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„Fashion Week“ verlässt Berlin : Frankfurt wird zur Modestadt

Der Eiserne Steg wird zum Laufsteg: Die „Frankfurt Fashion Week“ ist eine große Chance für die Stadt. Bild: dpa

Das ist eine Überraschung: Berlin verliert eine bedeutende Modemesse. Dafür soll der Eiserne Steg im nächsten Jahr zum schönsten Laufsteg Europas werden. Wie sehen die Pläne aus?

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          Die Modemesse Berlin Fashion Week wird im nächsten Jahr zur Frankfurt Fashion Week. Wohl auch mit einigem finanziellen Aufwand haben Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker sowie Wirtschaftsdezernent Markus Frank (beide CDU) die Show nach Frankfurt geholt. Im nächsten Juli ist es zum ersten Mal soweit. „Es ist eine Investition“, gab Becker im Gespräch mit dieser Zeitung zu. Aber eine, die sich auszahlen soll – für den Ruf der Stadt und den des traditionsreichen Messestandorts. Anita Tillmann, die Geschäftsführerin des Fashion-Week-Veranstalters Premium Group, hat ehrgeizige Ziele. Es gehe darum, die Show zu einer Modemesse mit europäischem Format zu machen. „Ziel ist es nicht, sich mit deutschen Städten zu messen, sondern mit Mailand und Paris.“ Und Detlef Braun, Mitglied der Geschäftsführung der Messe Frankfurt, ist sich sicher, dass die Fashion Week hervorragend zur textilen Kompetenz passt, die die Messegesellschaft ohnehin schon mit ihren Fachmessen habe.

          „Wir werden die Messe in die Stadt tragen“, verspricht Wirtschaftsdezernent Frank: „Der Eiserne Steg wird zum schönsten Laufsteg Europas und die Zeil zur längsten Modemeile.“ Die Messe und die Stadt haben über mehrere Monate hinweg gemeinsam mit Tillmann ein Konzept erarbeitet, das für alle passen soll, auch zur städtischen Finanzlage, die Becker im Auge behalten muss. „In der vergangenen Saison besuchten rund 70000 Fachbesucher die Modewoche, nationale und internationale Journalisten akkreditierten sich für die Fashionshows, Modemessen und Konferenzen – das Ergebnis: rund 5000 Zeitungsberichte sowie rund 5000 Online-Beiträge. „Für den Modestandort Berlin bedeutet die Berlin Fashion Week eine wirtschaftliche Zusatzleistung von bis zu 120 Millionen Euro pro Saison“, ist auf der Website der Veranstalter zu lesen. Frank, Becker und Braun dürften diese Werte im Auge gehabt haben, als es in die Gespräche ging.

          Mit Textilexpertise punkten

          Zu hören ist von Branchenkennern allerdings auch, dass die Show einen Neuanfang gebrauchen könne; Frankfurt gehe mit dem Schachzug durchaus ins Risiko. Tillmann sagt, Frankfurt solle zum „Hotspot der internationalen Fashion- und Lifestyleszene“ werden, auch wenn das eine Herausforderung sei. Denn als Modestadt ist Frankfurt nicht bekannt, wohl aber kann die Messe tatsächlich mit der von Braun erwähnten Textilexpertise punkten: Mit dem sogenannten Texpertise Network bündelt die Messe Frankfurt ihre Kompetenz als Marktführer mit Messen und Events für die Textilindustrie, darunter die Heimtextil, Techtextil, Texprocess, Texworld und Intertextile. Dabei handelt es sich um rund 50 Messen auf der ganzen Welt, mit mehr als 22500 ausstellenden Unternehmen und mehr als 530.000 Fachbesuchern.

          Dieses Netzwerk kann und soll nun auf den erhofften Erfolg der Frankfurt Fashion Week einzahlen. Braun sollte wissen, was auf ihn zukommt. Vor seinem Einstieg bei der Frankfurter Messe war er Chef der internationalen Werbeagentur J. Walter Thompson in Frankfurt. Zur Vorstellung der Fashion-Week-Umzugspläne erinnerte Braun zudem an seine Zeit bei Lancaster und als Geschäftsführer der Joop GmbH in Hamburg.

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