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Frankfurt und Davos : Netzwerken im Bergdorf

World Economic Forum: Auch Frankfurt ist dabei. Bild: AFP

Es müssen nicht immer Klimaschützer oder Präsidenten sein: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sind Gäste aus Frankfurt ebenfalls gefragte Gesprächspartner.

          3 Min.

          Dieser Zwischenruf ist für Eric Menges der Satz des Abends. Als Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagt, Frankfurt sei bereit für den Austritt der Briten aus der Europäischen Union, da ruft eine Frau im hellroten Kostüm: „... and you’re the only one.“ Unter den Gästen des Empfangs „Frankfurt meets Davos“ gibt es Gelächter. Und Menges, Geschäftsführer der für das regionale Standortmarketing zuständigen Frankfurt/Rhein-Main GmbH, ist beinahe euphorisch. Der Zwischenruf sei schließlich auch ein Beweis dafür, dass die Stadt Frankfurt und die Region Rhein-Main seit dem Brexit von Managern und Unternehmern ganz anders wahrgenommen würden als zuvor, sagt der Wirtschaftsförderer. „Alle wissen, dass wir auf den Brexit vorbereitet sind.“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fast immer, wenn es seit dem Brexit-Votum 2016 um die Frage gegangen sei, wo sich international tätige Banken und andere Konzerne ansiedeln sollten, um weiterhin in der Europäischen Union Geschäfte machen zu können, sei der Name Frankfurts gefallen. Viele Unternehmen haben längst bekanntgegeben, an den Main zu ziehen oder die dort schon vorhandene Belegschaft zu vergrößern.

          Menges glaubt, dass dieser Prozess noch nicht beendet ist, „denn wir sind jetzt immer im Rennen, wenn Unternehmen in Europa neue Standorte suchen“. Das spürt er auch beim 50. Weltwirtschaftsforum, dem Gipfeltreffen der globalen Wirtschaftselite im Schweizer Bergdorf Davos. Menges greift in die Tasche seines Anzugs und zieht ein Bündel Visitenkarten heraus. „War wieder sehr ergiebig“, sagt er. Zum Beispiel habe er den Geschäftsführer des Software-Riesen HP getroffen, berichtet der Wirtschaftsförderer am Mittwochabend auf dem Empfang „Frankfurt meets Davos“, zu dem der Frankfurter Konferenzveranstalter Euro Finance Group, eine Tochter des Deutschen Fachverlags, und die Frankfurt/Rhein-Main GmbH in das Hotel Steigenberger Belvedere eingeladen haben.

          Hotspot für Netzwerker

          Das Hotel ist in diesen Tagen ein Hotspot für Netzwerker, streng bewacht und am Abend zum Bersten gefüllt. Die achteckige Lobby ist außerhalb des Kongresszentrums der alles verbindende Knoten eines mächtigen Business-Netzwerks. Wer dort steht, trifft innerhalb von Sekunden auf Staatschefs, Unternehmenslenker und andere Promis, und er hat die Wahl: rechts zur Party der Wirtschaftsprüfer von PWC, geradeaus zur Bank of America, links zum Empfang der Unternehmensberatung EY. KPMG, Goldman Sachs, Deutsche Bank, Morgan Stanley – im Steigenberger schütteln die Topmanager der globalen Wirtschaft einander die Hände.

          Mitten in diesem undurchsichtigen Trubel führt eine Treppe hinab nach Frankfurt. Zum elften Mal präsentiert sich die Bankenstadt auf dem Gipfeltreffen, als einzige Stadt überhaupt, wie die Frankfurter nicht müde werden zu betonen. Im Raum „Scaletta“ im Untergeschoss des teuren Hotels drängen sich rund 350 Gäste. Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr ist da, Morgan-Stanley-Aufsichtsratschef Lutz Raettig, der frühere Bundesbankpräsident Ernst Welteke, der Deutschland-Chef des Finanzinvestors Cerberus, David Knower. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kommt etwas später. Auch Topmanager von Microsoft, Fresenius, Merrill Lynch haben den Weg hierher gefunden. Oberbürgermeister Feldmann preist in englischer Sprache die Vorzüge Frankfurts als Wirtschaftsstandort, und Offenbachs Stadtoberhaupt Felix Schwenke (SPD) lässt wissen, beide Städte seien so eng zusammengewachsen, dass er sich auch längst als Frankfurter fühle.

          Frankfurt präsentiert sich in Davos

          Menges sagt, für Frankfurt sei es super, sich in Davos präsentieren zu können, „weil man hier in kurzer Zeit so viele einflussreiche Leute treffen kann wie sonst nie“. Die Gäste bestätigen diese These. Gunnar Wöbke zum Beispiel. Der Geschäftsführer des Basketballklubs Frankfurt Skyliners ist begeistert, dass sich Frankfurt bei dem elitären Treffen zeigt. Es sei für alle Unternehmen der Region, auch für sein eigenes, wichtig, große Konzerne in und um Frankfurt anzusiedeln, sagt er. „Und hier trifft man diese Firmen.“ Ein Netzwerker ist auch Christian Sewing. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank ist zwar nicht zu der Werbeveranstaltung für Frankfurt gekommen, hält sich aber dennoch vier Tage in Davos auf, wie ein Unternehmenssprecher berichtet, „und der Kalender ist voll mit Terminen, von morgens um sieben bis in die Nacht hinein“. Die Deutsche Bank hat in Davos ein kleines Büro einer Versicherungsagentur umgebaut und empfängt dort Gesprächspartner wie BASF-Chef Martin Brudermüller oder den Chef der Fondsgesellschaft Blackrock, Larry Fink, zu Gesprächen im Kreis von Kunden.

          Wenige Meter entfernt vom Büro der Deutschen Bank an der Promenade, der Hauptverkehrsstraße von Davos, hat auch die Euro Finance Group ein eigenes Büro. Am Dienstag, berichten Mitarbeiter, sei auf der Promenade kurzzeitig das Chaos ausgebrochen, als der amerikanische Präsident Donald Trump in Davos weilte, um den sich hier vieles dreht, auch wegen der immensen Sicherheitsvorkehrungen. Die Hoffnung, dass Trump, der mit Cerberus-Manager Knower persönlich bekannt ist, auch mal beim Empfang „Frankfurt meets Davos“ vorbeischauen würde, erfüllte sich jedoch nicht. Am Bekanntheitsgrad der Stadt habe das nicht gelegen, scherzt Knower und zeigt ein Foto mit Trump auf seinem Handy. „Er war einfach durchgetaktet.“

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