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Frankfurt : Umstrittene Diskothek U60311 öffnet wieder

Keine Zierde fürs Stadtbild: der Eingang des umstrittenen U 60311. Bild: Eilmes, Wolfgang

Vor zwei Jahren prügelte ein Türsteher einen britischen Besucher zu Tode. Nun soll die deshalb in Verruf geratene und inzwischen insolvente Diskothek U60311 wieder geöffnet werden.

          Die wegen des gewaltsamen Todes eines Besuchers vor zwei Jahren in Verruf geratene und inzwischen insolvente Diskothek U60311 am Frankfurter Roßmarkt soll trotz einer Räumungsklage der Stadt wieder geöffnet werden. Wie der Insolvenzverwalter Eike Happe erläuterte, wird der Betrieb „zum Schutz der Gläubiger“ am 15.August wiederaufgenommen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Ostermontag 2010 war ein britischer Besucher in den Räumen der Diskothek zu Tode geprügelt worden. Das Gerichtsverfahren gegen die angeklagten Türsteher läuft zurzeit. Der bisherige Clubbetreiber Alexander Eger war damals unter anderem für seine Entscheidung, den Club schon zwei Tage nach dem Tötungsdelikt wieder zu öffnen, stark kritisiert worden.

          „Er hat den Schlüssel nicht rausgerückt“

          Die Stadt ist Eigentümerin der früheren Unterführung, in der das U60311 Techno-Partys veranstaltete, und hatte nach dem Vorfall auf verschiedenen Wegen versucht, das Mietverhältnis vorzeitig zu beenden. Schließlich hatte sie eine Räumungsklage angestrengt. Man einigte sich außergerichtlich auf einen Vergleich: Die Disko sollte zum 30.Juni schließen, im Gegenzug verzichtete die Stadt auf ausstehende Mietzahlungen.

          Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Betreiber der Diskothek jedoch kurz vor dem Stichtag der Schließung einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Seither ist der Club zwar zu, soll aber nun wieder geöffnet werden. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel zufolge verfügt der Insolvenzverwalter über das Eigentum der Stadt. „Er hat den Schlüssel nicht rausgerückt.“ Dies sei „ein höchst ärgerlicher Vorgang“.

          Ablöse scheitert an Preisvorstellungen

          Die Räume sollten schon am 4.Juli übergeben werden. Dem widersprach aber der Insolvenzverwalter. Wie Happe sagt, ist er zur weiteren Nutzung der Räume berechtigt und kann den Geschäftsbetrieb fortsetzen. Er beruft sich auf das Insolvenzrecht. Zur Fortführung des Geschäftsbetriebs könne ein Insolvenzverwalter demnach auch Gegenstände nutzen, die im Eigentum eines anderen stünden. Auf diesem Weg könnten die Gläubiger ihre Interessen besser befriedigen, „als wenn man einfach die Tür zumacht“. Egers Verbindlichkeiten lägen bei deutlich unter einer Million Euro.

          Gangel zufolge hat die Stadt einen Räumungstitel, den sie auch polizeilich durchsetzen könne. Er wolle versuchen, einen Gerichtsvollzieher mit der Räumung zu beauftragen. Die Stadt plant auch schon seit Jahren, die oberirdischen Eingangsbauwerke zum U60311 teilweise abzureißen und umzubauen. Auch dafür wolle man die nächsten Monate nutzen, sagte Gangel. Danach wolle die Stadt selbst entscheiden, wer die Disko übernehme. Es gebe „mehrere hochinteressierte Bewerber“. Eger hatte selbst erfolglos nach einem Nachfolger gesucht, der vor allem die teure Inneneinrichtung des Clubs übernehmen sollte. Das scheiterte offenbar an den hohen Preisvorstellungen. Eger soll eine Million Euro Ablöse gefordert haben.

          „Das Insolvenzrecht ist ein scharfes Schwert“

          Die von Gangel angestrebte Räumung wird allerdings durch die Insolvenz des Betreibers erschwert. „Die Stadt darf die Räume nicht herausverlangen. Das Insolvenzrecht ist ein scharfes Schwert“, sagte Happe. Weil es andere Regeln außer Kraft setze, sei der Räumungstitel im Insolvenzverfahren nicht durchsetzbar.

          Man wolle mit der Stadt eine Einigung erzielen. „Fernziel“ sei die Übertragung des Clubs auf einen neuen Betreiber, mit dem auch die Stadt zufrieden wäre. Allerdings müsse dieser das Eigentum des Schuldners für einen „wirtschaftlich vernünftigen Kaufpreis“ übernehmen. Dazu zählt Happe auch schwer einzeln zu veräußernde Bestandteile der Einrichtung wie die Klimaanlage oder die Sanitäranlagen. „Eine isolierte Neuvermietung ohne Einigung, dass Teile des Inventars übernommen werden, ist schwer vorstellbar.“

          Den Club „erwachsener“ erscheinen lassen

          Am 15.August sollen zunächst die Türen des kleinen Clubs „311“ wieder öffnen, der große Raum soll vom 14.September an genutzt werden. Die Frankfurter DJs Pascal F.E.O.S. und Kerstin Eden sind künftig für die musikalische Leitung des Clubs zuständig. Sie sollen auch das Image des Clubs verbessern und ihn „erwachsener“ erscheinen lassen. Happe hat einen guten Eindruck von dem neuen Führungspersonal. Der derzeitige Geschäftsführer Eger ziehe sich zurück. Damit verlasse eine „Reizfigur“ die Bildfläche.

          Wie lang der Betrieb fortgesetzt wird, ist offen. Happe zufolge gibt es formal keine zeitliche Obergrenze. „Es kann aber nicht im Interesse der Beteiligten sein, diesen Zustand länger als vermeidbar aufrechtzuerhalten.“

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