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100 Tage im Bundestag : Scharfschützen im Hof, Guido im Aufzug

Scharze-gelbe hessische Koalition in Berlin: rechts Christoph Schnurr (FDP) und Matthias Zimmer (CDU) Bild: Matthias Lüdecke / FAZ

Zwei Frankfurter in Berlin: Für Christoph Schnurr (FDP) und Matthias Zimmer (CDU) sind die ersten 100 Tage im Bundestag vorbei. Sie haben viel zu tun, aber auch große Möglichkeiten. Noch sitzen sie in den hinteren Reihen der Fraktionen. Aber das kann sich in den nächsten vier Jahren ändern.

          Christoph Schnurr hat die Mannschaft gewechselt. Er kickt jetzt beim FC Bundestag, in einer kleinen, feinen Sporthalle mit spiegelblankem Parkettboden im Regierungsviertel von Berlin. Hier, im Keller des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, kaum 200 Meter vom Reichstag entfernt, treffen sich Bundestagsabgeordnete in den Plenarwochen abends regelmäßig zum Fußball. Spitzenpolitiker sind nicht dabei, der Bekannteste ist der frühere Turn-Weltmeister und jetzige CDU-Abgeordnete Eberhard Gienger. Auf den T-Shirts, die über manchem Bauch spannen, steht „Baden 07“ oder „Freiheit zieht an“. Schnurr, der vorher für die Elf der Frankfurter Stadtverordneten auflief, trägt ein schlichtes weißes Oberteil. Sein Eintracht-Trikot hat er vergessen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vielleicht liegt es irgendwo in seinem Büro. Wobei Büro nicht das richtige Wort ist für den Raum voller Kisten, Kartons und Papier an der Straße Unter den Linden. Seit rund 100 Tagen ist Schnurr - braune Haare, fester Händedruck - Mitglied des Bundestags: je nachdem, ob die Wahl am 27. September oder die konstituierende Sitzung am 27. Oktober als Auftakt zu der neuen Karriere gilt. Seitdem harrt der 25 Jahre alte FDP-Politiker im ehemaligen Büro seines Parteifreunds Hans-Joachim Otto aus; der ist mittlerweile Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und residiert anderswo.

          Wochenlang ohne feste Bleibe

          Auch Schnurr, der den Kaffee für seine Mitarbeiter im nahen Café Einstein holen muss, weil es im Büro keine Kaffeemaschine gibt, wird nicht bleiben, obwohl der Blick aus den großen Fenstern sehr schön ist. Heute, so hat es die Bundestagsverwaltung versprochen, kann er umziehen ins Jakob-Kaiser-Haus. Dass er so lange ohne feste Bleibe war, liegt daran, dass viele der nicht wiedergewählten Abgeordneten ihre Büros in dem größten Parlamentsgebäude nicht gerade zügig geräumt haben. Als sie endlich raus waren, musste noch renoviert werden.

          Matthias Zimmer muss sich beeilen. Die dunkle Mercedes-Limousine wartet schon vor dem Westeingang des Paul-Löbe-Hauses. Was Schnurr für die Frankfurter FDP ist, ist Zimmer für die CDU: ein Neuling in Berlin. Als er die Tür passiert und in die Berliner Winter-Nebelsuppe tritt, fällt sein Blick auf das Kanzleramt.

          Es ist die erste Sitzungswoche des Jahres, eine besonders wichtige. Denn es geht um den Haushalt dieser Republik. Am Abend zuvor aber will der 48 Jahre alte, kräftige Mann mit der tiefen Stimme noch zum Neujahrsempfang der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Es ist kurz vor 18 Uhr, es ist der x-te Termin an diesem Montag, und danach ist es noch nicht vorbei. Zimmer muss noch zur CDU-Landesgruppe, um mit den 14 hessischen Bundestagskollegen gepflegt zu Abend zu essen.

          „Eine Kleidergröße pro Legislatur“

          Zimmer lässt sich in die hellen Ledersitze fallen. Die Fahrerin - viele Ohrringe, kurze Haare - weiß genau, wo sie ihn hinzubringen hat. Das ist eines der Privilegien, die ein Abgeordneter in Berlin genießt: Er kann jederzeit die Fahrbereitschaft des Bundestags anrufen und sich kutschieren lassen. Es geht zum Gendarmenmarkt, weit ist das nicht. Rechts leuchtet die Reichstagskuppel, der Wagen gleitet über eine Spreebrücke. Zimmer, ein promovierter Politologe, der seit 1999 für die Stadt Frankfurt gearbeitet hat, erzählt von einer stundenlangen Sitzung am Vormittag. Es ging um die Frage, wie die Betreuung von Arbeitslosen künftig geregelt werden soll. Es wird weitere Treffen geben müssen.

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