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Bürgerentscheid gegen Rennbahn : Weg für DFB-Akademie in Frankfurt ist frei

Ende 2018 soll aus der Computersimulation Wirklichkeit werden: die DFB-Akademie. Bild: dpa

Als „krachende Niederlage“ sehen Stadtpolitiker das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Erhalt der Rennbahn. Er scheitert an zu geringer Wahlbeteiligung. Doch der Renn-Klub gibt sich weiterhin kämpferisch.

          3 Min.

          Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Frankfurt ist  deutlich gescheitert. Damit ist der Weg frei für die Ansiedlung eines Leistungszentrums des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) und eines Bürgerparks auf dem Gelände der bisherigen Galopprennbahn im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um den Beschluss des Stadtparlaments vom Oktober vergangenen Jahres für die Errichtung der DFB-Akademie zu kippen, hätten sich mindestens 25 Prozent der Abstimmungsberechtigten, also rund 124.000 Frankfurter, für den Erhalt der Rennbahn aussprechen müssen. Tatsächlich votierten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis nur 63.000 Frankfurter für deren Erhalt. Insgesamt hatten sich rund 104.000 Stimmberechtigte am Bürgerentscheid beteiligt, das entspricht einer Wahlbeteiligung von von 20,9 Prozent. Zur Abstimmung waren knapp 500.000 Frankfurter aufgerufen gewesen.

          Erleichterung im Stadtparlament Frankfurts

          Als „krachende Niederlage“ bezeichnete Frankfurts Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) das Ergebnis des Bürgerentscheids. Cunitz hatte sich mit anderen Mitgliedern der Stadtregierung und weiteren Kommunalpolitikern im Römer versammelt. Die Stadt werde nun das Bebauungsplanverfahren zugunsten der DFB-Akademie und des Bürgerparks weiter vorantreiben. Cunitz zeigte sich erleichtert, dass die Mehrheit der Frankfurter die Planung und Politik der schwarz-grünen Koalition „so deutlich bestätigt hat“. Es hätte seine Phantasie gesprengt, sagte er, wäre es „einer kleinen Lobbygruppe gelungen, 125.000 Frankfurter hinter sich zu bringen“.

          Die Luftaufnahme zeigt das Areal der Rennbahn mit dem Golf Club im Inneren, links sind die Tribüne und der Hotelneubau zu erkennen.

          Auch CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein bezeichnete das Ergebnis als „eindeutig“. Hinweise vonseiten der Initiatoren des Bürgerentscheids, nun sei Gelegenheit sich noch einmal gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um über eine gemeinsame Lösung nachzudenken, wehrte Löwenstein ab. „Ich wüsste nicht“, sagt er, „was es an einem Runden Tisch zu besprechen gäbe“. Wenn es eine Lösung gäbe, um die DFB-Akademie mit dem Rennsport auf dem Gelände zu verbinden, „dann hätten wir das längst getan“.

          Stadtpolitiker sehen eine „Jahrhundertchance“

          Grünen-Fraktionschef Manuel Stock riet dem Anhängern des Rennsports, die in den vergangenen Wochen eine aufwendige Wahlkampagne geführt hatte, wahrzunehmen, dass sie den Bürgerentscheid deutlich verloren hätten. „Das sollten sie nun auch akzeptieren“, sagte Stock, alles andere „wäre ein schwieriges Demokratieverständnis“.

          CDU-Kämmerer Uwe Becker zeigte sich erleichtert, dass die Mehrheit der Frankfurter die „Jahrhundertchance“, die der DFB der Stadt biete, gesehen hätten. Der Verband will bis Ende 2018 für rund 90 Millionen Euro auf dem südlichen Teil des Rennbahngeländes eine Akademie errichten, unter deren Dach Verwaltung, Spitzensport sowie Trainer- und Schiedsrichterausbildung vereint werden sollen. Das Vorhaben gilt als das größte Bauvorhaben in der Geschichte des DFB.

          Vom „Wermutstropfen“ Wahlbeteiligung

          Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der sich wie die gesamte Frankfurter SPD für die Akademie ausgesprochen hatte, ließ per Mitteilung aus dem Urlaub die Frankfurter wissen, dass das Votum der Frankfurter eine „Zukunftsentscheidung für die Sportstadt Frankfurt“ sei. Allerdings bedauerte er auch, dass sich am ersten Bürgerentscheid so wenige Frankfurter beteiligt hätten. Das sei ein „Wermutstropfen“. Auch SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling hatte nach eigenen Angaben mit einer höheren Wahlbeteiligung gerechnet. Das Votum der Frankfurter bestätige allerdings voll und ganz die Stadtverordneten, „die Akademie kann jetzt gebaut werden“.

          Auch der DFB sprach von einem „absoluten Erfolg“. Mediendirektor Ralf Köttker sagte, der Fußballbund sei schon seit 60 Jahren in Frankfurt und werde nun weitere 99 Jahre bleiben. Denn für diese Zeitdauer hat der Sportverband das 15 Hektar große Grundstück in Sachsenhausen in Erbpacht von der Stadt erworben.

          Der Präsident des Frankfurter Renn-Klubs, Manfred Louven, bezeichnete es als „beachtliches Resultat“, dass sich mehr als 60.000 Frankfurter für den Erhalt der Galopprennbahn ausgesprochen haben. Denn die Hürde, rund 124.000 Frankfurter für den Erhalt der Bahn gewinnen zu müssen, sei „brutal hoch“. Es sei gut, dass die hessische Landesregierung nun das erforderliche Quorum deutlich senken wolle. Unter anderen Bedingungen wäre es den Rennsportfreunden sicher gelungen, eine Mehrheit für ihr Vorhaben und damit für den Erhalt der Rennbahn zu gewinnen, sagte Louven und fügte hinzu, er hoffe, dass man im Römer die mehr als 60.000 Befürworter ernst nehme und beginne, Gespräche mit dem Renn-Klub zu führen und nicht länger nur „über uns“ zu reden.

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