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Frankfurt : Wohnungskonzern will Bürostadt Niederrad aufwerten

Noch Potential: Die Bürostadt in Niederrad soll sich verändern. Bild: Röth, Frank

Die städtische Frankfurter Wohnungsgesellschaft will mit zwei weiteren Projekten den Wandel der Bürostadt Niederrad zu einem gemischt genutzten Viertel beschleunigen.

          Die städtische Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG will mit zwei weiteren Projekten den Wandel der Bürostadt Niederrad zu einem gemischt genutzten Viertel mit Wohnungen, Geschäften und Arbeitsplätzen beschleunigen. Am Freitag wurde nach Angaben des Geschäftsführers Frank Junker ein Vertrag über zwei Wohn- und Geschäftshäuser mit sieben Geschossen unterzeichnet, die der Projektentwickler Max Baum nach den Plänen des Büros Wentz Concept schlüsselfertig für die ABG errichtet.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu diesem Zweck werden zwei seit Jahren leerstehende Bürohäuser mit den Adressen Hahnstraße 37-39 und 41 abgerissen. Die ABG investiert in das Projekt rund 53 Millionen Euro. In den beiden neuen Immobilien finden außer 110 Miet- und 60 Eigentumswohnungen auch ein Aldi-Markt, ein Supermarkt und eine Drogerie Platz. 30 Prozent der Mietwohnungen werden laut Junker mit öffentlichem Geld gefördert und sollen unter anderen Studenten zur Verfügung stehen. Im zweiten Quartal 2014 soll der Bau beginnen.

          „Das erste Projekt muss eine kritische Größe überschreiten“

          Es ist nicht das erste Bauvorhaben der ABG in der Bürostadt, die in den siebziger Jahren angelegt wurde und teilweise leersteht. Auf einer ehemaligen Kleingarten-Anlage an der Lyoner Straße will die städtische Gesellschaft ein Gebäude mit 135 Wohnungen und einer Kindertagesstätte errichten. Der Bauantrag für dieses Vorhaben ist schon gestellt. Sobald der für den Herbst erwartete Bebauungsplan vorliegt, soll es losgehen. Junker verspricht sich von den mittlerweile drei Bauvorhaben den nötigen Impuls, um den politisch gewünschten Wandel des Viertels voranzutreiben: „Das ist kein zaghafter Versuch. Wir setzen ein Zeichen: Das ist ein Wohnstandort.“

          Stadtplaner sind der Ansicht, dass ein Mindestmaß an Wohnungen nötig ist, um den Wandel einzuleiten. „Das erste Projekt muss eine kritische Größe überschreiten“, sagt Martin Teigeler von Albert Speer & Partner. Auch die soziale Infrastruktur müsse dazugehören. Max Baum hofft auf Nachahmer: „Wenn sich die Kräne drehen, wächst das Vertrauen.“

          Mehr Veranstaltungen in Niederrad geplant

          Etwa ein Drittel der Bürofläche in dem Viertel steht leer. Durch Umnutzungen oder Abriss und Neubau sieht das Stadtplanungsamt ein Potential für 3000 Wohnungen. „Es wird immer trauriger, immer leerer, die Nachbarn ziehen aus“, berichtete die Niederlassungsleiterin von Hochtief Formart, Iris Dilger, die ihr Büro an der Lyoner Straße hat, vor kurzem auf einer Diskussionsveranstaltung. Niederrad biete für bezahlbare Wohnungen ein „Riesen-Potential“, unter anderem für Menschen, die am Flughafen arbeiteten. Dass Wohnungsbau hier funktioniere, belege der Büroturm Lyoner Straße 19, der vor wenigen Jahren zum Wohnhochhaus umgewandelt wurde.

          Um die Entwicklung voranzutreiben, will Junker für die Gründung einer Standortinitiative werben, an der sich auch ansässige Unternehmen beteiligen können. Es sei nicht einfach, die Eigentümer alter Bürohäuser zu überzeugen, ihre Liegenschaften zugunsten von Wohnraum aufzugeben. „Viele Gebäude können nicht so umgewandelt werden, dass man sich dort wohlfühlt. Die gehören einfach weg und müssen ersetzt werden.“ Auch die Eingangssituation des Viertels an der S-Bahn-Station müsse verbessert werden.

          Um die Bekanntheit des Viertels zu erhöhen und auch außerhalb der Bürozeiten für Belebung zu sorgen, will die ABG im nächsten Sommer ein Open-Air-Kino in Niederrad veranstalten. „Durch solche Zwischennutzungen bringt man Menschen in die Bürostadt, die sich dort sonst nicht aufhalten“, sagte Junker. Die Galleristin Anja Czioska, Expertin für Zwischennutzungen, regt zudem an, den Namen des Viertels zu ändern. Der bisherige Arbeitstitel „Lyoner Viertel“ sei nicht ansprechend. Junker sieht das ähnlich: „Bei Lyoner denke ich an ein Stück Wurst.“

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