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Notunterkünfte in Frankfurt : 4500 Euro für ein Zimmer im Hotel

  • -Aktualisiert am

Erdrückende Not: Frankfurt tut sich schwer, genug Unterkünfte für Bedürftige zu schaffen. Bild: Maximilian von Lachner

Notunterkünfte in Frankfurt platzen aus allen Nähten. Die Stadt zahlt mittlerweile Millionen, um Bedürftige in Hotels unterzubringen. Doch ist das für die Bewohner eine gute Alternative?

          Viereinhalb Jahre. Nicht viel, wenn es um das Alter eines Autos geht. Verdammt lang, wenn es die Zeitspanne ist, in der sechs Personen gemeinsam in einem Hotelzimmer leben müssen. Im Juni hatte die Stadt 7900 Menschen registriert, die vorübergehend auf Kosten der Stadt untergebracht sind, um sie vor Obdachlosigkeit zu schützen. Sie haben keine Wohnung. Manche, weil sie in eine private Notlage geraten sind, manche, weil sie neu in die Stadt kommen und der Wohnungsmarkt leergefegt ist. Auch Flüchtlinge sind unter den Wohnungslosen, sie machen etwa 60 Prozent aus.

          Wenn es keinen Platz in einem Wohnheim gibt, zahlt die Stadt für die Bedürftigen Zimmer in Hotels und Pensionen. Der evangelische Verein für Wohnraumhilfe organisiert die Unterbringung im Auftrag der Stadt. Sie hat Ein-Jahres-Verträge mit einigen Hotels, zum Beispiel im Bahnhofsviertel, die ein Zimmerkontingent vorhalten. Dort leben dann auf engstem Raum Kleinkinder mit ihren Eltern, während sich vor dem Fenster Junkies einen Schuss in die Leistengegend setzen.

          Viereinhalb Jahre ist bislang die längste Verweildauer in einer dieser Notunterkünfte – wobei die Zahl in Wirklichkeit höher liegen dürfte, da viele der Familien die vorübergehende Unterkunft mehrmals wechseln und die Zeit für die Statistik dann von neuem zu laufen beginnt.

          Mehr Bedarf an Notunterkünften

          Jahrelang stieg die Zahl derer, die in einer Notunterkunft leben. 2012 waren in Frankfurt 222 Familien so untergebracht, 2017 waren es fast 600. Hinzu kommen Alleinstehende. Nun hat sich der Wert auf diesem hohen Niveau eingependelt, bei insgesamt 7900 Personen. „Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Zahlen nicht kontinuierlich“, sagt die Sprecherin des Sozialdezernats, das für die Unterbringung zuständig ist. Doch es sind noch immer viele Menschen, die betroffen sind, und das kostet die Stadt Millionen.

          Im Schnitt zahlt Frankfurt 30 Euro pro Nacht und Person, 2017 kamen so 56,4 Millionen Euro für die Unterbringung in Hotels und Pensionen zusammen. „Die Preise sind im Verhältnis zu einer normalen Mietwohnung sehr hoch, aber es ist in Frankfurt eben kaum möglich, Wohnungen zu finden“, sagt die Sprecherin des Sozialdezernats. Eine sechsköpfige Familie, die sich ein Zimmer teilt, bringt dem Hotelier 4500 Euro im Monat ein. Und das in Häusern, die ohne das Sozialamt sicher leerstünden. Denn viele der Unterkünfte sind alt und in einem desolaten Zustand. Manchmal gibt es nicht einmal eine Kochgelegenheit.

          Keine Küche oder Waschmöglichkeiten

          Wie sieht der Alltag derer aus, die dort untergebracht sind? Eine Familie lebt mit einem Neugeborenen in einem Zimmer im Bahnhofsviertel, in dem nicht gekocht werden kann, sich Essen zu erwärmen ist sogar verboten. Es gibt keine Gemeinschaftsküche und keine Waschmöglichkeit. Als der Hotelier benutzte Kochtöpfe sieht, mahnt er die Familie ab. Die Töpfe stammten jedoch von einer Freundin, die ausnahmsweise mal ein warmes Essen vorbeigebracht hat. Ein weiteres Beispiel: Eine Familie muss in einem dreckigen Zimmer mit Bettwanzen und Schimmel leben. Oder: Die Bewohner dürfen nach dem Willen des Hotelbetreibers keinen Besuch empfangen, und sogar Mitarbeitern des Kinderschutzbundes soll der Zutritt verwehrt werden.

          All diese Fälle beschreibt Nicola Küpelikilinc. Sie ist die stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Frankfurt und leitet das Programm Babylotse. Zehn Mitarbeiter betreuen in dieser Initiative junge Eltern, helfen mit Anträgen für Elterngeld, der Erstausstattung oder eben auch, wenn die junge Familie in einer Wohnung lebt, die nicht kindgerecht ist. Oder, in manchen Fällen, wenn sie gar keine Wohnung hat.

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