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Frankfurts ABG mit viel Gewinn : 40 Prozent geförderte Wohnungen nicht genug

Sanierungsfall: Platensiedlung in Frankfurt Bild: Lukas Kreibig

Der Frankfurter Oberbürgermeister will die Förderquote bei Neubauwohnungen der Baugesellschaft ABG auf 50 Prozent erhöhen. Konzernchef Junker will sehen, was möglich ist, und fährt einen hohen Gewinn ein.

          3 Min.

          Sie errichtet Wohnungen über Wohnungen: Die städtische ABG ist im Baufieber. In den nächsten fünf Jahren sollen auf bereits dafür gesicherten Grundstücken 10.000 Wohnungen hinzukommen, für 2,8 Milliarden Euro. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist davon angetan. „Soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg müssen Hand in Hand gehen“, sagte er gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2017. Aber er hat mit der Wohnungsgesellschaft noch mehr vor. Bei Neubauprojekten solle die Förderquote von heute 40 auf 50 Prozent erhöht werden. „Ich will zurück in die Zukunft“, sagt Feldmann mit Blick auf den Anteil an geförderten Wohnungen, der in Frankfurt stark zurück gegangen ist.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nur 15.700 der knapp 52.000 Wohnungen der ABG sind öffentlich gefördert, das sind 30 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 7,98 Euro liegt die ABG allerdings bei den frei finanzierten, also nicht öffentlich geförderten Mietwohnungen deutlich unter dem Marktniveau von 10,28 Euro. Dank des Wohnungsbestands der ABG, der Förderquote und der beschlossenen Mietenbegrenzung könne die Stadt den „spekulativ überhitzten Markt“ beeinflussen, meint Feldmann.

          „Wir streiten nicht“

          ABG-Geschäftsführer Frank Junker schließt nicht aus, dass das von Feldmann gesetzte 50-Prozent-Ziel erreicht werden könnte: „Wir streiten nicht.“ Allerdings müsse die Politik die ABG dann auch in die Lage versetzen, dieses Ziel zu verwirklichen, ohne dass der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens leide. Das war auch schon bei der Mietenbegrenzung der Fall. Um den Verlust zu kompensieren, reduzierte die Stadt die Gewinnausschüttung. Daher wirkt sich der Mietpreisstopp auch nicht negativ auf die Jahresbilanz aus.

          Die fällt für 2017 besonders positiv aus. Im vergangenen Jahr hat die ABG, die auch Parkhäuser bewirtschaftet und Gewerbeflächen vermietet, 94,3 Millionen Euro Gewinn gemacht. So viel, wie lange nicht. Feldmann zeigen diese Zahlen, dass das Unternehmen „kerngesund“ und „ein Leuchtturm der kommunalen Wirtschaft“ sei. Laut Junker ist die Summe aber auf einen einmaligen Sondereffekt zurückzuführen, nämlich auf die Auflösung sogenannter passiver latenter Steuern in Höhe von fast 30 Millionen Euro. „Das besonders hohe Konzernergebnis liegt an einem rein buchhalterischen Effekt, der nichts mit dem operativen Ergebnis der ABG oder einem Zufluss an Liquidität zu tun hat“ erklärte Junker. Ohne diesen Sondereffekt blieben 65 Millionen übrig, und damit weniger als zuletzt. „Diese Mittel brauchen wir auch, um das enorme Investitionsprogramm zu stemmen, das wir uns vorgenommen haben.“

          Lächeln über die Heimstätte

          Die Anregung aus Wiesbaden, dass die ABG nach dem Vorbild der Nassauischen Heimstätte die Modernisierungsumlage freiwillig auf sechs Prozent senkt, quittiert Junker mit einem Lächeln: Bei der ABG liege diese Quote schon heute bei nur 1,16 Prozent.

          Im Geschäftsjahr 2017 hat die ABG 271 Neubauwohnungen fertig gestellt. Darunter sind 115 Wohnungen im Karlsbader Carreè in Friedberg. Auch in Zukunft will die ABG im Umland Grundstücke erwerben und bebauen. In Sulzbach entstehen 60 Wohneinheiten. Die in den nächsten Jahren geplanten Wohnungen werden im gesamten Stadtgebiet entstehen. Beispielsweise will die ABG im nächsten Jahr im Baugebiet Hilgenfeld am Frankfurter Berg mit dem Bau von 850 Wohnungen beginnen. Mittelfristig sind 2200 Wohnungen in einem neuen Stadtquartier am Römerhof südlich des Rebstockparks geplant. Vor wenigen Wochen konnte am Güterplatz im Gallusviertel mit dem Bau von 250 Mietwohnungen begonnen werden.

          Modellprojekt „Im Wiener“

          In der Bürostadt Niederrad entstehen derzeit 118 Wohnungen, auf dem Riedberg sind 212 Wohnungen im Bau. In Höchst kommen auf dem ehemaligen Gelände der Verkehrsbetriebe 250 Wohnungen hinzu. Auch das Modellprojekt „Im Wiener“, in dem der Mietpreis weniger als zehn Euro beträgt, soll an anderer Stelle im Stadtgebiet mit 160 Wohnungen wiederholt werden. Weil die Grundstückspreise gestiegen sind, steigt allerdings auch die Miete auf 10,50 Euro.

          Städtebaulich eines der interessantesten Projekte ist die Sanierung und Umgestaltung der Platensiedlung, mit der im Mai begonnen wurde. Dort entstehen durch eine Verdichtung und Aufstockung der alten Mehrfamilienhäuser zusätzlich 680 Wohnungen, die zur Hälfte gefördert werden. Die anderen Wohnungen werden preisgebunden zu 10,50 Euro vermietet. 175 dieser Wohnungen stehen nur Studenten zur Verfügung. Die Wohnungen werden als Holzmodule vormontiert und erreichen nicht den Passivhausstandard.

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