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Notunterkünfte in Frankfurt : 4500 Euro für ein Zimmer im Hotel

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Schwieriges Leben im Hotel

Gerade für diese Wohnungslosen ist das Leben im Hotel schwierig. „Für zwei oder vier Wochen ist das in Ordnung. Aber viele leben da Jahre. Die Umgebung ist absolut ungeeignet für Kinder“, sagt sie. Besonders frappierend ist für Küpelikilinc, dass die Stadt „horrendhohe Beträge“ für die Unterkünfte aufbringt. Trotz der hohen Summen, die die Stadt monatlich zahlt, hat sie kaum Handhabe gegen die Hoteliers, wenn es Missstände gibt, wie Küpelikilinc kritisiert. Immerhin bekommt die Stadt für Flüchtlinge, die vorübergehend untergebracht sind, 710 Euro im Monat vom Bund erstattet.

Für dauerhafte Wohnungen, die vom Amt bezahlt werden, gelten die Sätze des Jobcenters, also zum Beispiel maximal 746 Euro für eine dreiköpfige Familie für eine neugebaute Wohnung oder 851 Euro für einen Sechs-Personen-Haushalt im Altbau. Im Hotel würde für die gleiche Familie mehr als das Sechsfache gezahlt. „Das steht in keinem Verhältnis“, sagt Küpelikilinc. „Ich würde gern mal sehen, wie das Jobceter reagiert, wenn eine Familie mit einem Angebot für 3000 Euro auf dem Riedberg ankommt.“

Strenge Regeln für das Amt

Die Familien, die vorübergehend untergebracht sind, fallen in die Zuständigkeit des Sozialamts, für dauerhafte Wohnungen ist das Wohnungsamt verantwortlich. Und das muss sich an strenge Regeln halten, zum Beispiel: Eine Wohnung darf nur vermittelt werden, wenn sie groß genug ist. Auch, wenn für eine Familie mit vier Kindern eine Dreiraumwohnung – zumindest vorübergehend – immer noch besser wäre als ein einzelnes Hotelzimmer, ist eine Unterbringung in einer solchen verboten. Große Wohnungen sind aber besonders schwer zu finden. Es wirkt paradox, dass darum eine große Familie um so länger gemeinsam in einem Zimmer festsitzt.

Auch andere Zwischenlösungen funktionieren oft nicht: Küpelikilinc berichtet zum Beispiel von einer Frau, die nach längerer Zeit mit fünf Kindern aus England zurückkam. In die Vier-Zimmer-Wohnung ihrer Eltern in Bonames durfte sie zunächst nicht einziehen, da die dann überbelegt gewesen wäre. Sie wurde in einem Wohnheim in Griesheim untergebracht – einmal quer durch die Stadt. Küpelikilinc konnte in diesem Fall aber nachverhandeln und eine Übergangslösung finden.

Untragbare Zustände

Ein Platz im Wohnheim ist nicht unbedingt besser als ein Hotel – eine junge Mutter mit einem zweijährigen Kind und einem Neugeborenen wurde 2016 in ein Zimmer in einem Heim im Riederwald einquartiert, in dem sonst nur Männer leben. Die Küche ist am einen Ende des langen Flurs, das Bad am anderen. Ständig hat sie Angst, allein mit einem Kind auf die Toilette zu gehen, und weiß nicht, wo sie das andere lassen soll. Auch hier gilt: Für einen kurzen Zeitraum mag das aushaltbar sein. Hält der Zustand über Jahre an, wird er untragbar.

Die Stadt kämpft gegen das Problem. Sie baut neue Wohnheime, die später auch zu dauerhaften Wohnungen umgewidmet werden können; im ersten Quartal dieses Jahres sind so 500 Plätze entstanden, es kommen noch Projekte in Rödelheim und auf dem Rebstockgelände hinzu. Doch es gehen auch jedes Jahr wieder Plätze verloren. „Das ist ein langsames und mühsames Geschäft“, sagt die Sprecherin des Sozialdezernats.

Auch Küpelikilinc hebt hervor, dass die Zuständigen „sich alle Beine ausreißen“, um die Situation zu verbessern. Doch das scheint nicht zu reichen. Die Hotels bleiben voll.

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