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Frankfurt und die Blindgänger : Warum Entschärfungen von Bomben beruhigend wirken

  • -Aktualisiert am

Gruppenweise verlassen Menschen den Evakuierungsbereich im Frankfurter Ostend. Bild: dpa

In Frankfurt sollen noch Hunderte Bomben in der Erde oder im Main liegen. Trotzdem ist die Situation eigentlich gar nicht so schlecht.

          Frankfurt baut, was das Zeug hält, und kein Mensch weiß, wann dabei die nächste Bombe gefunden wird. Da ist es sehr beruhigend, wenn es Leute gibt, die das gefährliche Handwerk beherrschen, die brisanten Hinterlassenschaften des Krieges unschädlich zu machen. Allein in dieser Stadt sollen Bomben noch zu Hunderten im Erdreich oder auf dem Grund des Mains liegen.

          Gestern ist dem hessischen Kampfmittelräumdienst – vielleicht überlegt sich ja jemand einmal, ob der verstaubte Begriff noch angemessen ist – ein weiterer Beweis seines Könnens gelungen. Die Splitterbombe steckte kopfüber im Boden, ein Zünder hätte deformiert sein können: Die Sprengmeister waren darauf vorbereitet, gewissermaßen zum Skalpell greifen zu müssen. Ein Wasserstrahlschneider stand für den Einsatz bereit. Das ist ein Produkt ausgefeilter Ingenieurskunst. Wer das Gerät bedient, braucht ebenso wie bei der gestern eingesetzten klassischen Technik Fingerspitzengefühl – und vor allem gute Nerven.

          Erfahrungen aus 2017

          Es erfordert einen immensen logistischen Aufwand, ein solches Gebiet, das sich zudem über den Main erstreckte, zu räumen und zu sichern. Aufgrund der Erfahrungen, die im September 2017, nach dem Fund der gewaltigen Luftmine im Frankfurter Westend, gemacht wurden, haben Stadt, Polizei und Feuerwehr ihr Konzept weiterentwickelt. Nach vorläufiger Bilanz verlief die Evakuierung geschmeidiger, auch wenn die eine oder andere Klage („zu wenig Infos, zu wenig Busse“) noch zu hören war.

          Außer der Hochachtung vor den Profis an der Bombe überkommt einen an Tagen wie diesen vor allem das Gefühl, es sei eigentlich gar nicht so schlecht bestellt um die Hilfsbereitschaft in einer angeblich immer kälter werdenden Gesellschaft. Von den Hunderten Helfern, die sich am Samstag und gestern um Alte, Kranke und all jene kümmerten, die eine solche Situation nicht allein bewältigen können, war der große Teil ehrenamtlich tätig. Das heißt, die Mitglieder der Hilfsorganisationen, die aus der ganzen Region nach Frankfurt gekommen waren, haben wieder einmal einen Sonntag für die Allgemeinheit geopfert. Sie werden müde sein, aber, zu Recht, auch stolz.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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