https://www.faz.net/-gzg-87jih

Frankfurter Stadtplanung : Wohnen und Joggen über der Autobahn

Stadtplanung ist in diesen Zeiten kein Vergnügen. Die größte Herausforderung lautet, das Wachstum zu bewältigen, ohne dass die Lebensqualität sinkt. Dazu gehört der Schutz von Freiräumen und Grünflächen. Aber nicht von jedem Acker und jedem Strauch. Man wird Abstriche machen müssen und an der einen oder anderen Stelle den Rand der Stadt neu ziehen. Das führt zu Konflikten. Wer jahrelang den Blick ins Grüne genossen hat, der will ihn nicht verlieren. Deshalb scheint die Lösung verlockend, das Problem auf einen Schlag mit einem großen Neubaugebiet zu lösen statt viele Konflikte auf einmal auszutragen.

Wenn das Wachstum dauerhaft anhält - und nichts spricht derzeit dagegen -, wird das eine nicht ohne das andere gehen: Innen- und Außenentwicklung, die Verflechtung von Bornheim und Seckbach über der A 661 und das Neubaugebiet auf dem Pfingstberg, Nachverdichtung, Arrondierung und ein großflächiges Baugebiet.

Frankfurter beanspruchen größere Wohnungen

Wichtig ist dabei, dem Wachstum eine gute Gestalt zu geben. Einfach blindlings massenweise Wohnungen auf der grünen Wiese zu bauen, wäre fahrlässig. Die Stadt muss qualitätvoll weiterentwickelt werden. Frankfurt ist eine reiche Stadt. Sie sollte sich in einer angespannten Situation wie dieser die Einhausung der Autobahn 661 leisten. Es ist nur logisch, die Stadt dort weiterzubauen, wo sie am besten funktioniert. Die Stadtteile Nordend und Bornheim sind besonders begehrt. Ein Wiesenband über der Autobahn mit vielen neuen Wohnungen an den Rändern hat etwas Bestechendes. Und der Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) hat ein Gespür für diese Vision, die er „Ernst May Viertel“ nennt. Es sollte keine Phantasie bleiben.

Die Zukunft liegt in den Städten, ländlich geprägte Regionen werden mehr und mehr zum Erholungsraum. Das ist ökologisch sinnvoll, weil die Pendlerströme verebben. Die Stadt von übermorgen wird auf jeden Fall höher verdichtet sein. Es gibt mehr Wohnhochhäuser, ein neuer Rahmenplan für die vertikale Entwicklung der Stadt wird über kurz oder lang nötig sein. Aber die hochpreisigen Wohnungen in den Türmen werden die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht lösen.

Die Mehrzahl der Frankfurter wird auch in zehn Jahren in „normalen“ Wohnungen leben. Der Flächenverbrauch nimmt seit Jahren zu, in letzter Zeit etwas weniger stark. Im Jahr 2025 wird jeder Bewohner mehr Wohnraum in Anspruch nehmen als heute. Mit dem demographischen Wandel steigt die Anzahl der Singlehaushalte. Aber auch das Bedürfnis, im Alter in Gemeinschaft zu wohnen, ist hoch. Es wird auch in Frankfurt mehr experimentelle Wohnformen geben. Aber man muss ihnen auch Raum geben. Die Stadt tut gut daran, sie weiter zu fördern. Erste vielversprechende Ansätze mit einem Liegenschaftsfonds für diese Projekte gibt es schon.

Weitere Themen

Topmeldungen

Hasserfüllt: Ein Anhänger der White Supremacists bei einer Demonstration der New Black Panther Party und des Ku Klux Klans in South Carolina.

Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
Justin Trudeau im September in Truro

Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.