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Frankfurt und Tel Aviv : Eine Küche als Zeichen der Freundschaft

Gastgeschenk für die Weiße Stadt: Die Frankfurter Küche ist in den vergangenen Tagen im Liebling-Haus in Tel Aviv montiert worden Bild: Yael Schmidt

Mit etwas Verspätung haben Frankfurt und Tel Aviv das Bestehen ihrer Städtepartnerschaft seit 40 Jahren gefeiert. Um ihre enge Verbindung werden die Kommunen sogar beneidet.

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          Als Auftaktgeschenk hatten die Frankfurter in den Märztagen von 1980, als vor dem Stadtparlament in Tel Aviv der Vertrag für eine Freundschaft zwischen den beiden Kommunen gefeiert wurde, eine Inszenierung mitgebracht. „Der Urfaust“, aufgeführt vom Volkstheater, in schönstem Frankfurterisch. Gut vier Jahrzehnte später sind die nunmehr langjährigen Freunde vom Main wieder mit einem Geschenk nach Israel gereist: eine Frankfurter Küche, ausgewählt aus dem Fundus der Ernst-May-Gesellschaft, so originalgetreu wie möglich restauriert.

          Inga Janović
          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter Mithilfe von Mitgliedern des Frankfurter Vereins, der sich der modernen Architektur des „Neuen Frankfurts“ verschrieben hat, sind die Möbel in den vergangenen Tagen im Liebling-Haus in Tel Aviv montiert worden. Denn dieser Prototyp aller Einbauküchen, der nach Entwürfen der für den Stadtplaner May tätigen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den Jahren 1929 und 1930 entstanden ist, fehlte dem vor zwei Jahren eröffneten Musterhaus in der berühmten Weißen Stadt noch.

          Historische Verbundenheit

          Seit 2019 dient das mit Unterstützung der Bundesregierung originalgetreu restaurierte, frühere Wohnhaus als Museum und Kommunikationszentrum zur Wahrung des architektonischen Erbes Tel Avivs, das seit 2003 zum UNESCO-Welterbe gehört. Das Haus erklärt die Ursprünge, stellt aber auch Fragen nach der Zukunft der Stadt und ihres Kerns, der durchgehend in einem zweckmäßigen, deutlich vom Bauhaus und Architekten wie LeCorbusier beeinflussten Stil gestaltet ist. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der Stadt nach, deren Gebäude maßgeblich von jungen Männern und Frauen geplant wurden, die noch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Architektur studiert hatten, dann aber vor Antisemitismus und Nationalsozialismus fliehen mussten. Ein Rundgang durch das Haus vermittelt zugleich einen Eindruck, wie die Siedler aus Europa in dieser neuen, heißen Umgebung zu leben lernten.

          „Vertraute Kooperation“: die Oberbürgermeister Ron Huldai (links) und Peter Feldmann während des Festaktes zum Jubiläum
          „Vertraute Kooperation“: die Oberbürgermeister Ron Huldai (links) und Peter Feldmann während des Festaktes zum Jubiläum : Bild: Yael Schmidt

          Das architektonische Erbe der Moderne – das Frankfurter Pendant sind die Siedlungen aus der May-Ära beispielsweise in Bornheim, in der Römerstadt und in Westhausen– ist nur eine Gemeinsamkeit, die beide Städte verbindet. Und nur eine der vielen Ebenen, auf denen der Austausch zwischen Tel Aviv und Frankfurt eng ist: Zahllose Geschäftsbeziehungen, ein Austauschprogramm für Jugendliche, Kooperationen zwischen den Universitäten und Verbindungen zwischen den Stadtverwaltungen sind weitere.

          „Aus der Erinnerung herauswachsen“

          Auf allen Gebieten soll der Austausch nun noch weiter vertieft werden. So versicherten es die Oberbürgermeister beider Städte, Peter Feldmann (SPD) und Ron Huldai, während des Festaktes zur Feier der ersten vier Jahrzehnte dieser interkommunalen Beziehung, der am Sonntagabend auf der Dachterrasse des Liebling-Hauses begangen wurde. In ihren Reden gerieten beide Politiker geradezu ins Schwärmen: Die Art und Weise, wie sich die Vertreter der beiden Städte begegnen, zeige, „dass man aus der Erinnerung herauswachsen kann und die Hoffnung nie verloren gehen darf“, sagte Huldai und erinnerte daran, wie unmöglich es nach dem Holocaust erschienen war, dass jemals wieder Deutsche und Juden einen gemeinsamen Weg gehen könnten.

          Er erinnerte aber auch daran, dass sich nach Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU), dessen Unterschrift neben der seines Tel Aviver Kollegen Shlomo Lahat auf der ursprünglichen Freundschaftsurkunde steht, viele Frankfurter Politiker wie Bürger dafür eingesetzt hätten, einen solchen Weg dennoch begehbar zu machen. Mehr als hundert Delegationen sind in den vergangenen vier Jahrzehnten zwischen den Städten hin- und hergereist.

          Kooperation als Vorbild

          Dass Tel Aviv und Frankfurt sich in herzlicher Freundschaft verbunden sind, liege auch daran, dass die Partner ihrer Vergangenheit nicht auswichen, stellte im Anschluss auch Feldmann fest und hob einen ebenso wichtigen Grund für die guten Verhältnisse hervor: „Diese enge und vertraute Kooperation ist von Menschen gemacht, die sie immer wollten.“

          Wie sehr, das hat gerade jetzt die Tel Aviver Seite bewiesen: Die sechzehn Mitglieder zählende Delegation um den Frankfurter Oberbürgermeister ist die erste und voraussichtlich auch die einzige, die in diesem Jahr überhaupt von der Stadt offiziell empfangen wird. Nach wie vor hält Israel seine Grenzen in der Pandemie geschlossen, und eine Einreise ist nur mit aufwendig zu beschaffenden Ausnahmeregelungen möglich. Und so werden die Frankfurter – unter ihnen die Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi (Die Grünen), ihr Stellvertreter Gregor Amann (SPD), der Grünen-Politiker Christoph Rosenbaum, IHK-Präsident Ulrich Caspar, WIZO-Präsidentin Nicole Faktor, Tourismus-Chef Thomas Feda sowie Wirtschaftsförderer Eric Menges – bei jedem Programmpunkt ein wenig bestaunt.

          Dass die Städte um ihre Freundschaft sogar etwas beneidet werden, räumte dann schließlich Jörg Walandy, der stellvertretende deutsche Botschafter in Israel, ein. Während seine Chefin den letzten Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Israel begleitete, kam er zur Freundschaftszeremonie der beiden Kommunen. Mit etwas Neid schaue man in Berlin auf den Austausch von Schülern und Studenten zwischen den beiden Städten, auf Staatsebene habe man die Idee eines deutsch-israelischen Jugendwerkes bisher leider noch nicht verwirklichen können, sagte der Diplomat. „Und so ist diese Beziehung eine, von der wir lernen können.“

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