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Frankfurts Twitter-Kanal : Mit 140 Zeichen schnell beim Bürger

  • -Aktualisiert am

So hielt unsere Karikaturistin Teresa Habild damals den Start des Twitter-Kanals der Frankfurter Polizei fest. Bild: Teresa Habild

Kurze Texte, schnelle Information: Das sind die Vorteile des Kurznachrichtendienstes Twitter. Bei Frankfurter Institutionen ist das Medium mittlerweile sehr beliebt.

          Feuerwehrleute retten nicht nur Leben, sie twittern auch. Bei Einsätzen etwa, wie dem Brand im Frankfurter Uniklinikum Anfang Februar. Dann veröffentlichen sie fast alle paar Minuten ein Tweet. Damit wollen die Helfer die Nutzer möglichst schnell auf dem Laufenden halten. Außer der Feuerwehr nutzen auch andere Organisationen in der Stadt zunehmend das Potential des Nachrichtendienstes und sind dort aktiv. Gerade in Frankfurt ist das Interesse an Twitter groß, viele Institutionen sind dort mit ihren Kanälen besonders erfolgreich.

          Laut einem Sprecher der Stadt ist Frankfurt einer der bedeutendsten Twitter-Standorte in Deutschland. In der Region gebe es viele Nutzer, und die Community sei sehr aktiv. Das habe auch das Unternehmen Twitter erkannt und im Mai 2014 einen Hashtag für die Stadt eingerichtet. Ein Hashtag ist ein Stichwort, mit dem Tweets gekennzeichnet werden. Unter #meinfrankfurt soll ein virtuelles Stadtporträt entstehen. Dort werden Hinweise veröffentlicht wie: „95 Euro kalt/Monat für einen Parkplatz“. Andere Nutzer erwähnen Ereignisse des städtischen Lebens. „Frankfurter Kultclub ade, alte, legendäre #Batschkapp wird zertrümmert #meinFrankfurt“.

          Feuerwehreinsatz nahezu live

          Die Besonderheit des Dienstes liegt in der Kürze der Nachricht, sie darf nicht länger als 140 Zeilen lang sein. So können die Nutzer mehr Informationen überblicken als in anderen sozialen Medien wie Facebook, in denen es vor allem um die Interaktion mit Freunden und Bekannten geht. Twitter hingegen wird häufig aus beruflichen Gründen genutzt, zum Beispiel von Journalisten. Auf sie zielt auch die Feuerwehr. Sie baut ihre Präsenz in dem Dienst gerade auf, um jene Nutzer zu erreichen, die Informationen weiterverbreiten. Die Schnelligkeit des Dienstes mache ihn gerade bei der Krisenkommunikation so wertvoll. Die einfache Bedienung und die Geschwindigkeit seien zum Beispiel bei Einsätzen wie dem im Uniklinikum wichtig. Mit fast einem Dutzend Tweets konnten die Nutzer den Einsatz nahezu live verfolgen: „Bis jetzt keine Verletzten. Eine Person über Drehleiter gerettet.“

          Der RMV twittert vor allem Störungshinweise auf seinem Kanal RMVinfo. Doch der Verkehrsverbund wolle nicht nur mit Twitter Informationen senden, sondern auch welche empfangen, sagt ein Sprecher. Die Kunden könnten sich daher über den zweiten Kanal RMVdialog über den Dienst beschweren oder Wünsche äußern – oft geht das schneller als mit einer E-Mail, und fixer als mit einem Brief sowieso. Beschwerden leitet das Twitter-Team zumeist weiter, etwa, wenn an einer Station mehrere Lampen ausfallen. Allerdings belässt es der RMV oft genug bei einer kurzen Erklärung. So klagte ein Fahrgast über das laute Piepsen bei offenen Türen in den S-Bahnen. Der Verkehrsverbund antwortete via Twitter: „Lautstärke und Frequenz des Tones beim Öffnen und Schließen der Türen richtet sich nach bestimmten EU-Vorgaben.“ Der Vorteil für den RMV: Die Frage eines Kunden kann öffentlich, für alle sichtbar beantwortet werden.

          Frankfurt mit sehr erfolgreichem Kanal

          Auch die Stadt Frankfurt ist an Feedback interessiert. Unter allen städtischen Institutionen hat sie die meisten Follower, 42.500 Menschen haben den Kanal abonniert. Der Social-Media-Abteilung der Stadt ist die Unmittelbarkeit besonders wichtig. Eine öffentliche Verwaltung wirke auf die Bürger oft fern und abstrakt. Durch Twitter könne man sich als direkt ansprechbares Service-Team präsentieren, heißt es aus der Social Media-Abteilung der Stadt. Dabei müsse es nicht immer um Themen der Verwaltung gehen. Auf die Frage eines Nutzers nach einem Internet-Hotspot in Frankfurt antwortete Veronica Katic, die unter anderem für Twitter zuständig ist: „Haben bei der Tourist-Info nachgefragt: u.a. im BarCelona am Stoltzeplatz und im Starbucks an der Börse.“ Die Stadt hofft zudem, über die Informationen der Bürger frühzeitig Themen und Probleme zu stoßen. „Möglichst schon, bevor sie in der Presse aufgegriffen werden“, um rechtzeitig gegensteuern zu können, wie aus der Abteilung zu hören ist. Die Verwaltung könne den Kanal selbst betreiben, während andere deutsche Städte die Aufgabe an Firmen vergeben hätten.

          Mit 48.300 Followern unterhält Frankfurt unter den deutschen Städten einen der erfolgreichsten Twitter-Kanäle. Experten führen das unter anderem auf die Rolle von Frankfurt als Verkehrsknotenpunkt zurück. Menschen aus vielen Ländern, in denen Twitter intensiver genutzt wird, leben hier und machen den Dienst damit populärer.

          Trotz des großen Engagements liegt die Stadt Frankfurt mit vier bis sieben Tweets pro Tag nur im Mittelfeld unter den Frankfurter Institutionen. Spitzenreiter ist der RMV. An manchen Tagen werden mehr als ein Dutzend Tweets veröffentlicht. Freilich nicht zur Freude der Fahrgäste, denn in der Regel handelt es sich um Störungsmeldungen. So kann der Blick auf Twitter den Leser auch schnell und unmittelbar ärgern.

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