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50 Meter niedriger als geplant : Ben van Berkel baut Luxushotel an der Messe

Etwas kleiner als ursprünglich geplant: Nach dem Entwurf von Städel-Professor Ben van Berkel soll das Grand Hyatt Hitel im Frankfurter Europaviertel entstehen. Bild:

Wer in Zeiten wie diesen Pläne für ein neues Hochhaus präsentiert, kann sich großer Aufmerksamkeit sicher sein. Das 113 Meter hohe Grand Hyatt Hotel am Europaplatz soll nach einem Entwurf von UN Studio entstehen.

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          Wer in Zeiten wie diesen Pläne für ein neues Hochhaus präsentiert, kann sich großer Aufmerksamkeit sicher sein. Aber er muss auch damit rechnen, dass sich etliche Zweifler melden, die die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Frage stellen. Erst recht, wenn es um ein Luxushotel geht. Vivico Real Estate, einer der Eigentümer des früheren Hauptgüterbahnhof-Areals zwischen der Frankfurter Messe und dem Gallusviertel, hat dennoch gestern die Sieger eines kleinen Wettbewerbs von sechs Architektenbüros vorgestellt. Das 113 Meter hohe Grand Hyatt Hotel soll nach einem Entwurf von UN Studio entstehen. Kopf dieses Büros ist Ben van Berkel, der als Professor an der Städelschule in Frankfurt lehrt. Prämiert wurde außerdem die Arbeit des amerikanischen Büros Kohn Pedersen Fox.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Wann mit dem Bau des Hotels in der Nähe des Güterplatzes begonnen werden soll, wollte ein Vivico-Sprecher gestern auf Anfrage nicht präzisieren. Er äußerte sich nur überzeugt, dass der Bau tatsächlich angegangen werde. Schließlich habe Vivico mit der Hyatt-Gruppe im vorigen Jahr einen Managementvertrag geschlossen. Aus Anlass der Vertragsunterzeichnung war damals die Rede davon gewesen, dass der Bau im Jahr 2012 fertiggestellt werden solle.

          Daneben Einkaufs- und Kongresszentrum

          Das Hotel der Fünf-Sterne-Plus-Kategorie mit 405 Zimmern wird Teil des Gebäudeensembles „Skyline Plaza“ sein, in Frankfurt immer noch bekannter unter seinem alten Namen Urban Entertainment Center. Zu ihm gehören ein Einkaufszentrum und ein Kongresszentrum, das neben dem Hotel entstehen soll. In der Immobilienbranche wird damit gerechnet, dass alle Bauteile gemeinsam errichtet werden. „Es ist unvorstellbar, ein Luxushotel mit einer Baustelle in der Nachbarschaft zu eröffnen“, heißt es.

          Das geplante Grand Hyatt aus der Froschperspektive

          Derzeit befindet sich Vivico in Verhandlungen mit der Messe über den Betrieb des Kongresszentrums. Dessen Errichtung hat die Stadt zur Bedingung gemacht, als sie der Erweiterung der Einkaufsfläche im Shopping Center zustimmte. Nachdem inzwischen etliche Bauten im Europaviertel tatsächlich entstanden sind, darunter das Hochhaus „T 185“, wird Vivico auch das „Skyline Plaza“ zugetraut.

          Berkel plante schon das Mercedes-Museum in Stuttgart

          Ursprünglich sollte der Hotelturm 165 Meter hoch werden, wie es auch der Bebauungsplan erlaubt. Diese Maximalhöhe wird nun um mehr als 50 Meter unterschritten. Das liegt daran, dass in dem Hochhaus nun doch keine Wohnungen entstehen. Ursprünglich waren dafür die obersten sechs Geschosse vorgesehen. Vivico hat sich schon vor einiger Zeit mit der Stadt darauf verständigt, diesen Wohnraum stattdessen am Boulevard nachzuweisen. Das macht den Bau des Hochhauses günstiger; eine Nutzungsmischung in Türmen ist auch deshalb wirtschaftlich immens aufwendig, weil eine getrennte Erschließung notwendig ist. So müssten die Wohnungen mit eigenen Aufzügen bedient werden.

          Der Siegerentwurf soll laut dem Vivico-Sprecher nun überarbeitet werden. Berkel, von dem beispielsweise das Mercedes-Museum in Stuttgart stammt, hat einen für seine Verhältnisse fast konventionellen Turm entworfen. Er entwickelt sich mit leicht abgewinkelten Linien um einen dreieckigen Kern. Die Spitze ist zweifach abgetreppt. Die dunklen horizontalen Fensterstreifen werden von hellen und breiten Fassadenbändern gerahmt. Diese betonen die Vertikalität und gehen schwungvoll in das Sockelgebäude über.

          Keine klassische „Kiste“

          Vergleicht man Berkels eleganten Entwurf mit den übrigen fünf Arbeiten, die ebenfalls von heute an bis zum 27. Mai im Foyer des Technischen Rathauses zu sehen sind, so leuchtet die Entscheidung der Jury ein. Ihr gehörten unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Johann Eisele unter anderen Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) und der Frankfurter Architekt Jochem Jourdan an, der das Einkaufszentrum des Skyline Plaza plant. Die Auswahl der Teilnehmer deutet darauf hin, dass verschiedene Stilrichtungen vertreten sein sollten: Geladen waren außer den beiden prämierten Büros Ingenhoven Architekten (Düsseldorf), JSK (Frankfurt), Lederer, Ragnarsdóttir, Oei (Stuttgart) sowie Reichel und Stauth (Braunschweig).

          Wie aus der Jury zu hören ist, drangen die Architekten in der Jury gemeinsam mit Schwarz darauf, keine klassische „Kiste“ zu küren. Sie votierten für eine ausgefallenere Form, wie es sie in Frankfurt noch nicht gebe. Da keine funktionalen Einwände dagegen sprachen, sollen die Vertreter von Bauherr und Nutzer mit der Kür von UN Studio einverstanden gewesen sein. Sie haben auch zugesagt, im obersten Geschoss eine öffentliche Sky Lounge einzurichten. Damit wird in diesem Fall ein von Investoren immer wieder ausgeschlagener Wunsch der Stadt erfüllt.

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