https://www.faz.net/-gzg-6z6jn

Frankfurt : Viele Verkehrsprojekte noch Utopie

Platz für die Zufahrt zum Riederwaldtunnel: Die Baustelle an der A661 im Frankfurter Osten ruht. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die ersten Bäume für den Riederwaldtunnel sind gefällt. Die Stadt rechnet nicht mehr damit, dass das Projekt gestoppt wird. Doe nordmainische S-Bahn-Linie soll billiger werden.

          rieb. Frankfurt. Noch ist der Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Frankfurter Riederwaldtunnels nicht rechtskräftig. Die hessische Straßenverwaltung ist sich aber ziemlich sicher, dass die Gegner das Vorhaben nicht mehr stoppen können. Um eine Fledermauskolonie zu schützen, haben die Straßenbauer ihre Pläne etwas geändert und den Tunnel um sechs Meter nach Süden verschoben. Jetzt müssen die Verwaltungsrichter in Kassel entscheiden, ob dies ausreichend ist. Die Vorbereitungsarbeiten für den Tunnelbau laufen freilich schon: Vor einigen Tagen wurden an der Schäfflestraße und an der Lahmeyerstraße vier Kastanienbäume gefällt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Riederwaldtunnel ist Teil des 2005 verabschiedeten und bis 2020 geltenden Frankfurter Gesamtverkehrsplans. Der Magistrat hat jetzt auf Antrag der Linken Zwischenbilanz gezogen. Nur wenige Projekte sind in den vergangenen sechs Jahren verwirklicht worden, die meisten sind noch Utopie. Für die Autofahrer erfreulich sind die neu entstandenen Anschlussstellen Nieder-Eschbach und Heddernheim an der A661. Die Anschlussstelle Bonames an der A661 ist dagegen immer noch geschlossen. Die baulichen und betrieblichen Voraussetzungen für eine Wiedereröffnung seien in einer Simulation ermittelt worden, sagt der Magistrat, jetzt würden die Kosten geschätzt. Seit Jahren schieben sich Stadt und Land bei diesem Projekt den schwarzen Peter zu. Mit dem Bau der seit vielen Jahren geforderten Abfahrt von der A5 aus Richtung Norden nach Niederrad ist dagegen begonnen worden.

          Ausbau der Main-Weser-Bahn kommt auf den Weg

          Auch im Schienenverkehr konnten seit 2005 einige Projekte verwirklicht werden: der neue S-Bahn-Haltepunkt Zeilsheim, die U-Bahn über den Riedberg, die neue Straßenbahnlinie 18 über die Friedberger Landstraße zum Frankfurter Bogen und die neue U-Bahn-Verbindung von Bornheim über den Riederwald nach Enkheim. Viel größer ist jedoch die Zahl der Schienen-Vorhaben, deren Vollendung noch aussteht.

          Zumindest der Ausbau der Main-Weser-Bahn mit zwei zusätzlichen Gleisen für die S-Bahn-Linie S6 zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel und weiter nach Friedberg scheint auf den Weg zu kommen. Für den ersten Abschnitt bis Bad Vilbel gibt es einen Planfeststellungsbeschluss, der allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Der neue S-Bahn-Haltepunkt Ginnheim kann erst in Angriff genommen werden, wenn das Projekt Main-Weser-Bahn beendet ist.

          Linie ins Europaviertel hat Priorität

          Mit Blick auf das Bauvorhaben nordmainische S-Bahn werden derzeit Möglichkeiten gesucht, die Kosten zu senken. Noch immer ist nicht klar, ob der Bund den Bau finanzieren will. Gleichfalls nicht abgeschlossen ist das Genehmigungsverfahren einer Station und einer S-Bahn-Trasse zwischen Frankfurt-Stadion und dem Flughafen-Regionalbahnhof, mit der das Neubaugebiets Gateway Garden angebunden werden soll. Für die Regionaltangente West gibt es seit geraumer Zeit eine Planungsgesellschaft, gegründet von den beteiligten Kommunen. Man sei in eine entscheidende Phase getreten, heißt es im Magistratsbericht. Mittlerweile sei belegt, dass das Vorhaben technisch machbar und realisierungswürdig sei.

          Im Stadtbahn-Verkehr besitzt für die Stadtregierung die neue Linie ins Europaviertel Priorität. Die U-Bahn soll nun weitgehend oberirdisch verlaufen, derzeit wird eine endgültige Planung erarbeitet. Dasselbe gilt für die Verlängerung der U5 zum Frankfurter Berg, obwohl die Sparkommission der schwarz-grünen Koalition eine Verschiebung dieses Vorhabens empfohlen hat.

          „Jahrhundertprojekt“

          Eine Verlängerung der U4 bis Seckbach-Atzelberg dürfte in weiter Ferne liegen, denn die Lage der Station hängt von der Einhausung der A661 ab, und diese bezeichnen die verantwortlichen Verkehrpolitiker als „Jahrhundertprojekt“, was darauf hindeutet, dass es nicht unbedingt in den nächsten Jahren zustande kommt.

          Anstelle der von Schwarz-Grün gestoppten unterirdischen Verbindung von Bockenheim nach Ginnheim wird derzeit über eine oberirdische Stadtbahn-Verbindung nachgedacht. Die Planer prüfen den „Ginnheimer Kurve“ genannten Vorschlag einer Bürgerinitiative, aber auch die Idee, die Stadtbahn auf einer zur Stadtstraße umgebauten Rosa-Luxemburg-Straße zu führen. Eine Verwirklichung dieses Vorhabens dürfte realistischerweise noch lange auf sich warten lassen. Vor allem ist zweifelhaft, ob der Bund sich an einer Finanzierung beteiligen würde.

          Noch nicht aufgegeben wurde das Projekt einer Verlängerung der Stadtbahn nach Praunheim von der Heerstraße bis zur Regionaltangente West. Doch steckt es noch ganz in den Anfängen. Für die Straßenbahn-Ringlinie werden derzeit mögliche Trassen zwischen Bockenheim, Ginnheim, Dornbusch, Eckenheim und Nordend untersucht. Mit Blick auf den südlichen Teil des angestrebten Rings um die Stadt wird gerade die Genehmigung für die Tram durch die Stresemannallee erstellt. Ein Planfeststellungsbeschluss für einen zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn-Strecke durch die Kleyerstraße liegt mittlerweile vor. Die neue Tramlinie 18 wird zunächst weiter über die Ignatz-Bubis Brücke nach Sachsenhausen zum Lokalbahnhof geführt. Doch will die Stadt die Alte Brücke so sanieren, dass danach noch Platz füreine Straßenbahn-Linie vorhanden ist.

          Weitere Themen

          Der Popstar unter den deutschen Galeristen

          Fast blind : Der Popstar unter den deutschen Galeristen

          Johann König, Sohn des früheren Städelschul-Rektors Kasper König, ist einer der bedeutendsten Galeristen der Welt – obwohl er nach einem Unfall in seiner Jugend zeitweise fast blind war.

          Topmeldungen

          Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

          Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

          Nicht die Jungen überzeugen : Der FC Bayern und seine alte Achse

          Löw hat’s gesehen: Die Münchener spielen gegen Leipzig zumindest eine herausragende erste Halbzeit. Das liegt vor allem an den Routiniers. Neuer, Boateng, Müller und Lewandowski halten die Zeit an.
          Der Hausarzt: Klaus Reinhardt in seiner Bielefelder Praxis

          Neuer Ärztepräsident : Der doppelte Reinhardt

          Der Mann ist Hausarzt mit Leidenschaft. Aber Klaus Reinhardt ist immer nur montags in seiner Bielefelder Praxis. Sonst macht er Politik in Berlin – als Präsident der Bundesärztekammer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.