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Carsten Knop

75 Jahre EKHN : Worum es der Kirche wieder stärker gehen muss

  • -Aktualisiert am

Nahbar: EKHN-Präsident Volker Jung auf dem Römerberg in Frankfurt Bild: Maximilian von Lachner

Die Kirchen stecken in einer Krise, aber die Krisen waren in der Geschichte auch schon größer: Was kann man tun, damit zum nächsten Jubiläum auch wieder ein Ministerpräsident kommt?

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          Eine Landtagsvizepräsidentin hatte sich zu den Feierlichkeiten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) angesagt, ein paar Abgeordnete waren da, aber der Ministerpräsident hat nur einen Brief geschickt, seine Kollegin aus Rheinland-Pfalz ebenfalls. Man kann nicht immer überall sein, die Abwesenheiten muss man nicht überbewerten – und doch sind es Pinselstriche auf einem sich verdüsternden Bild. Die Amtskirche, gleichgültig ob evangelisch oder katholisch, verliert in der Gesellschaft an Einfluss. Zum Teil aus eigener Schuld, zum Teil, weil die Gesellschaft sich wandelt. Und doch: Trotz des Mitgliederschwunds, sind immer noch 1,4 Millionen Menschen Mitglieder der EKHN. Zum Vergleich: Selbst die boomende Fußballmarke Eintracht Frankfurt zählt im Verein „nur“ gut 115.000 Mitglieder. Wer wohl alles kommen würde, wenn die Eintracht Jubiläum feierte?

          Die Zeiten sind für die Kirchen, wie sie sind, immerhin war zum Unterhaken der katholische Bischof aus Mainz gekommen. Aber sie waren noch dunkler für die gläubigen Christen als nach dem Krieg der Neubeginn in Friedberg eingeleitet wurde, als an einen Besuch des Mainzer Bischofs trotz Einladung natürlich nicht zu denken war. Martin Niemöller, zuvor „persönlicher Gefangener“ Adolf Hitlers, steht mit seiner Wortgewalt und Dickköpfigkeit für diese Zeit des Neubeginns: Seine Kirche sollte streitbar und fromm zugleich sein, nicht mehr Wegschauen wollte man, wenn Unrecht offenbar wird, wie die ganze Kirche nach dem Krieg mutiger bekennen, fröhlicher glauben, brennender lieben.

          Die Kirche des Pazifisten Niemöller

          Oft hat sie es geschafft, manche damit aber auch vor den Kopf gestoßen – von früheren Fragen der Wiederbewaffnung bis hin zur Rettung von Flüchtlingen. Und jetzt? Ist Krieg in der Ukraine – klar ergreift die Kirche des Pazifisten Niemöller Partei für das Volk der Ukrainer, das unter dem russischen Angriffskrieg leidet. Diskutiert die Welt über den Klimawandel, und auch hier ist die Position der Kirche leicht auszumachen. Ein attraktiveres Angebot hätte heute aber nicht allein mit politischen Positionen zu tun. Denn tatsächlich hat die Kirche nur ein Amt: Sie hat die frohe Botschaft des Evangeliums in die Welt zu tragen. Es muss ihr und ihren Mitgliedern in aller Vielfalt darum gehen, einander zu dienen. Es geht dabei immer um Gottes Wort.

          Kirchenpräsident Volker Jung hat diese Gedanken aus der Predigt zum Auftakt des Kirchentags, der vor 75 Jahren zur Gründung seiner Kirche führte, wieder aufgegriffen. Zu Recht, denn es gilt, sich im Alltag der Gemeindearbeit gerade daran zu erinnern. Und nur wenn das gelingt, kommt zur 100-Jahr-Feier vielleicht auch wieder ein Ministerpräsident.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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