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Razzia in Frankfurt : Heroin hinter der Wandverkleidung

Rund 300 Beamte durchkämmten das Bahnhofsviertel. Bild: Helmut Fricke

Monatelang hatte die Polizei den albanischen Drogenhändler-Ring observiert, der nun zerschlagen werden konnte. Der Zugriff war nur eine Sache von Minuten.

          2 Min.

          Als die Polizei am Donnerstag mit Hunderten Polizisten die Niddastraße und andere Teile des Bahnhofsviertels durchkämmte, erschien die Razzia wie eine seit Monaten vorbereitete Aktion. Das Spezialeinsatzkommando war bestellt, weil damit gerechnet werden musste, dass die albanischen Drogendealer, die sich in dem Haus an der Niddastraße 51 befanden, bewaffnet sind. Kräfte der Bereitschaftspolizei waren geordert, Durchsuchungsbeschlüsse erlangt worden. Tatsächlich war der Zugriff erst ein, zwei Wochen später geplant. So lange hatte man die Gruppierung noch observieren wollen. Doch als die Frankfurter Ermittler mitbekamen, dass eine größere Drogenlieferung aus dem Bahnhofsviertel in Richtung Fürth unterwegs war und die dortige Polizei einen Zugriff plante, blieb keine Zeit.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Razzia, so schilderten es nun Polizeipräsident Gerhard Bereswill und der Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Albrecht Schreiber, musste noch am selben Nachmittag stattfinden. „Das Risiko wäre sonst zu groß gewesen, dass das eigene Ermittlungsverfahren gefährdet wird. Hätten die Hintermänner in Frankfurt von den Festnahmen in Bayern erfahren, wäre womöglich vieles vernichtet worden, was als Beweis für unser Ermittlungsverfahren wichtig gewesen ist.“

          Spürhunde führen zu den Drogen-Verstecken

          Damit sind vor allem die Drogen gemeint. Und davon gab es reichlich. Allein 25 Kilogramm Heroin entdeckten die Beamten in dem heruntergekommenen Wohnhaus an der Niddastraße 51. Dazu fast vier Kilogramm Marihuana, 1,6 Kilogramm Kokain und 700 Gramm Crack. Im Straßenverkauf läge der Wert weit über eine Million. Den Erkenntnissen zufolge hatten die elf Beschuldigten aus Albanien, die am Donnerstag festgenommen worden waren und wovon sich zwei nun in Untersuchungshaft befinden, das Rauschgift vorwiegend in Frankfurt, in einzelnen Fällen aber auch darüber hinaus verkauft.

          Neben großen Mengen an Drogen fanden die Beamten auch Schreckschusswaffen, Elektroschocker und Falschgeld.

          Die Rauschgift-Pakete wurden im Polizeipräsidium ausgestellt, um zu veranschaulichen, wie riesig die Menge ist. Aufgetürmt lagen sie, gut bewacht, hinter einer Absperrung. Nach den Worten von Gerhard Bereswill zeigt dieser Fall, dass die gängigen Gruppierungen nicht mehr nur eine Droge anböten, sondern viele verschiedene, „um den Gewinn zu maximieren“. Das Rauschgift war in dem Haus verteilt auf mehreren Etagen hinter Wand- und Deckenverkleidungen sowie auf dem Dach versteckt. Alle paar Meter schlugen die Rauschgiftspürhunde an.

          Straßendealer lieferten Hinweise

          Wie genau die Händler organisiert waren, dazu machten Polizei und Staatsanwaltschaft keine Angaben und verwiesen auf das laufende Verfahren. Fest steht jedoch, dass die elf Beschuldigten keine Straßendealer waren, sondern eine, wenn nicht sogar zwei Ebenen darüber operierten. Sie organisierten größere Drogenlieferungen, die sie sich mutmaßlich aus dem Ausland ins Rhein-Main-Gebiet transportieren ließen, lagerten das Rauschgift und „verarbeiteten“ es. Dann brachten sie vor allem Heroin über Straßendealer an den Endkunden. Dem Vernehmen nach wurde das Heroin dieser Gruppierung anschließend auch in den Drogenhilfseinrichtungen konsumiert. Polizeipräsident Bereswill machte kein Geheimnis daraus, dass es wünschenswert gewesen wäre, hätte seine Behörde die Ermittlungen noch etwas länger führen können, um weitere Erkenntnisse über Lieferwege und Strukturen zu erlangen. Seit Januar habe man die Gruppe im Blick gehabt. „Glücklicherweise hatten wir das Verfahren aber auch zu diesem Zeitpunkt schon rund.“

          Auf die Gruppierung aufmerksam geworden war die Polizei, nachdem es immer wieder Aussagen von Straßendealern gegeben habe, sie seien von Albanern beliefert worden. Schließlich machten die Ermittler die betreffende Gruppierung in dem Haus an der Niddastraße aus.

          Bereswill hob abermals hervor, dass die Polizei den Kampf gegen die Drogenkriminalität nur gemeinsam mit der Justiz und den Behörden der Stadt erfolgreich führen könne. Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) sagte zu, die Stadt werde sich weiter um das Gebäude an der Niddastraße kümmern, das nun unter anderem auch von der Bauaufsicht geprüft wird. Die baulichen und hygienischen Zustände seien „inakzeptabel“.

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