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Bankenmetropole lockt Fintechs : Frankfurt will Gründerhauptstadt werden

Fintech-Zentrum im Pollux-Hochhaus in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Die Bankenmetropole Frankfurt will auch zur Gründerhauptstadt der Finanzbranche werden. Doch zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit klafft noch eine große Lücke, berichten Gründer und Entscheider.

          Die Zahlen klingen ernüchternd. Hessische Start-ups haben im ersten Halbjahr dieses Jahres nur 98 Millionen Euro an Wagniskapital von zahlungskräftigen Investoren erhalten – nach Berlin gingen im gleichen Zeitraum 1,3 Milliarden Euro. Was die Wirtschaftsprüfer von EY ermittelt haben, muss für den Gründerstandort Frankfurt ein Warnsignal sein. Denn spätestens mit der Initiierung eines eigenen Masterplans für junge Betriebe hat die Region die Messlatte selbst sehr hoch gelegt, schließlich soll die Umsetzung des Vorhabens die Region zu einem der bedeutendsten Zentren für Start-ups weltweit machen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist ein ambitionierter Plan mit ungewissem Ausgang: Bis zum Jahr 2022 sollen zwischen 15 und 20 Millionen Euro in ein Förderprogramm fließen, bei dem es um das Anlocken von Talenten, um neue Kooperationen, um besseren Zugang zu Kapital und um eine stärkere Vermarktung des Standorts geht. Die Zahl der Gründungen soll in dieser Zeit verdreifacht werden. Ein Fokus gilt dabei den für Frankfurt wichtigen Finanz-Start-ups.

          Frankfurt sieht sich als Fintech-Heimat

          Denn die deutsche Finanzhauptstadt sieht sich selbst längst als Heimat dieser „Fintechs“ genannten Firmen. Doch auch hier spricht die Statistik eine andere Sprache: Laut EY gingen an Fintechs in Berlin im abgelaufenen Halbjahr knapp 300 Millionen Euro, ihre hessischen Mitbewerber erhielten hingegen nur 63 Millionen Euro. Ob der Masterplan dazu taugt, Frankfurt als Hotspot für Gründer zu positionieren, bleibt abzuwarten. Sicher hingegen ist, dass viele der begehrten Fintechs, aber auch Beobachter der Szene die Gründerkultur in der Stadt zumindest kritisch sehen.

          Timur Peters sitzt in einem Konferenzraum im Frankfurter Hochhaus „Pollux“. Im zweiten Stock hat das Gründerzentrum „Tech Quartier“ sein Zuhause, direkt daneben hat das von Peters gegründete Start-up Debitos Räume angemietet. Debitos versteht sich als Online-Forderungsbörse und hat sich auf den Verkauf notleidender Kredite spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt sich langsam, aber stetig und zählt inzwischen 13 Mitarbeiter. Für schnell wachsende Fintechs, sagt Peters, sei Frankfurt ein schwieriges Pflaster. „Die Büroflächen sind eine Herausforderung.“ Der Grund: Viele Vermieter verlangten Verträge mit mindestens fünf Jahren Laufzeit. Für Firmen wie Debitos ein echtes Hindernis, wie Peters sagt, „mehr Flexibilität würde uns sehr helfen“.

          Konkurrenz um Nachwuchskräfte ist groß

          Klaus Hoffmann kennt das Dilemma. Der Geschäftsführer des auf Auslandsüberweisungen spezialisierten Frankfurter Fintechs Giroxx moniert, in der Stadt sei die Zahl der Büros mit weniger als 100 Quadratmetern überschaubar, wenngleich derzeit immer mehr Anbieter von Coworking-Flächen in Frankfurt aufschlagen.

          Doch das ist noch nicht alles, was Gründer in der Mainmetropole in ihrer Entwicklung behindert, wie Hoffmann sagt. Zwar gibt es in Frankfurt dank der hier ansässigen Hochschulen eine Vielzahl an Talenten mit Finanz-Expertise. Doch gerade weil die Stadt Heimat großer, zahlungskräftiger Banken ist, sei die Konkurrenz um diese Nachwuchskräfte groß. „Da müssen wir als Fintech schon einiges bieten, um gegen die Großen anzukommen.“ Zwar gesteht Hoffmann ein, manche Fachkräfte reize die Chance, in einem Start-up etwas Neues aufzubauen. Aber gerade auf dem Tech-Sektor sei es äußerst schwierig, gute und bezahlbare Leute zu finden.

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