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Frankfurt : Welterbe-Status für May-Siedlungen in weiter Ferne

Ernst-May-Haus in der Römerstadt. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Hoffnung, den Titel „Unesco-Welterbestätte“ mit der Ernst-May-Siedlung nach Frankfurt holen zu können, scheint dahin.

          Wenn am Mittwoch im Deutschen Architekturmuseum eine große Ausstellung zu den 37 Unesco-Welterbestätten in Deutschland eröffnet wird, bleibt für die Stadt Frankfurt nur die Rolle des neidischen Beobachters. Gern trüge auch Frankfurt das begehrte Prädikat. Und eigentlich wollte ein Arbeitskreis im Rahmen der Ausstellung verkünden, wie weit ihre Pläne gediehen sind, für die Ernst-May-Siedlungen des „Neuen Frankfurt“ den Titel „Welterbe“ zu beantragen. Vertreter der Denkmalpflege, des Deutschen Architekturmuseums, des städtischen Kultur- und des Planungsdezernats, der Wohnungsbaugesellschaft ABG, der May-Gesellschaft und der Elsaesser-Stiftung hatten sich engagiert. Doch ihre Hoffnungen sind dahin, die Pläne vorerst zerstoben.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei klang die Idee vielversprechend: Vor einem halben Jahr wurde bekannt, dass Frankfurt womöglich mithilfe einer Abkürzung auf die Liste gelangen könnte. Mit einem Kniff wollte man das komplizierte reguläre Bewerbungsverfahren mit ungewissem Ausgang umgehen: Die Frankfurter Großsiedlungen sollten als Ergänzung zu den schon als Welterbe geschützten Berliner Siedlungen der Moderne auf die Unesco-Liste rutschen. Doch Berlin will nicht: „Kleine Erweiterungen sind möglich. Es ist aber nicht begründbar, den Titel um eine andere Stadt zu ergänzen“, sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

          Moderne soll verstärkt berücksichtigt werden

          Der Landeskonservator der Bundeshauptstadt, Jörg Haspel, schilderte den Kollegen des Hessischen Landesdenkmalamts bei einem Treffen im Dezember seine Bedenken. Es sei schwierig, die beiden Orte unter dem gleichen strengen Unesco-Kriterium des „einmaligen universellen Werts“ zu subsumieren, sagte Gerd Weiß, der Präsident des Landesdenkmalamts, auf Anfrage. „Das Label kann man nicht einfach ändern.“

          Problematisch ist allein schon der eng gefasste Berliner Titel. Das Welterbe-Komitee hatte 2008 beschlossen, sechs Siedlungen der Berliner Moderne auf die Welterbe-Liste der Unesco aufzunehmen. Das geschah getreu seiner Strategie, die noch unterrepräsentierten Stätten der Moderne verstärkt als Welterbe zu schützen. Der Status bezieht sich auf sechs Siedlungen, die zwischen 1913 und 1934 entstanden sind. Diese Siedlungen um Ernst Mays „Neues Frankfurt“ zu ergänzen, habe keine Aussicht auf Erfolg, erläutert Wolfgang Voigt, der stellvertretende Leiter des Architekturmuseums. „Aus Berlin hören wir, dass kein Anlass besteht, sich in eine Prozedur zu begeben, bei der der Berliner Titel geändert werden müsste.“

          Möglichkeit des „seriellen Welterbes“

          Inhaltlich hätten die beiden Städte gut zueinander gepasst: Denn wie in Frankfurt suchten auch in Berlin Architekten eine Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg: Sie schufen moderne, bezahlbare Wohnungen. Ähnlich ging auch Ernst May vor, dessen Siedlungen der zwanziger Jahre städtebaulich wegweisend und ein gebautes sozialpolitisches Programm waren. „Der Weg, den man uns geraten hatte, sah in der Theorie gut aus, erwies sich aber als nicht praktikabel“, sagt Voigt.

          Weil die Berliner Abkürzung also nicht funktioniert, muss Frankfurt einen anderen Weg beschreiten, will es die May-Siedlungen noch mit dem Unesco-Prädikat adeln. Allerdings ist es nicht leicht, auf die Tentativliste, die nationale Vorschlagsliste für Welterbe-Bewerbungen, zu gelangen. Verabredet wurde, dass jedes Bundesland für die neue, bis 2014 zu erarbeitende Liste nur zwei Stätten anmelden kann. Die Anmeldefrist ist abgelaufen, und die hessischen Plätze sind schon überbelegt: Drei Welterbe-Bewerbungen von Darmstadt mit der Künstlerkolonie Mathildenhöhe, der Universitätsstadt Marburg und von Wiesbaden als „Bühne der Gesellschaftskur im 19. Jahrhundert“ liegen vor. Weil die Unesco für jedes Land nur jährlich über je einen Antrag auf Natur- und Kulturerbe entscheidet, kann es viele Jahre dauern, bis die Liste abgearbeitet ist.

          Es bleibt die Option, sich außerhalb der Tentativliste um Anerkennung als „serielles Welterbe“ zu bemühen, wie es auch Bad Homburg anstrebt: Die Kurstadt will sich mit europäischen Badeorten zusammentun. Nach diesem Beispiel könnte Frankfurt sich gemeinsam mit Städten wie Wien oder Amsterdam bewerben, die im sozialen Wohnungsbau der Moderne ebenfalls Leistungen vorzuweisen haben. Noch ist die Idee aber nicht weit gediehen, sagt Voigt: Mit Wien habe es „ein freundliches Telefonat“ gegeben, das Projekt sei aber noch sehr vage. Mit Amsterdam gebe es bisher zu dem Thema keinen Kontakt.

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