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Frankfurter Europaviertel : U-Bahn 64 Millionen Euro teurer

Dauerbaustelle Güterplatz: Vom Hauptbahnhof aus soll die Verlängerung der U5 über diese Station ins Europaviertel führen. Bild: Grapatin, Niklas

Teurer und später fertig: Die neue U-Bahn-Strecke im Europaviertel soll erst im Jahr 2022 vollendet werden. Die Kosten steigen von 217 auf 281 Millionen Euro. Denn die Pläne zeigen Defizite.

          Die U-Bahn ins Frankfurter Europaviertel wird um 64 Millionen Euro teurer als erwartet. Nach der aus technischen Gründen nötig gewordenen Umplanung werden die Gesamtausgaben für das Projekt bei 281 Millionen Euro liegen. So steht es in der neuen Bau- und Finanzierungsvorlage, die der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) dem Magistrat vorgelegt und die das Gremium genehmigt hat. Der Stadtrat hofft, dass die Stadtverordneten noch im Juli zustimmen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die neue Linie soll als Verlängerung der U5 über den Hauptbahnhof hinaus ins Europaviertel mit den Stationen Güterplatz, Emser Brücke und Europapark zur Endstation mit dem vorläufigen Namen Wohnpark führen. In der ursprünglichen Planung, die im Sommer 2013 von den Stadtverordneten gutgeheißen worden war, lagen die Kosten noch bei 217 Millionen Euro.

          Fertigstellung auf 2022 verschoben

          Doch stellte sich bald heraus, dass die Pläne Defizite hatten. Das ursprünglich für den Tunnelbau vorgesehene bergmännische Verfahren barg ein zu großes Risiko, dass der Untergrund erschüttert werden und sich setzen könnte. Auch die notwendigen Eingriffe ins Grundwasser erwiesen sich als problematisch, das Regierungspräsidium Darmstadt als obere Wasserbehörde erhob Bedenken. Nach den neuen Plänen soll eine Tunnelvortriebsmaschine die Röhre für die unterirdischen Teile der Strecke bohren.

          Auch die vorgesehene Deckelbauweise für die unterirdische Station Güterplatz erwies sich als nicht realisierbar. Nun soll der Bahnhof in einer offenen Bauweise errichtet werden, eine Methode, die konstruktiv aufwendiger ist und auch mehr Zeit beansprucht. Statt fünf Jahren werden die Arbeiten an der U-Bahn-Strecke und ihren Bahnhöfen jetzt sechseinhalb Jahre dauern, so dass erst im Jahr 2022 mit der Eröffnung gerechnet werden kann.

          VGF soll nun das Projekt ausführen

          Tatsächlich sind durch die Umplanungen die Kosten rechnerisch um 100 Millionen gestiegen. Real will das Dezernat durch Gegenmaßnahmen die Preissteigerung auf besagte 64 Millionen begrenzen. Die wichtigste Änderung besteht darin, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) die Stadt Frankfurt als Bauherr ablöst. Die VGF soll nun das Projekt auf eigene Rechnung ausführen und von der Stadt nur einen Zuschuss bekommen.

          Die Leitung soll einer noch von Stadt und VGF zu gründenden „Projektbaugesellschaft Stadtbahn Europaviertel“ übertragen werden. Externe Fachleute werden das Vorhaben die ganze Zeit über juristisch begleiten. Dieses sogenannte Claim-Management, das Schwächen in den Ausschreibungen und in den Verträgen mit Bauunternehmen rechtzeitig erkennen soll, hat sich nach Angaben Majers beim Bau der Osthafenbrücke bewährt.

          Die Sache mit dem Vorsteuerabzug

          Zu der vollständigen Übergabe der Bauträgerschaft an die VGF haben sich Stadtrat Majer und das Verkehrsdezernat aus steuerlichen Gründen entschlossen. Im Gegensatz zur Stadt kann die mit einer Berechtigung zum Vorsteuerabzug ausgestatteten Verkehrsgesellschaft das Projekt auf Nettobasis ausführen. Der Wegfall der Mehrwertsteuer könnte die Kosten um ein Fünftel senken. Der Wechsel auf eine Nettoabrechnung ist laut Stadtrat Majer auch deshalb geboten, weil der Bund als größter Zuschussgeber neuerdings nur noch Geld auf Nettobasis gibt.

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