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30 Jahre Subantarktishaus : Baumfarn vom anderen Ende der Welt

Bitte nicht zu warm: Gewächse aus Neuseeland im Subantarktishaus Bild: Maximilian von Lachner

Das Glashaus im Frankfurter Palmengarten mit der Flora aus Neuseeland und Patagonien ist in Deutschland einzigartig. Vor 30 Jahren begann sein zweites Leben.

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          Früher, so scheint es, wäre das die Beschreibung eines typischen deutschen Sommers gewesen. In diesen trocken-heißen Wochen hingegen klingt die klimatische Angabe „regenreich und kühl gemäßigt“ geradezu verheißungsvoll. Also auf ins Subantarktishaus, das vor 30 Jahren im Palmengarten eröffnet worden ist. Hinter dem spiegelnden Glas des Pavillons, das die rote und infrarote Sonnenstrahlung abhalten soll, ist es dann zwar weniger warm als vor der Tür. Doch ein Sprühnebel sorgt dafür, dass die Luft feucht ist und deswegen trotzdem schweißtreibend wirkt.

          Bernhard Biener
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung

          Eine „Perle“ nennt Palmengarten-Direktorin Katja Heubach das Subantarktishaus. Denn die dort wachsenden Pflanzen aus Patagonien am südlichen Ende Südamerikas und Neuseeland würden sonst nirgends in Deutschland in einem solchen Schauhaus präsentiert. „Es ist hierzulande das einzige seiner Art.“ Die Farne, Gräser und Stauden sind widrige Bedingungen gewohnt. „Wir halten die Temperatur normalweise sechs bis acht Grad unter der Außentemperatur“, erklärt Heubach. Das sei aufwendig, weil dafür ein aus mehreren technischen Komponenten bestehendes Kühlsystem nötig sei. Nach 30 Jahren Betrieb sei die Instandhaltung teuer, und anders als im modernisierten Tropicarium müssten hier die Fenster von Hand geöffnet und geschlossen werden, wenn es nachts draußen abkühle.

          Womit die Direktorin zum Glashaus selbst kommt, dessen Geschichte fast so interessant ist wie die Pflanzen darin. Sie beginnt nicht erst mit der Eröffnung vor 30 Jahren, die jetzt Anlass für ein kleines Jubiläumsprogramm ist. Die 30 Meter lange und acht Meter breite Konstruktion ist 1904 in Bad Kissingen als Palmenhaus errichtet worden. Als die Kurstadt in Unterfranken den Bau aufgab, erwarb ihn in den Achtzigerjahren Heubachs damaliger Vorgänger Gustav Schoser.

          „Ein botanisches Relikt aus prähistorischer Zeit“

          Die Idee, das Haus zur Bundesgartenschau 1989 in der Senckenberganlage aufzustellen und gemeinsam mit dem Naturkundemuseum versteinerte Tertiärflora zu zeigen, ließ sich allerdings nicht verwirklichen. Der Bau der U-Bahn zog sich hin. Schoser entschied sich daher, das Glashaus für Pflanzen aus einer eher unbekannten Klimaregion zu nutzen. „Es ist eine grundsätzliche Entscheidung, den technischen Aufwand dafür zu treiben“, sagt die heutige Palmengarten-Direktorin. „Es geht um den Schutz und die Bewahrung der Vielfalt angesichts der klimatischen Veränderungen.“ Auf die müsse der Palmengarten schon auf seinem eigenen Freiland reagieren.

          Im Subantarktishaus sind die beiden Regionen, aus denen die Pflanzen stammen, auf die beiden Seiten des Glashauses verteilt. Eine ist den Gewächsen Neuseelands gewidmet. Dort findet sich zum Beispiel der meterhohe Baumfarn. „Ein botanisches Relikt aus prähistorischer Zeit“, sagt Heubach. Die immergrünen Blätter der Astelia erinnern an eine Büropflanze, wenngleich deutlich größer. Die des Neuseeländischen Flachses werde bis zu drei Meter lang. Jeden Urwald bereichert die Rimu-Harzeibe mit ihren fransenartig herabhängenden Nadeln.

          Auf der anderen Seite, in Patagonien, gibt es mittlerweile in hiesigen Gärten anzutreffende Arten wie Hortensien und Scharlach-Fuchsie. Der Blick auf die Erklärtafeln regt dabei die Phantasie an. Den Neuseeland-Flachs etwa brachten Vater und Sohn Forster auf einem Schiff von James Cook mit, und die aus dem Regenwald in Chile und Argentinien stammende Winterrinde hat ihren Namen nicht etwas von der Jahreszeit, sondern von einem Kapitän, der im 16. Jahrhundert mit Sir Francis Drake die Umrundung von Kap Horn geschafft hat.

          Weil die Verhältnisse am anderen der Welt auf dem Kopf stehen, ist die schönste Zeit für einen Besuch des Subantarktishauses der Winter, wenn die Pflanzen blühen und duften. Zum 30. Geburtstag lädt der Palmengarten aber trotzdem schon im August zu Führungen in das Glashaus ein. Am Samstag zwischen 11 und 13 Uhr, am Dienstag, 16. August, von 15 bis 17 Uhr und am Mittwoch, 17. August, von 14 bis 16 Uhr erfahren die Besucher in jeweils 20 Minuten Wissenswertes zur Flora der Subantarktis.

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