvor hatte ein ergriffenes, zum Mitklatschen aber stets bereites Publikum, das im Grunde auch nicht sitzen wollte, jubelnd auf das temporeichere „The Living Daylights“ reagiert. Mit dem elektrischen Strom ist nichts von der Energie aus Musik von a-ha verschwunden, die sich zugleich als umso vielseitiger erweist. So fragte man sich, ob Morten Qvenilds perlende Klaviertöne in „I’ve Been Losing You“ wohl den Regen des Doors-Hits „Riders on the Storm“ zitierte. Und klangen seine Cembalo-Akkorde nicht gerade nach den Stranglers und „Golden Brown“?

          Dass Schnee und Eis selbst im höchsten Norden irgendwann einmal schmelzen, zeigte sich nicht nur in projizierten Bildern. Selbst nach einem nach eindreiviertel Stunden als wirklich allerletzte Zugabe quasi a cappella und verdammt langsam vorgetragenen „Take on Me“ verfiele niemand in Winter-Depression. Davor schützte der Frühling in Morten Harkets Stimme.

          Weitere Themen

          Beglückendes Rätsel

          Zum Tod von Monika Schoeller : Beglückendes Rätsel

          Sie war der Meinung, mit ihr sei nicht viel Staat zu machen. Das sahen die Autoren ihres Verlags ganz anders. Nach dem Tod von Monika Schoeller teilen sie ihre Erinnerungen.

          Ein Leichnam für die Wissenschaft

          FAZ Plus Artikel: Nach dem Tod : Ein Leichnam für die Wissenschaft

          Nach dem Tod will Brigitte Leistikow ihren Körper der Forschung zur Verfügung stellen. Die Entscheidung ist ihr nicht schwergefallen. Doch in die Kartei für Körperspender aufgenommen zu werden ist nicht so einfach.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.