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Grüne Anleihen : Unser Finanzplatz soll grüner werden

  • -Aktualisiert am

Blendende Geschäfte: Frankfurter Kreditinstitute wie die Deutsche Bank, die hier durchs Blattwerk schimmert, wollen von grünen Investitionen profitieren. Bild: Wolfgang Eilmes

Die schwarz-grüne Landesregierung will das Thema Green Finance in Frankfurt fördern. Dabei sind Finanzgeschäfte mit gutem Gewissen ohnedies schon schwer in Mode.

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          Viel Platz haben die beiden hessischen Koalitionspartner dem Finanzplatz Frankfurt nicht eingeräumt, als sie vor gut zehn Monaten die Grundlage für ihre gemeinsame Regierungsarbeit unterzeichnet haben. Gerade einmal anderthalb Seiten widmen sich im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen dieser zentralen Branche der hessischen Wirtschaft. Hauptsächlich ist von Regulierung und dem Vorteil öffentlich-rechtlicher Banken die Rede. Da lässt ein solcher Satz schon aufhorchen: Die Parteien unterstützten Entwicklungen in Richtung „Green Finance“, heißt es dort. Und dass die Energiewende als „historische Chance“ für den Finanzplatz betrachtet werde.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viel konkreter ist der Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) allerdings bis heute nicht geworden. Auf Anfrage ist aus seinem Ministerium nur zu hören, dass gerade ein neuer Mitarbeiter seine Arbeit aufgenommen habe, der sich speziell mit dem Thema auseinandersetzen solle.

          Neue Richtlinien für grüne Anleihen

          Die Wirtschaft ist da schon weiter. Denn ganz ohne politische Schützenhilfe boomt der Markt mit grünen Finanzprodukten seit einigen Jahren. Auf der einen Seite will die Energiewende finanziert werden, und es müssen Lösungen gefunden werden, wie Staaten wie China und Indien weiter wachsen können, ohne im Smog zu versinken. Im Klimaschutz gibt es unzählige Investitionsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite suchen viele große Anleger in aller Welt wie zum Beispiel Kirchen, Versicherungen und Pensionsfonds nach Möglichkeiten, ihr Geld mit gutem Gewissen anzulegen. Viele von ihnen müssen das tun, um ihrer Satzung zu genügen.

          Green Bond heißt daher ein Schlagwort der Stunde. Große Kreditinstitute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ-Bank haben sich im Sommer gemeinsam mit großen Investoren auf Richtlinien verständigt, die solche grünen Anleihen erfüllen müssen. Seither kann fast jedes Unternehmen derartige Anleihen begeben, solange es das so eingenommene Kapital ausschließlich für naturfreundliche Zwecke investiert. Selbst ein Energiekonzern, der Kohle- und Atomkraftwerke betreibt, kann auf diese Weise Windparks finanzieren und umweltbewusste Investoren dafür einspannen.

          KfW - groß im grünen Geschäft

          Die Banken sehen in diesem Segment ein Riesengeschäft. Von der Deutschen Bank heißt es, dass schon bis September dieses Jahres an den internationalen Kapitalmärkten doppelt so viel Geld mit Green Bonds eingesammelt wurde wie im gesamten Jahr 2013. Bis Ende des Jahres sollen es 40 Milliarden Dollar sein. Ulrich Hoeck, der das Anleihegeschäft in der Unternehmensfinanzierung der Commerzbank leitet, erwartet ebenfalls, dass sich das rasante Wachstum fortsetzen wird. „Banken und insbesondere Unternehmen haben in der jüngsten Vergangenheit zum Teil großvolumige Green-Bond-Emissionen begeben“, sagt er.

          Ein großer Spieler in dem Segment ist die staatliche Förderbank KfW. Mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar hat das Haus mit Sitz an der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt nach eigenen Angaben gerade die bislang größte Emission einer grünen Anleihe in Amerika aufgesetzt. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einer Verzinsung von 1,75 Prozent, hätte die Nachfrage angeblich auch für 2,5 Milliarden Dollar gereicht. Ähnlich gut war die Ausgabe der ersten grünen Anleihen in Deutschland im Juli verlaufen.

          Hinter vielem steckt Marketing

          Kein Wunder, dass die privaten Banken in dem Geschäft mitspielen wollen. „Die Kapitalmärkte müssen dringend zur Finanzierung der Umstellung auf eine Wirtschaft mit geringem Treibhausgasausstoß herangezogen werden“ – dieser Satz stammt nicht etwa aus dem Grünen-Parteiprogramm, sondern von der Deutschen Bank. Sie hat nicht nur der KfW geholfen, ihre Riesenanleihe an den Mann zu bringen. Sie hat auch schon für Unilever eine grüne Anleihe im Wert von 250 Millionen Euro auf den Markt gebracht. Das so eingesammelte Geld will der Lebensmittelkonzern in Wassereffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien investieren.

          Die Machtübernahme der Strickpulliträger im Bankenviertel ist indes nicht zu erwarten. Auch wenn inzwischen viel von Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Bankentürmen geredet wird, so steckt zwischen all dem Grün doch vieles, was die Häuser seit je tun – nur, dass jetzt eben die umweltfreundlichen Investitionen als solche vermarktet werden. Der wichtigste Aspekt bleibt, dass mit alledem auch Geld verdient werden kann.

          Skepsis bei „Green Finance“

          „Die Nachhaltigkeit muss sich für die Anleger auszahlen. Keiner ist bereit, für Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten, auch Privatanleger nicht“, sagt Ingo Speich, der das Geschäft mit Nachhaltigkeitsfonds bei der Union Investment leitet. Er konzipiert also Anlageprodukte für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken, die bestimmte Umwelt- und Sozialkriterien erfüllen müssen. In der Regel dürfen also zum Beispiel keine Aktien von Atomkonzernen in die Fonds. „Der Anleger verzichtet nicht aus Weltanschauung auf Investitionen in Nuklearkraftwerke, sondern weil der Vermögenswert dahin ist, wenn etwas passiert.“

          So viel ist sicher: Die Frankfurter Banken wollen sich nicht für die Finanzierung grüner Ideologien einspannen lassen, wenn damit kein Geld gemacht werden kann. Mit wie viel Risiko etwa Finanzierungen in erneuerbare Energien behaftet sein können, zeigen die vielen Pleiten in der Solar- und Windenergie. Vieles hängt in diesen Branchen von politischen Entscheidungen ab, aber auch von der Konkurrenz in China und anderswo.

          Der Vorsitzende des Hessischen Bankenverbands, Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler, hatte daher nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags mit Skepsis auf die schwammigen Ankündigungen reagiert. Ob aus „Green Finance“ ein hohes Wirtschaftspotenzial abzuleiten sei, werde sich noch zeigen. In jedem Fall dürfe keine Subventionsfalle entstehen.

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