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Im Norden von Frankfurt : 1100 Sozialwohnungen gesichert

Großwohnsiedlung: Der Ben-Gurion-Ring in Frankfurt aus der Vogelperspektive Bild: Stadtvermessungsamt Frankfurt

Im Ben-Gurion-Ring in Frankfurt läuft die Bindung der geförderten Wohnungen langsam aus. Die Stadt hat deshalb Belegrechte erworben. Auch das Parkhaus soll fallen.

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          Die goldenen Zeiten des sozialen Wohnungsbaus sind in Frankfurt schon lange vorbei. Anfang der neunziger Jahre gab es noch fast 68.000 Sozialwohnungen im Stadtgebiet. Weil die Bindung befristet ist, sind es inzwischen 40.000 weniger: Heute stehen nur noch rund 28.000 Wohnungen zu einer subventionierten Miete von 5 Euro bis 6,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung. Um zu verhindern, dass sich dieser Trend fortsetzt, hat das Wohnungsamt die Bindungsfristen im Blick. Bis 2026 laufen 3000 weitere Bindungen aus. Deshalb verhandelt das Wohnungsamt mit den Eigentümern, ob die Stadt die Fristen verlängern kann, indem sie die Belegrechte erwirbt. „Wir hecheln mit dem Neubau von Sozialwohnungen hinterher. Deshalb geht es uns auch um den Bestandsschutz“, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Ben-Gurion-Ring war diese Strategie nun erfolgreich. Die Hochhaussiedlung gehört der Wohnungsgesellschaft GWH, einer Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen, und besteht fast vollständig aus Sozialwohnungen. Für 1100 dieser Wohnungen wurde nun vereinbart, dass die Bindung bis mindestens 2034 beziehungsweise 2043 verlängert wird. Betroffen sind zwei Gebäudegruppen. Im nördlichen Teil des Ben-Gurion-Rings gehören der GWH 452 Wohnungen, für die die gesetzliche Mietpreisbindung Ende 2019 ausläuft. Die Stadt hat dort die Belegrechte für weitere 15 Jahre erworben und zahlt der GWH zum Ausgleich für entgangene Mieterträge 6,39 Millionen Euro. Der Zuschuss berechnet sich aus einem Betrag von 1,20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, multipliziert mit der Bindungsdauer in Monaten. Außerdem verpflichtet sich die GWH, für weitere 626 Wohnungen auf die vorzeitige Rückzahlung der Förderdarlehen zu verzichten, so dass die Bindung dort frühestens 2043 endet.

          Weitere geförderte und preisfreie Wohnungen

          Zudem sollen am Ben-Gurion-Ring weitere Wohnungen – geförderte und preisfreie – hinzukommen: In einem Neubaugebiet östlich des zentral gelegenen Sees plant die GWH 330 neue Wohnungen, darunter 59 im ersten und 18 im zweiten Förderweg, der höhere Mietpreise und Einkommensgrenzen hat. Außerdem soll das Parkhaus am westlichen Rand des Ben-Gurion-Rings abgerissen werden und Wohnhäusern weichen. Im Sinne einer ausgewogenen sozialen Mischung der Bewohnerschaft wurde vereinbart, dass die übliche 30-Prozent-Quote für den geförderten Wohnungsbau hier ausschließlich auf den zweiten Förderweg entfällt.

          Nach diesem Vorbild will die Stadt auch bei weiteren Wohnprojekten die Sozialbindungen verlängern. Das sei bei den öffentlichen Wohnungsgesellschaften Nassauische Heimstätte und ABG nie ein Problem, sagt Josef. Wohl aber bei privaten Eigentümern. Die GWH will die Mieten im Ben-Gurion-Ring auf einem preiswerten Niveau halten. „Wir entwickeln die Siedlung weiter, ohne dass jemand Angst haben muss, dass er die Miete nicht mehr zahlen kann“, sagt Geschäftsführer Stefan Bürger. Die angrenzenden Neubauprojekte brächten die Siedlung, die über große Platzreserven verfüge, auch „architektonisch nach vorne“: „Das wird eine Arrondierung, die sich sehen lassen kann.“ Unter anderem sind 24 Eigentumswohnungen geplant, die für rund 5000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden.

          GWH: Müssen den Vergleich mit der ABG nicht scheuen

          Eine freiwillige Selbstbeschränkung der Mieterhöhungen auf ein Prozent im Jahr wie bei der ABG und der Heimstätte kommt für Bürger aber nicht in Frage: „Wir müssen investieren und erzielen unsere Kapitalkraft durch betriebswirtschaftliches Handeln“, sagt er. Die Durchschnittsmiete in den rund 12.000 Wohnungen der GWH in Frankfurt betrage 7,31 Euro pro Quadratmeter. „Wir müssen den Vergleich mit der ABG nicht scheuen.“

          Josef hofft, dass das Programm „Soziale Stadt“ im Ben-Gurion-Ring Früchte trägt. Die Siedlung sei wichtig für Mieter mit geringem oder mittlerem Einkommen. Das Image der Hochhaus-Siedlung sei schlechter als die tatsächlichen Wohnverhältnisse. „Wir wollen dort eine gute Frankfurter Mischung hinbekommen.“

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