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E-Lastenräder : „Frankfurt hat da definitiv Nachholbedarf“

  • -Aktualisiert am

Praktischer Begleiter: Wissenschaftler stellen ein elektrisches Transportrad vor. Bild: dpa

Keine E-Mobilität für Fahrräder: Frankfurt fehlt das Geld, um den Kauf der umweltschonenden Gefährte zu fördern. Aber es gibt auch andere Probleme.

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          Umweltfreundlich, leise, platzsparend, geräumig beim Transport von Kindern und größeren Einkäufen – Lastenfahrräder sind aus dem städtischen Verkehr kaum noch wegzudenken. Doch ein gut gefülltes Lastenrad ist schwer, und der Hainer Weg, die Seckbacher oder die Vilbeler Landstraße sind dann schon recht steil. Manch einer will deshalb ein elektrifiziertes Lastenfahrrad kaufen. In vielen Kommunen, auch in Hessen, wird die gewerbliche oder private Anschaffung von E-Lastenrädern schon länger subventioniert – in Frankfurt nicht.

          Dabei ist ein elektrifiziertes Lastenrad ziemlich teuer: Die leichteste Version eines renommierten Herstellers mit einer maximalen Zuladung von 80 Kilogramm kostet mindestens 1500 Euro, der Kauf eines größeren, stabileren E-Lastenrads kann weit mehr als 6000 Euro kosten. In Nordrhein-Westfalen wird die Anschaffung auch privater E-Lastenräder deshalb schon seit zwei Jahren in 28 besonders schadstoffbelasteten Kommunen mit bis zu 1000 Euro bezuschusst. Und auch in Darmstadt, Wiesbaden und Limburg gibt es bis zu 1000 Euro Zuschuss zum Kauf eines privaten E-Lastenrades.

          Die Stadt Frankfurt hingegen, nach wie vor von einem Diesel-Fahrverbot bedroht, mauert. „Die Stadt sieht ihre Aufgabe in erster Linie darin, die Infrastruktur für den Fahrradverkehr auszubauen und in neue Radwege zu investieren, dies wird auch dem Lastenradverkehr helfen“, sagt ein Mitarbeiter von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Er verweist auch auf die Kosten für die Stadt. Die Stadtverordnetenversammlung habe erst jüngst durch einen Etatantrag den Magistrat beauftragt, gewerbliche Lastenräder zu subventionieren, aber schon dafür könnten die Kosten nicht gedeckt werden.

          E-Mobilität nicht nur im Autoverkehr

          Susanne Neumann vom ADFC Frankfurt kritisiert diese Haltung. „In Frankfurt wird E-Mobilität immer nur mit dem Kfz-Verkehr verbunden“, sagt die Lastenradfahrerin. Dabei sei ein Lastenrad der perfekte Ersatz für ein Auto – und die Nachfrage nach E-Lastenrädern entsprechend hoch. „Auf der Velo-Messe im Juni konnte man sehen, wie die Lastenräder den Anbietern aus den Händen gerissen wurden“, berichtet Neumann. „Aber für Privatleute sind die Anschaffungskosten schon erheblich. Frankfurt hat da definitiv Nachholbedarf.“

          Die Stadt hatte schon 2016 gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik sowie der interdisziplinären Forschungseinrichtung House of Logistics and Mobility eine Studie in Auftrag gegeben. Die war zu dem Ergebnis gekommen, dass man sich für eine Verkehrswende beim Angebot stärker mit den Mobilitätsbedürfnissen auseinandersetzen „und das regionale Mobilitätsangebot bedarfsgerecht unter anderem um elektrische Transporträder erweitern“ müsse, so sagte es damals Projektleiter David Rüdiger.

          Die Räder brauchen Stellflächen und breite Fahrradwege

          Doch bislang gibt es unter dem Titel „Ich entlaste Städte“ in Frankfurt lediglich ein einziges Projekt, das Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen die Möglichkeit bietet, ein Lastenrad als alternatives Transportmittel für einen Zeitraum von zirka drei Monaten und eine Nutzungspauschale von einem Euro je Rad und Tag zu testen. Zu mehr scheint die Stadt nicht in der Lage zu sein. „Derzeit stehen für die Subventionierung von Lastenrädern noch keine Mittel zur Verfügung“, heißt es aus dem Verkehrsdezernat. Denn natürlich seien Lastenräder „ein sehr positiver Beitrag zur ökologischen Verkehrswende“. Ein Problem sei, dass mehr Lastenräder auch größere Stellflächen und breitere Fahrradwege beanspruchten, erläutert Axel Fleischer, Leiter des Referats Mobilitäts- und Verkehrsplanung der Stadt: „Noch sind diese besonderen Räder kein Massenphänomen. Sollten die Mengen aber deutlich zunehmen, so wird dies Auswirkungen auf die Berücksichtigung in den Rechtsvorschriften und den Regelwerken und damit auch auf die Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur haben.“ Das gehe dann aber über die Regelungskompetenzen einer einzigen Stadt hinaus.

          In Darmstadt hat der regionale Energieversorger Entega die Förderung von privaten Lastenfahrrädern im Mai vergangenen Jahres eingeführt, allerdings nur für die hauseigenen Ökostromkunden. Knapp 75 Lastenräder wurden seither mit je 150 Euro bezuschusst. Bei der Frankfurter Mainova gibt es solche Pläne bislang nicht. Das Energieunternehmen fördert zwar private Ladestationen für und die Anschaffung von Elektroautos und E-Rollern, aber keine Lastenfahrräder.

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