https://www.faz.net/-gzg-9osl4
Helmut Schwan (hs.)

Frankfurt und die Blindgänger : Warum Entschärfungen von Bomben beruhigend wirken

  • -Aktualisiert am

Gruppenweise verlassen Menschen den Evakuierungsbereich im Frankfurter Ostend. Bild: dpa

In Frankfurt sollen noch Hunderte Bomben in der Erde oder im Main liegen. Trotzdem ist die Situation eigentlich gar nicht so schlecht.

          1 Min.

          Frankfurt baut, was das Zeug hält, und kein Mensch weiß, wann dabei die nächste Bombe gefunden wird. Da ist es sehr beruhigend, wenn es Leute gibt, die das gefährliche Handwerk beherrschen, die brisanten Hinterlassenschaften des Krieges unschädlich zu machen. Allein in dieser Stadt sollen Bomben noch zu Hunderten im Erdreich oder auf dem Grund des Mains liegen.

          Gestern ist dem hessischen Kampfmittelräumdienst – vielleicht überlegt sich ja jemand einmal, ob der verstaubte Begriff noch angemessen ist – ein weiterer Beweis seines Könnens gelungen. Die Splitterbombe steckte kopfüber im Boden, ein Zünder hätte deformiert sein können: Die Sprengmeister waren darauf vorbereitet, gewissermaßen zum Skalpell greifen zu müssen. Ein Wasserstrahlschneider stand für den Einsatz bereit. Das ist ein Produkt ausgefeilter Ingenieurskunst. Wer das Gerät bedient, braucht ebenso wie bei der gestern eingesetzten klassischen Technik Fingerspitzengefühl – und vor allem gute Nerven.

          Erfahrungen aus 2017

          Es erfordert einen immensen logistischen Aufwand, ein solches Gebiet, das sich zudem über den Main erstreckte, zu räumen und zu sichern. Aufgrund der Erfahrungen, die im September 2017, nach dem Fund der gewaltigen Luftmine im Frankfurter Westend, gemacht wurden, haben Stadt, Polizei und Feuerwehr ihr Konzept weiterentwickelt. Nach vorläufiger Bilanz verlief die Evakuierung geschmeidiger, auch wenn die eine oder andere Klage („zu wenig Infos, zu wenig Busse“) noch zu hören war.

          Außer der Hochachtung vor den Profis an der Bombe überkommt einen an Tagen wie diesen vor allem das Gefühl, es sei eigentlich gar nicht so schlecht bestellt um die Hilfsbereitschaft in einer angeblich immer kälter werdenden Gesellschaft. Von den Hunderten Helfern, die sich am Samstag und gestern um Alte, Kranke und all jene kümmerten, die eine solche Situation nicht allein bewältigen können, war der große Teil ehrenamtlich tätig. Das heißt, die Mitglieder der Hilfsorganisationen, die aus der ganzen Region nach Frankfurt gekommen waren, haben wieder einmal einen Sonntag für die Allgemeinheit geopfert. Sie werden müde sein, aber, zu Recht, auch stolz.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Weitere Themen

          Gautschen trotz Corona

          Johannisnacht in Mainz : Gautschen trotz Corona

          Die Johannisnacht in Mainz ist auch in diesem Corona-Jahr kein großes Spektakel. Auf Traditionen muss bei dem eingeschränkten Programm aber trotzdem nicht verzichtet werden.

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Das Brückenelend und seine Folgen

          Heute in Rhein-Main : Das Brückenelend und seine Folgen

          Die Sperrung der Salzbachtalbrücke hat die erwarteten Folgen gezeigt. Es hätte aber noch schlimmer kommen können. Hessen startet eine Kampagne zur Artenvielfalt. Die Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.