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192 Staaten bereist : Reise um die Welt in 30 Jahren

  • -Aktualisiert am

Sammelwütig: Nina Sedano bringt sich aus jedem Land ein Andenken mit, aus Afrika zum Beispiel Specksteinfiguren. Bild: Maria Irl

Nina Sedano hat 192 der 193 Staaten der Vereinten Nationen bereist. Nur Turkmenistan fehlt ihr noch. Das will die Frankfurterin im Oktober ändern.

          4 Min.

          Wer mit Nina Sedano spricht, hält die Welt irgendwann für ziemlich klein. Und Nina Sedano für ziemlich mutig. Da sitzt eine schmale, blonde Frau in ihrer Wohnung im Nordend und spricht von Männern, die plötzlich in ihrem Hotelzimmer standen, ihr auf der Straße nachschlichen, sie am Schlafittchen packten. Doch wenn die Sechsundvierzigjährige von ihrem schlimmsten Erlebnis auf Reisen erzählen soll, erzählt sie von dem kleinen Butterpäckchen, das ihr in einem Hotel in Nordkorea serviert wurde. Das Haltbarkeitsdatum war eineinhalb Jahre abgelaufen. Dann lacht Sedano, und man ahnt, wie es ihr gelingen konnte, Ghettos und Wüsten und Megastädte zu bereisen, ohne auch nur einmal richtig Ärger zu bekommen. Es hat etwas mit dem Lachen zu tun.

          Im Flur von Nina Sedano, die in den vergangenen 30 Jahren 192 von 193 Staaten der Vereinten Nationen allein bereist hat, hängt ein Bild von ihr als junges Mädchen. Da sitzt sie auf einem Pferd, das gerade über ein Hindernis springt, und lacht ein herzliches Lachen. Sie war eine gute Reiterin früher, die Siegerschleifen über dem Foto beweisen es. Das Pferd sei furchtbar abgesprungen, sagt Sedano, da habe sie einfach lachen müssen. Ein bisschen so sei es auf Reisen auch: Wenn etwas sie nerve, bedrücke oder bedrohe, helfe es, ruhig zu bleiben. Und eben auch mal zu lachen.

          „Ach, wir hatten soviel Spaß!“

          Wie das gehen soll in Situationen, in denen einem wirklich nicht danach ist, weiß man vielleicht nur, wenn man so viel erlebt hat wie Sedano. Sie war in Ländern, von denen andere kaum die Namen kennen: Belize, Mauretanien, Tanganjika, und sie war auch in Ländern, mit deren Namen viele Touristen eher Ungutes verbinden: Kolumbien, Afghanistan, Nordkorea. Und es ist natürlich nicht nur das Lachen, das Nina Sedano von normalen Reisenden unterscheidet. Es ist auch das Geld, dass sie trotz aller Freunde, auf deren Sofa sie schlafen durfte, ausgegeben hat. Mit 50.000 Euro fing es an.

          Die hatte Sedano angespart, als sie vor neun Jahren ihren Arbeitsplatz kündigte. Als Bürokauffrau habe sie gearbeitet, sagt Sedano, nachdem sie durchs Abi gefallen war und dann eine Ausbildung und noch eine Fortbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht hatte. Doch dann wollte sie raus, und zwar so richtig. Viel gereist war sie schon vorher: Ihre Mutter, alleinerziehend, hatte sie mit dreizehn um ersten Mal zum Schüleraustausch nach England geschickt, schon vorher hatte sie allein Reiterferien auf Wangerooge gemacht. Das Mädchen fuhr immer allein, es kam gut an und fand schnell Freunde, und diese Freunde hatten wieder Freunde, die sie dann mal in Italien, mal in Spanien besuchte. Es wurde viel gelacht, erinnert sich Nina Sedano und lacht beim Gedanken daran schon wieder: „Ach, wir hatten soviel Spaß!“ Und viel von dem Mädchen, das die Welt und die Menschen entdecken wollte, steckt heute noch in ihr.

          Mit dem „Sammeln“ der Länder, wie sie es nennt, fing sie aber erst später an

          So packte Sedano ihren Riesenrucksack und nahm mit, was sie brauchte: Kleidung, Lonely-Planet-Reiseführer für verschiedene Länder, die Spiegelreflexkamera und viele Filme, Kohletabletten, Jobsalbe und Tampons – die bekomme man in vielen Ländern nicht oder nur sehr teuer, weiß sie. Am 5. Mai 2002 ging es los: von Frankfurt mit dem Zug nach Dresden, dann über Tschechien, die Slowakei, die Ukraine, Rumänien, Albanien, vier Monate reiste Sedano durch Südeuropa. Am 11. September kam sie zurück und wohnte zwei Wochen bei einer Freundin in Frankfurt. Ihre Eigentumswohnung hatte sie vermietet. Sedano wollte nur kurz Pause machen, umpacken: und dann ab nach Asien. Neun Monate blieb sie dort.

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